Dienstag, 10. November 2009

Geschichten aus 1000 und einer Nacht


Oder nein: Geschichten aus 666 Nächten, Abenden, Tagen, Mittagen, bei denen insgesamt 1002 Punkte heraus kamen. 1002 Punkte in der 2. Bundesliga für den FC St. Pauli. Und es gibt sogar einen Punkteverantwortlichen: Heino Hansen. Sein Tor in der 67. Minute zum 2:2 bei der DJK Gütersloh am 10.08.1974 sorgte für den ersten Punktegewinn des FC in der 2. Bundesliga. Mit inzwischen 1002 haben wir nach 12 Spieltagen der aktuellen Saison bereits jene magische Marke von 1000 Punkten geknackt, was vor uns nur zehn von 121 ehemaligen und aktuellen Zweitligisten geschafft haben. Mit 1002 Punkten sind wir nun zwei Punkte besser als der 1. FC Saarbrücken und damit auf Platz 10 der ewigen Zweitligatabelle. Na klar, wir gehören zu den Dauerbrennern der 2. Liga, denn ansonsten könnte man solche Punktemasse nicht sammeln, sind nun 19 Jahre dabei, die anderen neun Mannschaften vor uns haben mehr Jahre in der Unterklasse auf dem Buckel. Das heißt aber nicht zwingend, das wir uns nicht noch höher schrauben können, denn von den neun vor uns gehören einige Vereine der Zweitligageschichte an, und ob wir sie jemals wiedersehen... 20 Punkte sind es noch bis Wattenscheid 09, dann sind wir auf Platz neun. Machbar, oder? Sollte uns nicht zufällig der Aufstieg in die Erste gelingen, dann stünden als nächste Marke 1064 Punkte von Waldhof Mannheim an, sollte wohl auch kein Hindernis sein, da die Waldhöfer wohl auf längere Zeit gesehen nicht die 2. Liga sehen werden. Von den ersten neun Mannschaften vor uns in der ewigen Tabelle spielen überhaupt nur zwei in unserer Liga, nämlich Aachen auf Platz 2 und die SpVgg Greuther Fürth auf Platz 6. Hannover 96 und Freiburg können in der Bundesliga keine weiteren Punkte sammeln; Fortuna Köln und die Stuttgarter Kickers sind ebenfalls meilenweit von der 2. Liga entfernt und was aus dem VfL Osnabrück wird, weiß auch keiner.  Pünktchen sammeln kann erfahrungsgemäß nur, wer nicht verliert, oder besser noch, gewinnt; das noch mehr seit 1995, denn ab da gab es drei Punkte für einen Sieg (vorher galt die gleiche Punkteregelung, wie sie heute noch im Handball gilt). Nicht verlieren konnten wir am besten 76/77, da waren’s nur ganze drei Niederlagen, obwohl die Mannschaft schwer in Tritt kam: Nach 11 Spieltagen standen erst drei Siege zu Buche, fünf Unentschieden und eben jene drei punktlosen Spiele. Am Ende stand mit 1,92 der beste Punkteschnitt zu Buche und damit auch der Aufstieg in die erste Liga.  Nur ein Pünktchen weniger hatten wir 74/75; das Problem damals: das reichte nur zum dritten Platz der 2. Liga Nord, denn nach der alten Regel hatten Hannover und Uerdingen mehr Punkte gesammelt. Und nur der Erste stieg direkt auf, der Zweite spielte Relegation gegen den Zweiten der Südstaffel. Aber, jetzt folgt ein Rechenbeispiel:

S
U
N
Pluspunkte Alt
3-Punkte Regel
Uerdingen
20
11
7
40 + 11 = 51
60 + 11 = 71
St. Pauli
22
6
10
44 + 6   = 50
66 + 6   = 72
Genau das war einer der Gründe dafür, die 3-Punkte-Regel einzuführen zwanzig Jahre später, um offensiven Fußball zu belohnen. Dass St. Pauli nach 1978 nie mehr jene 70-Punkte Marke erreichen konnte, lag vor allem daran, dass aus den zweiten Bundesligen nach und nach die “Dorfvereine” aussortiert wurden (man bedenke, dass 74/75 noch der HSV Barmbek-Uhlenhorst 2. Bundesliga spielte!!!), seit 1981 die 2. Liga auch eingleisig wurde und – nach den Wiedervereinigungswirren – seit 1994 nur noch 18 statt 20 Mannschaften umfasst. Insofern ist der Schnitt Punkte pro Spiel vielleicht das interessanteste Parameter als vergleichbare Größe, mehr noch als jene immer wieder genannten 40 Punkte, die angeblich immer zum Klassenerhalt reichen. Das mag nur auf die 18er Ligen zutreffen, denn 84/85 sind wir mit 44 Punkten als Vorletzter abgestiegen (20 Mannschaften); 07/08 mit 42 Punkten Neunter geworden und haben 99/00 mit 39 Punkten noch die Klasse gehalten. Mit 31 Punkten kann man das auf jeden Fall nicht erreichen. 02/03 geht wohl als schlechteste Zweitligasaison in die Geschichte ein, 7 Siege, 10 Unentschieden, 17 Niederlagen, nur 0,91 Punkte pro Spiel, das desolate Ende einer desolaten Saison. Mehr Niederlagen und weniger Siege gab es noch nie. Da haben wir ja diese Saison mit acht Siegen nach zwölf Spieltagen bereits mehr und so mag mancher vielleicht wieder anfangen zu träumen. Warum wie das Eichhörnchen Punkte für die Zweitligastatistik sammeln, wenn man doch nächstes Jahr auch wieder an jener für die erste Liga arbeiten kann. Wenn es denn eine magische Zahl für den Aufstieg gibt, dann ist es 1,7 plus x hinter dem Komma. Das ist genau der Punkteschnitt, der St. Pauli fast immer zum Aufstieg gereicht hatte (das Jahr 1975 ausgenommen). 86/87 reichten 1,79 Punkte zumindest zur Relegation, die gegen Homburg verloren wurde; mit genau dem selben Schnitt stiegen wir ein Jahr später auf. 1995 reichten 1,73 Punkte im Schnitt, 2001 waren es 1,76.  Damals 60 Punkte, 17 Siege, 9 Unentschieden, 8 Niederlagen. SECHZIG ist in den letzten drei Jahren auch die magische Zahl absolut gewesen: 2006 reichten Cottbus 58 Punkte zum Aufstieg, danach waren es immer 60 Punkte, die Mannschaften für den Sprung in die Erstklassigkeit brauchten. Fehlen uns noch 34 aus 22 Spielen, rein rechnerisch. Das würde einen Schnitt von 1,54 Punkten bedeuten (momentan liegen wir bei beängstigend guten 2,16), oder noch 11 Siege, ein Unentschieden bzw. 6 Siege und 16 Unentschieden. Spinnerei, Träumerei? Gedankenspielerei! Aber nach dem Aufstieg könnte ich dann vielleicht über den 250. Erstligapunkt schreiben; dazu fehlen uns noch 25 – und mit 37 Erstligapunkten würden wir Rot Weiß Essen überholen...obwohl, 2001/02 waren es nur 22 Punkte, aber das ist auch wieder eine andere Geschichte 

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