Sonntag, 12. April 2009

Denk ich an Frankfurt in der Nacht...


FSV Frankfurt

3 Spiele
2 Siege
kein Unentschieden
eine Niederlage
6:2 Tore


... dann dachte fußballtechnisch bis zum 12.12.2008 (nein, es war nicht der 11.11.) ansich immer an die Eintracht und die Duelle des FC gegen sie, bis uns ein Herr namens Emil Noll den FSV Frankfurt ins Bewusstsein zurückbrachte.  St. Pauli tritt an beim damaligen Tabellenletzten der 2. Liga und alles freut sich auf den zweiten Auswärtssieg, bis in einem Grottenkick in der 88. Minute Herr Noll zum 1:0 für den FSV traf, so das Endergebnis markierte und allen St. Pauli Fans das Weihnachtsfest versaute.  Mann hätte es ahnen können, der Mann hat letztes Jahr noch in Paderborn gespielt und alle, die letztes Jahr beim 1:4 dabei waren, wissen, was das Wort Spielverderber bedeutet.  Nun sind sie also zu Gast am Millerntor, die kleinen Frankfurter aus dem Stadtteil Bornheim – das gab es noch nicht so oft, genauer gesagt nur einmal bislang.  Denn die größten Erfolge des FSV liegen nun schon lange zurück, vor dem zweiten Weltkrieg – 1925 deutscher Vizemeister, 1933 süddeutscher Meister und 1938 Pokalfinalist -  danach wurden die Bornheimer immer mehr von der Eintracht in den Schatten gestellt.  Beim Bundesligastart 1963 war dann logischerweise auch die Eintracht erstklassig, während der FSV Regional- oder sogar Amateurliga spielte.  1972 wurde man immerhin Deutscher Amateurmeister.  Von 1975 bis 1981 war man dann Dauergast in der 2. Bundesliga Süd, verpasste aber die Qualifikation zur eingleisigen zweiten Liga.  82/83 gab man dort ein kurzes Gastspiel,                                danach hieß es denn wieder ab in den Amateurfußball.  Was einstmals Schlangen-Franz Gerber für den Norden (St. Pauli, Celle, Hannover) war, war der „schwarze Abt“ Klaus Gerster für die Rhein-Main Region: 1993 wirkte er in Bornheim als Manager und brachte den FSV wieder in die zweite Bundesliga, wo er 94 sogar den Trainerposten  übernahm, allerdings konnte auch er das Desaster nicht verhindern.  Sein Team übernahm am vierten Spieltag den letzten Tabellenplatz, den es konsequent bis zum Schluss besetzte und im März 95 war man Gersters Dienst denn auch überdrüssig am Bornheimer Hang.  Aus dieser Saison datieren denn auch die beiden einzigen Duelle mit dem FC vor jenem unseligen 12.12.08, in denen der spätere Aufsteiger St. Pauli mit dem späteren Absteiger FSV damals keine Mühe hatte.  Am Millerntor gab es ein 3:0 (Scharping / 6. – Driller / 29. – Szubert / 90.), wobei Drillo in der 60. Minute sogar noch mit einem Elfer an Keeper Ernst scheiterte.  Am vorletzten Spieltag gewannen die Unseren mit 3:1, wobei Milovanovic in der 40. die Führung von Trulsen aus der 5. egalisieren konnte; in der 2. Halbzeit schossen Szubert in der 65. und Pröpper in der 78. per Elfmeter aber einen klaren Sieg heraus.  Im Kader der Frankfurter standen damals zwei Spieler, die später auch noch ihre Schuhe am Millerntor schnüren sollten: Demir Duric 96/97 und Jens Rasiejewski, 2002/03.
Nach dem Abstieg aus der 2. Liga stieg der FSV auch gleich noch in die Amateur-Oberliga ab, der man 2007 entkommen konnte, um ein Jahr später dann „überraschend“ den Durchmarsch in die 2. Bundesliga zu schaffen.  Ich habe an solchen Überraschungen immer meine Zweifel...Hyundai und die Frankfurter Volxbank heißen die Hauptsponsoren; das Stadion am Bornheimer Hang wird zukünftig auf 15.000 Plätze ausgebaut und Frankfurter Volksbank Arena heißen, weswegen der FSV seine Heimspiele diese Saison in der Commerzbank-Arena austragen wird und für alle, die im Dezember da waren, eine ziemlich trostlose Angelegenheit darstellen; 7.700 Zuschauer „füllten“ beim Hinspiel das weite Rund, wobei der St. Pauli Block der gefühlt dichtbesetzteste Teil des Stadions war.  Mal schauen, wie viele Fans den FSV ans Millerntor begleiten werden.  Von der Atmosphäre, die die Spieler dort erwarten wird, können zwei Mitglieder aus dem aktuellen Kader des FSV ihren Kollegen erzählen, da sie selbst für Braun-Weiß aufgelaufen sind: Mathias Cenci, der argentinische Stier, der 2001 bis 2003 bei uns kein rotes Tuch durchtrennt hatte (letzte Saison traf er immerhin 17 mal für den FSV) und Thomas Sobotzik, von 1995 bis 1997 bei uns am Ball, mit 33 wohl über das Stadium eines ewigen Talentes hinaus nach einer wahren Fußball-Weltreise mit acht Vereinen in elf Jahren. und nun wohl auch in Bornheim zu den Auslaufmodellen gehört, denn er hat diese Saison noch kein Spiel bestritten. Ach ja ... erwähnte ich schon: die Herren Cenci und Sobotzik stehen beide bei dem selben Spielerberater unter Vertrag ... Klaus Gerster (ebenso wie die Herren Klandt, Klitzpera, Husterer, Weißenfeld, Mehic, Theodoridis und Kreuz aus dem aktuellen Kader der kleinen Frankfurter.  

Sonntag, 8. März 2009

LEERSTUNDE...



2. BL:
1859 münchen - FCSTP  5:1


Mit der breiten Brust eines (räusper) überzeugenden Sieges gegen die Betzebuben zu einer durch die Ereignisse der letzten Wochen total verunsicherten Mannschaft ... ja, so klang das vor dem Spiel 1860 gegen St. Pauli.  Drohte, ein schöner Tag zu werden.
Würde es sowieso werden; ich hatte den Stuttgarter Wettergott als Begleitung, der macht, dass über jedem Stadion, das wir besuchen, die Sonne scheint (außer Fürth), unsere Quotenfrau hatte einen Kuchen für die Zugfahrt dabei und der Libero des Münchener Idiotensports hatte anlässlich seines Geburtstages vor dem Spiel zum Weissbierwurstfrühstück ins Balan geladen. Zehn Minuten hinter Stuttgart versank unser Zug in dichtester Milchsuppe, aber so ist das in Ulm um Ulm und Ulm herum (in sofern reichte Ulm bis zehn Kilometer vor München, bis der Wettergott seine Kräfte spielen ließ).  Zwischen Stuttgart und Ulm muss man im Übrigen keinen ICE-Zuschlag zahlen, weil der Zug so langsam fahren muss, dass er nicht als ICE gilt.  Kein Witz!!!   Reisen bildet.  Vorgespult, zwei Stunden später; wir hatten unser Bier, den Kuchen und verbal auch die Sechz’ger vernichtet, letzteres mehrfach.  Also Wurst ... das Balan, in der Balanstrasse gelegen (S-Bahn Rosenheimer Platz), versprüht einen archaischen Charme, die das Interieur des Shamrock nahezu modernistisch aussehen lässt.  Ein Plakat kündete von 90 Jahren Münchener Räterepublik, was mir den Laden zusätzlich sympathisch machte (die Räterepublik gehört für mich immer noch zu den faszinierensten Phänomenen deutscher Geschichte).  Die Geburtstagsfeier verlief allerdings eher schweigend, mampfend und mau; vielleicht Vorfeiern am Vorabend oder dumpfen Ahnungen auf Kommendes geschuldet und sie endete abrupt, als um halb zwölf die Wirtin verkündete „so, jetzt ist Schluss, ich muss noch aufräumen, schließlich will ich selbst noch ins Stadion zum Spiel.“  Naja, wenigstens bereitet das Balan einen auf den Münchner Nahverkehr vor – im Vergleich zu den Zügen auf jeden Fall die sympathischere Bruchbude.  Die Anreise zur Arroganz-Arena empfinde ich immer noch als ebensolche Zumutung wie Fröttmaning selbst, den Trottmarsch über die „Esplanade“ genannte Ochsenzugbrücke, die alienartigen Parkplatzhinweislampen und dann in der Mitte von nichts diese gigantische Plastikbadewanne.  Im Vorfeld zur Mitte von Nichts ein einzelner Bierwagen; ich frage nach, ob sie denn Vollbier ausschenken würden – na klar, ist doch kein Sicherheitsspiel heute.  Ach so... warum dürfen unsere Fans dann keine Trommeln mitnehmen, warum sind Megaphone verboten, warum wurden die Busse aus Hamburg dann angeblich aufgehalten, jedenfalls kamen 20 Minuten nach Spielbeginn noch immer Leute in unseren Block.
Erster Doofmichel des Tages war ein Mitglied der Sektionen, der einem meiner Reisebegleiter, durch Button als „Clubberer“ ausgewiesen, keinen USP-Flyer geben wollte.  Im Stadion dann selbst das Übliche:  die Zeit, die man angeblich durch den Einsatz der Arroganz-Card sparen möchte, wird dadurch verschwendet, dass bei den Getränkeständen nur ein Zapfer steht, der zudem noch den Stadion-Bierstand mit dem Hilton verwechselt hatte (gutes deutsches Pils braucht sieben Minuten) und sich somit den Doofmichel zwei an die Brust heften kann.  Ach ja; DANN BEGANN DAS SPIEL ... müsste ich was drüber schreiben ... muss ich?  Denke, dafür reicht mein Fußballsachverstand nicht aus, den ich mir zubillige.  Ich habe es nicht verstanden – ich habe die Aufstellung nicht verstanden, warum die Lautern-Erfolgself durcheinandergeworfen wurde – ich habe die Einstellung der Mannschaft nicht verstanden, ich habe Fabio Morena nicht verstanden (exemplarisch als im Haufen der Sehschwachen der Blindeste ... schulligung, der Mann war an dem Tag ein Sicherheitsrisiko und insofern Doofmichel Drei).  Ich habe weder verstanden, warum der Trainer zwei Minuten vor Halbzeit gewechselt hat noch was ausgerechnet diese Wechsel bewirken sollten.  Wenn das Ziel Schadensbegrenzung sein sollte – nun ja, das hat funktioniert, denn in der zweiten Hälfte gab’s wenigstens nur noch ein Gegentor, aber „Aufholjagd“ geht halt doch anders, Kontern geht anders.  Ansich geht alles anders und vor allem besser, als unser Haufen es an dem Tag gezeigt hatte.  In der Halbzeitpause ein weiteres Highlight, als Angehörige der Münchner Polizei vermeinten, etwas für ihre Daseinsberechtigung tun zu müssen. Fünf Leute warten auf die Getränkeverköstigung, sechs Polizisten daneben, diskutieren ... und wieder traf es meinen Clubberer: „kommsemamitbidde“  und ab auf die Väterliche, mein Sohn, komm mit zur Leibesvisitation - Personalienfeststellung, Taschenkontrolle ... gibt dann die Doofmichel vier bis sechs.  Drei Helden kontrollieren meinen Bekannten, zwei stehen daneben und gucken grimmig und der sechste erklärt uns, der Auserwählte hätte zu viele Photos gemacht, deswegen die Personalienfeststellung.  Ich wollte nicht nachfragen, wie viele Japaner denn die Münchner Polizei so im Schnitt pro Tag verhaftet. Kindergeburtstag, denn natürlich kam bei dem Geschisse nichts heraus, außer das die Wurst kalt und das Bier warm wurde und unsere Stimmung nicht gerade besser wurde.  Naja, war die im Block in der 2. Halbzeit auch nicht mehr, dem Auftreten der Halbgötter in braun-weiß geschuldet.  Ohne Hoilett und Drobo könnt ihr alle gehen ...solltet ihr, zu Fuß, von München nach Hamburg, Abbitte leisten für solch einen Auftritt.  Reicht als Fazit des Spiels oder? Taugt auch fast als Schlusswort, wäre da nicht noch eine Anekdote von der Rückfahrt gewesen. Großraumabteil im IC, wie die Bahn jetzt ihre Interregios nennt – eine Dame hatte sich am Tisch und den Sitzen mit Taschen, Büchern und Krams unmissverständlich breit gemacht ... in meinem Zug bin ich der Lokführer.  Ob hier denn noch frei sei (was es ja offensichtlich war), fragten wir höflich.  Die Dame fing an, hektisch zu zucken, ihr Blick drückte unverhohlen Ekel aus.  „oh Gott, Fußballfans...ich hasse euch, euren Krach und wie ihr nach Alkohol stinkt.“  Na, das würde ja eine lustige Rückfahrt werden. „Was ist denn schlimmer, meine Fahne oder unser Lärm?“ fragte einer meiner Begleiter (das eine, was er nicht hatte oder das andere, was wir nicht machten).  Ein Blick voller Verachtung:  „ALLES!“ sprach die Dame und packte ihr Geraffel zusammen, um angeekelt den Wagen zu verlassen und zwar so schnell, dass ich keine Zeit hatte, ihr den Doofmichel Nummer Sieben zu überreichen.  Wir, also die stinkenden Gröhler, freundeten uns mit zwei jungen Damen und den Zugbegleiterinnen an und überhaupt all jenen, die aus dem Abteil, das unsere geflüchtete Ex-Mitreisende nun besetzt hatte, vertrieben worden waren, denn zusätzlich zu Fußballfans hasste sie scheinbar auch noch Musikhörer, Ausländer, Soldaten, Jugendliche und Liebespärchen.  Schön, wenn man so viel Spaß am Leben finden kann und solch ein Kommunikationswunder ist, denn das erleichtert das Bahnfahren.  So habe ich denn wenigstens viel gelernt auf dieser Reise gen München, nur ... von Fußball versteh ich noch weniger.  

Donnerstag, 1. Januar 2009

Ein Wolf unter Schafen


1. FC Kaiserslautern
21 Spiele
ein Sieg
5 Unentschieden
15 Niederlagen
18:46 Tore

Kennt jemand noch Frank Wolf, 1990 vom VfB Kiel gekommen?  Wahrscheinlich die wenigsten, denn er war nicht ein wirklich Großer (1, 75 m), hat nur 30 Spiele von 1990 bis 1993 für St. Pauli absolviert (91/92 war er in Ungarn tätig) und nur ein Tor geschossen.  Das allerdings verdient besondere Beachtung, denn sein Treffer am 06.10.90 in der 90. Minute markierte das 1:0  gegen Kaiserslautern und damit den Treffer zum einzigen Sieg gegen die Pfälzer.  Ansonsten gibt es wohl kaum einen Verein, gegen den unsere Bilanz so bescheiden ist:  Wenn die Statistik nicht lügt, kann man bestenfalls auf ein Unentschieden hoffen zu Hause, denn das gelang immerhin schon zweimal, doch fünfmal verließen die Betzebuben auch das Millerntor als Sieger.  Auf neutralem Platz spielte St. Pauli im Rennen um die Deutsche Meisterschaft 1949 zunächst 1:1 in Bremen, um dann das Rückspiel 1:4 in Düsseldorf zu verlieren, obwohl Appel die Führung erzielt hatte.  Am Betzenberg gab es bisher auch bestenfalls ein Unentschieden zu holen:  ein 1:1 89/90, wo Zander eine Führung von Labbadia ausgleichen konnte und ein 0:0 in der Saison 95/96, das im Übrigen auch das einzige torlose Spiel der beiden Mannschaften.  Ansonsten fielen immer Tore, im Schnitt 3,04; die meisten beim legendären Hinspiel letzte Saison, das 3:4 endete. 2:0 lag St. Pauli durch Takyi und Trojan vorne, doch schon nach einer halben Stunde stand es 2:2; Simpson und Jendrisek hatten ausgeglichen und dann gingen die Betzebuben auch noch kurz vor der Pause durch Broniszewski in Führung.  Nach der Pause der Ausgleich durch Meggle, bis Bellinghausen einen nicht unhaltbaren Schuss an Paddy Borger vorbei zum Sieg der Lauterer versenkte, obwohl es noch zahlreiche Chancen auf beiden Seiten gab und das Spiel wohl auch 6:7 oder 8:7 hätte ausgehen können. Meggle war es im Übrigen, der für den letzten Punktgewinn am Millerntor gesorgt hatte 2001/02, als er eine Führung von Lincoln zum 1:1 Unentschieden ausglich (69.) ... beim Hinspiel stand er damals nicht auf dem Platz, das war die höchste Klatsche, die St. Pauli je gegen Lautern bezog.  Katze Bulat hielt einen Elfer von Harry Koch, Marcao brachte den FC in Führung, doch dann hagelte es fünf Gegentore, durch den Jetzt-Ingolstädter Lokvenc, Harry „the Frisur“ Koch, den späteren Schalker Exzentriker Lincoln und zwei von Miro Klose.  An jene Tage kann sich sicher noch Trainer Stanislawski erinnern, denn der stand bei beiden Spielen auf dem  Platz.  Und unser Desaster hatten wir ja schon, das 1:4 im Hinspiel, wo immerhin David Hoilett sein bisher einziges Saisontor gelang, Goofy den schnellsten zweiten Saisonplatzverweis aller zwei Bundesligen kassierte und Schiri Schalk mit den ganzen Dunkelhäutigen auf dem Platz soweit überfordert war, dass er Hoilett die Gelb-Rote Karte zeigte, obwohl der vorher noch nicht mal Gelb gesehen hatte (zum Glück korrigierte das der Linienrichter).  Vielleicht werden sich dieses Rückspiel auch einige der Ehemaligen ansehen, die bislang für beide Vereine aufgelaufen sind, wobei vor allem drei Spieler zu erwähnen wären:  der kleine Dribbler Cem Karaca kam 1997 vom Betzenberg und blieb drei Jahre am Millerntor; zwei Jahre zuvor wechselte der Metzger Bernd H. nach Kaiserslautern, um dann ein halbes Jahr später wieder in Hamburg aufzutauchen, allerdings mit der Raute auf der Brust.  Knapp zwanzig Jahre früher kam eine Ikone aus dem Südwesten auf den Kiez; von 1976 bis 1982 fegte der härteste Schornsteinkehrer Deutschlands, Walter Frosch, so ziemlich alles weg, was ihm vor die Füße kam, egal ob in erster, zweiter oder dritter Liga ... Frosch würden wir auf jeden Fall einen Besuch der Tribüne wünschen nach seiner schweren Krankheit im November des letzten Jahres  

Dienstag, 25. November 2008

MANCHMAL WEISS ICH, WARUM ICH HIER STEHE


2. BL:
1. fsv mainz 05 - FCSTP - 2:2


Manchmal auch nicht – dann frage ich mich, was einen durchschnittlich intelligenten Mitteleuropäer dazu treibt, am heiligen Sonntag in aller Herrgottsfrühe aufzustehen, sich in Kälte und Schneetreiben zum Bahnhof zu begeben, der deutschen Bahn massenhaft Geld für ihren mangelhaften Service in den Rachen zu werfen, um dann drei Stunden lang fröstelnd in einer zugigen Kurve Männern in kurzen bei der Leibesertüchtigung zuzusehen.  Eine Auswärtsfahrt nach Mainz Ende November ist Anlass für solch eine Fragestellung.  Ich kann mich halt noch an das letzte Saisonspiel 07/08 erinnern, wo wir fünf Dinger gekriegt hatten und heute ging es zum Tabellenführer, erster der Heimtabelle gegen den fünfzehnten der Auswärtstabelle.  Wenig Anlass zur Euphorie, auch die Mitglieder meiner Reisegruppe einigten sich darauf, dass wir uns achtbar aus der Affäre ziehen sollten.  Mittlerweile haben wir es geschafft, immerhin zehn Leute zusammenzubekommen, die von Stuttgart aus auf Zeckentour fahren und das braun-weiße Credo in den Zügen verbreiten. 
Reisen zu den Carnevallistas (sofern sie denn rot-weiß tragen), sind von der Sache her immer entspannte Angelegenheiten, soweit ich das bisher erlebt habe.  Man kommt an, keine Balletttruppe von Grün-Weiß Pfalz, sondern man kann sich in der Stadt frei bewegen, nett was essen und trinken und ein freundlicher älterer Meenzer zeigte uns einen Schleichweg zum Stadion.  Beim Einkaufszentrum gegenüber hatten sie wieder Bier- und Glühweinbuden aufgebaut, alles easy, auch die Contros am Stadion spielten nicht Nobeldiscotürsteher, allerdings könnte sich 05 mal mehr Tore am Eingang zum Gästeblock leisten – was man sich bei den Contros an Zeit spart, verschenkt man beim Kartenabreisser. Letztes Jahr hatte ich Karten für Block J, der ist doof in der Ecke gelegen, Block K und L haben fast Gegengeradecharakter, alles zwar relativ eng, aber kein Vergleich zu anderen Gästekäfigen.  Auch das Catering ist relativ gut durchorganisiert, alles doch gästefreundlich und nicht gegnerorientiert.  Bis dahin glich alles dem Sommerausflug vom Jahr zuvor (mit Ausnahme der Temperaturen).
Es gab nur einen feinen Unterschied:  das Spiel!!!  Das war ganz großer Sport für Erwachsene; gut, der Fußballgott war zwischendurch mehrmals pinkeln, so konnte Schiri Metzen zwischendurch mal seinen Part einnehmen, verweigerte den Mainzern einen relativ klaren Handelfmeter und einen zumindest gebwürdigen und auch für uns hätte es wohl einen Elfer geben müssen; gänzlich zur Legende wurde der Mann allerdings mit seiner Doppelgelbziehung in der 43. Minute gegen Flo und Karhan.  Ausgerechnet Ludwig, der die letzten Wochen so beschissen gespielt hatte und dessen ganze Körpersprache alles andere als Zutrauen ausdrückte, macht die Kiste zur Führung.  Den Mann vor mir befällt dermaßen die Euphorie, dass er mir mein Bier über die Jacke schüttet, ich verzeihe ihm freudig erregt. – die Euphorie ist allerdings dann vorbei, als Borja ins Spiel kommt und den Ausgleich besorgt.  Da war es dann wieder, das Auswärtsgespenst und schon kommt das Zweite und da war sie wieder, die Frage und auch die Frage, geh ich jetzt n Bier holen, weil es jetzt wieder ne Klatsche wird.  Ein Mitreisender hat mir eins mitgebracht und ich bin stehen geblieben, die Mannschaft zeigte Cochones, ist nicht zerfallen, selbst ein Sako erinnerte an beste Zeiten, schaffte es sogar, Kopfballduelle zu gewinnen, vor allem das eine, das Rothenbach zum Ausgleich verlängerte.  Da war der Fußballgott dann nochmals pinkeln.  3:1  Pinkelpausen für den FC St. Pauli – ist das gerecht???  Nein, aber wer hat gesagt, dass der Fußballgott gerecht ist, er ist eher eine launische Diva, aber er beschenkt seine Zweifler immer wieder mit kurzen Glücksmomenten, damit sie ihm auch weiter folgen.
Und wenn es mal wieder Sonntags morgens ist, ich mich frage: „was treibt einen durchschnittlich intelligenten Mitteleuropäer, dazu, am heiligen Sonntag ... „ dann denke ich an Mainz am 23.11.2008 und ich weiß eine Antwort, die mich aufstehen lässt.  

Freitag, 7. November 2008

Positives im Netz: Es gibt auch gute Trojaner!!!


TuS Koblenz

4 Spiele:
2 Siege
ein Unentschieden
eine Niederlage
7:3 Tore

Über große Spiele des FC gegen die Koblenzer zu berichten, hieße Prinz Valium Schlaftabletten zu bringen, denn es gab ansich keine und die Zahl von vier bisherigen Duellen gegeneinander ist auch eher gering.  Bis zum Beginn der letzten Saison bin ich sogar noch davon ausgegangen, dass wir noch gar nicht gegen die gespielt hatten, was ja auch in gewisser Weise stimmt.  Das spannendste bei TuS Koblenz ist zunächst mal die Frage, ob es der oder die TuS heißt...für alle Klugscheißer: es heißt DIE Turn- und Spielegemeinschaft.  DIE TuS Koblenz ist 1983 durch Umbenennung DER TuS Neuendorf 1911 entstanden; in sofern liegen zwei Partien gegen diesen Gegner auch schon etwas länger zurück, sprich in den Zeiten vor der Umbenennung.  So sind die Koblenzer (oder Neuendorfer) auch eher ein Kind vergangener Fußballtage.  In den Dreißigern spielte man mehrmals um die westdeutsche Meisterschaft mit, in den Vierzigern wurde man zweimal Moselland-Meister und nahm an den Endrunden um die Deutsche Meisterschaft – nach dem Krieg war man dann regelmäßiger Teilnehmer an der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga (Südwest) und nahm auch mehrmals an den Endrunden um die Deutsche Meisterschaft teil.  1948, als St. Pauli im Halbfinale am 1. FC Nürnberg scheiterte, unterlagen die Neuendorfer Kaiserslautern mit 1:5, für beide der größte Erfolg im Meisterschaftsrennen.  Zwei Jahre später traf man dann im Achtelfinale der Meisterschafts-Endrunde direkt aufeinander; St. Pauli entledigte sich der Aufgabe im Hindenburg-Stadion zu Hannover glatt mit 4:0 – zweimal Kruppa, Sump und Beck hießen damals die Torschützen.  Die Neuendorfer ließen sich noch einmal 1956 in der Meisterschaftsrunde blicken, konnten sich ebenso wie St. Pauli 1963 nicht für die Bundesliga qualifizieren und spielten so, bis zu ihrem Ende 1974 in der Regionalliga Südwest, wo sie 1968 und 69 den Bundesliga-Aufstieg verpassten ebenso wie die Qualifikation zur 2. Bundesliga Süd 1974.
Die Neuendorfer waren nun drittklassig und wenn es nicht den Pokal (mit seinen eigenen Gesetzen) geben würde, hätte St. Pauli wohl erst jetzt wieder ein Spiel gegen die Moselstädter bestritten...so war es die zweite Runde im Pokal 1979, als die TuS Neuendorf am 23.09.1979 am Millerntor vor 1.500 Zuschauern antreten musste.  Als Sieger gingen damals die Neuendorfer vom Platz; die Herren Schmitt (14.) und Knaudt (52.) schossen einen Vorsprung heraus, den Tune-Hansen (82.) nur noch verkürzen konnte; eine der obligatorischen Pokalblamagen, die jeder große Verein in seiner Agenda braucht.  St. Pauli hatte danach den Zwangsabstieg zu verkraften und auch für die Neuendorfer ging es danach noch weiter nach unten; 1981 war man nur noch fünftklassig.
Nach der Umbenennung 1983 in TuS Koblenz ging es ganz langsam nach oben: 1994 gelang der Sprung in die Oberliga, nach einer knapp abgewendeten Insolvenz 2003 stieg man ein Jahr später in die Regionalliga Süd auf – zwei Jahre später dann der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo man sich mit Platz 12 erstaunlich gut etablieren konnte.  Ein Jahr später waren wir auch dabei, am dritten Spieltag gelang ein mühevolles 1:0 am Millerntor durch ein Tor von Trojan, der St. Pauli auch in einem bis dato zähen Rückspiel in Führung brachte.  Danach wurde es besser, St. Pauli verpasste es, den Sack zuzumachen, Dzaka und Kuqi schossen sich langsam warm und so rappelte es denn kurz vor Schluss noch: Flanke Dzaka, Kopfball Kuqi und aus wars mit den Auswärtssiegträumen.  Herr Dzaka versaut uns inzwischen die Tage in Kaiserslautern, aber der Finne Kuqi ist noch da, als einer der wenigen, denn Koblenz hat zur neuen Saison mit fünfzehn Zu- und acht Abgängen quasi (mal wieder) seinen gesamten Kader umgekrempelt.  Immerhin habe ich neben diesen vier Spielen auch noch einen Spieler gefunden, der mal für beide Vereine gespielt hatte: Dubravko Kolinger, von 2000 bis 2002 in braun-weiß, trug in der Saison 2005/06 das Trikot der Moselstädter.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Meisterschaftslust und Aufstiegsfrust


1. FC Nürnberg
23 Spiele: 
5 Siege
7 Unentschieden
11 Niederlagen
26:37 Tore 

Der Club ist der Club ist der Club, so sehen das jedenfalls die Clubberer.  Über 60 Jahre hinweg waren die Nürnberger das Maß aller Dinge im deutschen Fußball, der Titel des Rekordmeisters (9 mal) hielt, die Bayern 1987 die Franken ablösten ... die Zeiten der ewigen Erstklassigkeiten waren allerdings 1969 schon vorbei, als der Club als erster deutscher Meister in der Folgesaison abstieg und inzwischen hält der Club nach seinem siebten Abstieg aus der Bundesliga sogar den Titel des Fahrstuhlführers nach 1945.  1996/97 war der Club sogar mal drittklassig.  Sollten die Clubberer am Ende der Saison wieder erstklassig werden, erben sie auch den Titel des Rekordaufsteigers von Arminia Bielefeld.  So ist klar, dass zwei Wanderer zwischen den Welten, da ja auch St. Pauli so einer ist, sich immer mal wieder begegnen, allerdings beginnt die Historie der Duelle zwischen einem Nord- und einem Südclub fast logischerweise erst nach dem Zweiten Weltkrieg, denn in der Hochzeit des Clubs sind wir sportlichgesehen noch mit der Rassel um’n Tannenbaum gehüpft.

2,7 Tore fallen im Schnitt, wenn die zwei Vereine aufeinandertreffen – das ist nicht sonderlich viel uns so ist denn auch, da es einige torreiche Spiele gab, eher ein 0:0 (das gab es viermal) oder ein 1:0 (sechsmal) das typische Ergebnis – elf Partien endeten mit einem Resultat mit einem Tor Unterschied, was immerhin Spannung verspricht.
Über das erste Treffen der zwei Mannschaften habe ich schon im letzten Heft berichtet ... das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft 1948 in Mannheim, das St. Pauli mit 2:3 n.V. verlor.  Das zweite war ein DFB-Pokalspiel, Viertelfinale 1966 und wieder blieb der Club mit 1:0 am Millerntor erfolgreich.  Danach sah man sich im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga 1971 – die Clubberer stiegen auch nicht auf, landeten am Ende sogar noch einen Platz hinter St. Pauli, doch in Nürnberg wurde St. Pauli 5:1 verhauen, am letzten Spieltag gelang immerhin ein 1:1, wobei das eh scho Wurschd war für beide Vereine.  Ein DFB-Pokalspiel haben wir noch, das war die erste Hauptrunde 92/93 und die Nürnberger siegten am Millerntor 2:3, wieder nach Verlängerung (Ottens – Rösler, Eckstein – Gronau – Zietsch).  Zu Bundesligazeiten 88 – 91 gab es für St. Pauli ansich gar nichts zu holen, ein torloses Unentschieden 90/91 am Millerntor, ansonsten nur Niederlagen, zweimal 0:1 am Millerntor, zwei 3:5 und 2:5 Klatschen in Nürnberg, nur 89/90 besorgte Jörn Großkopf mit einem seiner zwei Bundesligatore den 1:0 Auswärtssieg.  Damals standen ein Herr Trulsen für St. Pauli und ein Herr Philipkowski für Nürnberg auf dem Rasen.  In der zweiten Liga sieht es dann schon etwas besser aus: Im Zweifelsfalle ging es Unentschieden aus, dreimal 0:0, einmal (99/00) 2:2 (Marin – Beliakov – Polunin und Eigentor durch Hanke), 84/85 (1:2; Beermann – Geyer, Brunner) und 97/98 (0:1) ... das Tor schoss damals Henning Bürger, auf Nürnberger Seite standen zudem damals Martin Driller und – man soll es kaum glauben – Peter Knäbel auf dem Platz.  Vier Siege gelangen dem FC gegen den Club im Unterhaus, davon gab es drei am Millertor zu bejubeln:  84/85 schossen Wenzel und Bargfrede einen 2:0 Sieg gegen den späteren Aufsteiger heraus – in der Aufstiegssaison 94/95 gelang ein 3:2, wobei Driller früh die Führung erzielte; Thomforde hielt einen Elfmeter von Kramny, dann gelangen den Clubberern zwei Treffern durch Gunlaugsson.  Sawitschew egalisierte die Führung quasi im Gegenzug und ein Eigentor von Markus Brand besiegelte die Niederlage für Nürnberg, die selbst unser Ex- André Golke nicht verhindern konnte. 
Markus Lotter besorgte das Siegtor im Hinspiel der Saison 2000/01 – das Rückspiel ist inzwischen auch schon Legende: St. Pauli spielt am letzten Spieltag beim souveränen Aufsteiger Nürnberg, steht auf einem Aufstiegsplatz, allerdings nur mit einem Punkt Vorsprung auf Mannheim, die die damals vor dem Abstieg geretteten Mainzer zu Gast hatten.   Der FC geriet in der 10. Minute durch Pavel David in Rückstand – Waldhof ging in der 43. Minute durch Lamine Cissé in Führung – dann gelang Kolinger in Nürnberg kurz vor der Pause mit einem von Stoilov abgefälschten Schuss der Ausgleich für St. Pauli.  Trotzdem war Waldhof noch immer vorne und entledigte sich seiner Aufgabe souverän mit 4:0.  In Nürnberg brachte Trainer Demuth zur Halbzeit den offensiveren Baris für Truller und Fabian Gerber für Klasnic, in der 65. kam noch Lotter für Kolinger und in der 76. Minute verwandelte dann Denis Baris einen Lattenabpraller von Marcel Rath zum glückseligmachenden 2:1. das den letzten Aufstieg in die Bundesliga, aber vielleicht auch die Wurzel vielen Übels in der Folge bedeutete.  Das ist nun sieben Jahre her ... die Herren Stanislawski und Trulsen standen damals auf dem Platz und nun daneben; Meggi war damals dabei und hoffentlich heute wenigstens auf der Tribüne, ansonsten tritt komplett neues Personal gegeneinander an.  Die wesentlichen Spieler, die mal für beide Vereine gekickt haben, nannte ich schon. Nicht vergessen wollen wir Robert Gebhardt, deutscher Meister 1948 mit Nürnberg, der von 1950 – 1953 seine Schuhe am Millerntor schnürte.  Vernachlässigen könnte man Thomas Duah, aber wenigstens erwähnen wollen wir ihn, denn schließlich war er Teil des Aufstiegskaders 2000/01; wer sich aber verzweifelt fragt, ob er alle Saisonspiele betrunken gewesen war, den kann ich beruhigen: der Ghanaer, der als Option für die Zukunft galt und 1999 zu den Amas gekommen war, bestritt kein Saisonspiel für die Profis und ging schon im Oktober 2000 zurück nach Nürnberg, kickt inzwischen wieder in Ghana, wo sein Trainer bei Ashanti Gold 2004 plötzlich Did Demuth hieß.  So klein kann die Welt sein. 

Montag, 20. Oktober 2008

SAME SHIT EVERY YEAR




2.BL:  
fc augsburg - fcstp  2:1

Ich könnte ja nun jetzt meinen Augsburg-Bericht aus der letzten Saison rausholen und abschreiben ...alles klasse, bis auf das Ergebnis, aber so ganz stimmt das noch nicht.  Was auf jeden Fall stimmte wie im letzten Jahr:  „Wenn du nach Augsburg fährst, dann nimm die Sonnenmilch mit“ (aber wirf sie vor dem Stadion weg, denn du darfst sie nicht mit reinnehmen).  Was für ein goldener Oktobertag, mein Begleitung auch voll Euphorie und schwärmte von nie wiederkommenden Möglichkeiten eines ersten Auswärtssieges.  Ich war bescheidener und hätte mir mal einen Punkt gewünscht, obwohl ein Sieg vielleicht nie auswärts wieder zu erringen gewesen worden wäre.  Denn neben den heimlichen Sympathien vieler Menschen aus der Region für uns hofften auch viele FCA Fans, dass wir Trainer Fach und oder Manager Rettig in die Arbeitslosigkeit schießen würden.  Wieder mal entspannte Ankunft, gerade mal zwei Polizisten am Bahnhof und dann gleich vom Bahnhof zum Biergarten Sonnenglück, zu Fuß – wobei wir durch einen obskuren Tunnel marschierten, der statt mit Graffitis mit Engelsbildern bemalt war und mit klassischer Musik beschallt wurde.  Ich habe mich dann relativ früh verabschiedet, um vor dem Stadion den Menschen des Südens des Übersteiger nahe zu bringen, habe auch viele Hefte verkauft, sogar die Staatsmacht interessierte sich für unsere Ausgabe ... plötzlich standen drei Polizisten vor mir, einer fragte: „darf ich mal die Zeitung sehen, die sie da verkaufen?“ – „Ja sicher“ (ich bin ja ein Netter).  Der Gewaltmonopolvertreter nimmt die Postille in die Hand, schaut sich das Cover an, liest die Artikelübersicht, schlägt das Heft auf, schlägt es wieder zu und gibt es mir mit einem Dankeschön, woraufhin die Staatsmacht wieder abzog.  Ewig lange Kontrollen danach am Eingang, wie üblich – man hätte die letzten zwei Tore vielleicht mal eine halbe Stunde früher aufmachen können und man könnte vielleicht auch mal ein Schild aufstellen, dass es für Frauen einen gesonderten Eingang gibt.  Und man könnte, wenn St. Pauli kommt, auch mal die dritte Bierbude aufmachen, dann hätte ich nämlich das 1:0 für St. Pauli auch sehen können.  Was danach passierte, hätte ich dann wohl eher gern verpasst. Das davor im Übrigen auch, denn es war bis dahin ansich eine ziemlich grobmotorische Veranstaltung, die mich stark an die erste Hälfte von Meiendorf gegen VfL 93 erinnerte.  Einziges Hochlicht des Tages war in allen Minuten, die er auf dem Platz stand, David Hoilett ... wir haben neben Trojan einen zweiten ECHTEN Techniker im Team, unglaublich – den Wayne Gretzky des kanadischen Fußballs.  Über den Ausgleich kann man streiten, muss man aber nicht, allerdings verließ der Schiri damit seine kleinliche Linie.  Positiv, wie die Mannschaft dann wieder zurück kam durch Schulle, der sich neben Bruns und Ebbers noch ein Fleißbienchen verdiente.  Aber das war’s denn leider auch.  Wir müssen dringend beantragen, dass Fußballspiele in Zukunft noch nur 75 Minuten dauern.  Drei Wechsel brachen der Mannschaft das Genick – mit Schulle ging die Ordnung, mit Bruns die Dynamik und mit Hoilett die spielerische Klasse und als Christ zum finalen Freistoß pfiff, hab ich nur zu meiner Begleitung gesagt ... „ich geh jetzt, ich bin zu alt für so ’ne Scheiße, das Ding geht rein“; nur so, blödes Gefühl. Mathias Hain rettet Arbeitsplätze!!!  Und verdammt, haben wir jetzt etwa schon wieder eine Torwartdiskussion, wo ein Teil der Fans nach dem Spiel „I want my Bene back“ sang, vereinzelt, doch vernehmbar.  Die Krönung des ganzen schön begonnenen Tages ereignete sich dann gleich wieder im Biergarten nebenan: ein Frustbier vor dem Rückmarsch. Am Nebentisch sammelt sich eine Gruppe von halbbetrunkenen St. Pauli Anhängern, den Biergarten betritt eine vollkommen betrunkene Gruppe von St. Pauli Anhängern, allesamt vielleicht so zwischen 17 und 20, würde ich schätzen, von denen hatte einer von der zweiten Gruppe scheinbar mit einem von der ersten Gruppe noch was auszufechten und plötzlich Gläserklirren, Stühle umfliegen, Hauerei, Gerangel und wieder und wieder.  Wir sind dann einfach nur gegangen – die Polizei kam schon an, gerufen von Beteiligten ... sollen die den Job machen (Gewaltmonopol und so).  War auf jeden Fall ein unschöner Abschied.  Am Bahnhof war wieder alles entspannt, aber diese Fahrt war nicht wie die im Jahr zuvor.  Den Bahnhof bauen sie gerade um. Und wenn auch Augsburg seine Multifunktionsarena bekommt, die dann wohl nächstes Jahr fertig werden wird und dann mitten in der Pampa liegt, wird auch dem Besuch dieser freundlichen Stadt ein weiteres Teil seines Flairs verloren gehen