
2. BL:
1. fsv mainz 05 - FCSTP - 2:2
Manchmal auch nicht –
dann frage ich mich, was einen durchschnittlich intelligenten Mitteleuropäer
dazu treibt, am heiligen Sonntag in aller Herrgottsfrühe aufzustehen, sich in
Kälte und Schneetreiben zum Bahnhof zu begeben, der deutschen Bahn massenhaft
Geld für ihren mangelhaften Service in den Rachen zu werfen, um dann drei
Stunden lang fröstelnd in einer zugigen Kurve Männern in kurzen bei der
Leibesertüchtigung zuzusehen. Eine
Auswärtsfahrt nach Mainz Ende November ist Anlass für solch eine
Fragestellung. Ich kann mich halt noch
an das letzte Saisonspiel 07/08 erinnern, wo wir fünf Dinger gekriegt hatten
und heute ging es zum Tabellenführer, erster der Heimtabelle gegen den
fünfzehnten der Auswärtstabelle. Wenig
Anlass zur Euphorie, auch die Mitglieder meiner Reisegruppe einigten sich
darauf, dass wir uns achtbar aus der Affäre ziehen sollten. Mittlerweile haben wir es geschafft, immerhin
zehn Leute zusammenzubekommen, die von Stuttgart aus auf Zeckentour fahren und
das braun-weiße Credo in den Zügen verbreiten.
Reisen zu den Carnevallistas (sofern sie denn
rot-weiß tragen), sind von der Sache her immer entspannte Angelegenheiten,
soweit ich das bisher erlebt habe. Man
kommt an, keine Balletttruppe von Grün-Weiß Pfalz, sondern man kann sich in der
Stadt frei bewegen, nett was essen und trinken und ein freundlicher älterer
Meenzer zeigte uns einen Schleichweg zum Stadion. Beim Einkaufszentrum gegenüber hatten sie wieder
Bier- und Glühweinbuden aufgebaut, alles easy, auch die Contros am Stadion
spielten nicht Nobeldiscotürsteher, allerdings könnte sich 05 mal mehr Tore am
Eingang zum Gästeblock leisten – was man sich bei den Contros an Zeit spart,
verschenkt man beim Kartenabreisser. Letztes Jahr hatte ich Karten für Block J,
der ist doof in der Ecke gelegen, Block K und L haben fast
Gegengeradecharakter, alles zwar relativ eng, aber kein Vergleich zu anderen
Gästekäfigen. Auch das Catering ist
relativ gut durchorganisiert, alles doch gästefreundlich und nicht
gegnerorientiert. Bis dahin glich alles
dem Sommerausflug vom Jahr zuvor (mit Ausnahme der Temperaturen).
Es gab nur einen feinen Unterschied: das
Spiel!!! Das war ganz großer Sport für
Erwachsene; gut, der Fußballgott war zwischendurch mehrmals pinkeln, so konnte
Schiri Metzen zwischendurch mal seinen Part einnehmen, verweigerte den Mainzern
einen relativ klaren Handelfmeter und einen zumindest gebwürdigen und auch für
uns hätte es wohl einen Elfer geben müssen; gänzlich zur Legende wurde der Mann
allerdings mit seiner Doppelgelbziehung in der 43. Minute gegen Flo und
Karhan. Ausgerechnet Ludwig, der die
letzten Wochen so beschissen gespielt hatte und dessen ganze Körpersprache
alles andere als Zutrauen ausdrückte, macht die Kiste zur Führung. Den Mann vor mir befällt dermaßen die
Euphorie, dass er mir mein Bier über die Jacke schüttet, ich verzeihe ihm
freudig erregt. – die Euphorie ist allerdings dann vorbei, als Borja ins Spiel
kommt und den Ausgleich besorgt. Da war
es dann wieder, das Auswärtsgespenst und schon kommt das Zweite und da war sie
wieder, die Frage und auch die Frage, geh ich jetzt n Bier holen, weil es jetzt
wieder ne Klatsche wird. Ein
Mitreisender hat mir eins mitgebracht und ich bin stehen geblieben, die
Mannschaft zeigte Cochones, ist nicht zerfallen, selbst ein Sako erinnerte an
beste Zeiten, schaffte es sogar, Kopfballduelle zu gewinnen, vor allem das
eine, das Rothenbach zum Ausgleich verlängerte.
Da war der Fußballgott dann nochmals pinkeln. 3:1
Pinkelpausen für den FC St. Pauli – ist das gerecht??? Nein, aber wer hat gesagt, dass der
Fußballgott gerecht ist, er ist eher eine launische Diva, aber er beschenkt
seine Zweifler immer wieder mit kurzen Glücksmomenten, damit sie ihm auch weiter
folgen.
Und wenn es mal wieder Sonntags morgens ist, ich mich frage: „was treibt einen
durchschnittlich intelligenten Mitteleuropäer, dazu, am heiligen Sonntag ... „
dann denke ich an Mainz am 23.11.2008 und ich weiß eine Antwort, die mich
aufstehen lässt.