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Montag, 20. November 2023

IN UNSERER NACHBARSCHAFT

IN UNSERER NACHBARSCHAFT

Der eine oder die andere hat vielleicht schon meine Affinität für diese kleinen, 10 x 10 cm großen Messingplaketten mitbekommen, die in unsere Bürgersteige eingelassen werden. 

Ich nutze meine Spaziergänge, um zu versuchen, alle Stolpersteine in Hamburg zu fotografieren (wenn ich anderswo unterwegs bin, schaue ich auch dort, ob es welche gibt).

Stolpersteine, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig - es gibt sie seit 1995, seit 2000 mit offizieller Billigung in inzwischen 1248 Kommunen in Deutschland, in 21 Ländern Europas, inzwischen über 70.000.

In Hamburg wurde der erste Stolperstein 2002 verlegt, inzwischen sind es 6465 in der ganzen Stadt. 

So richtig bekannt ist immer noch nicht, was diese Dinger eigentlich sollen, wie ich aus Bemerkungen und Fragen erfahren konnte.

"Ach, das sind die Dinger, wo die Juden gewohnt haben” - fast richtig.

“Was muss man denn getan haben, um so einen Stolperstein zu bekommen?"  - Naja, ansich nicht viel, genau genommen nichts.

Ein Stolperstein liegt vor dem letzten Wohnort eines Menschen, der unter der NS-Herrschaft verfolgt, entrechtet, verhaftet, ermordet, in den Selbstmord getrieben oder aus dem Land vertrieben wurde. 

Natürlich sind darunter viele ehemalige jüdische Mitbewohner, aber auch ganz andere: Widerstandskämpfer, ehemalige Politiker und Gewerkschafter, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeiter, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, sogenannte “Gewohnheitsverbrecher” und auch sogenannte “Asoziale”, also Obdachlose, Bettler und auch Alkoholiker, das reichte, um in ein KZ eingewiesen zu werden. 

Traditionell sind die Stolpersteine in innerstädtischen Stadtteilen wesentlich stärker vertreten als in den “Randbezirken”, einfach weil die Neustadt und Eimsbüttel traditionelle jüdische Wohngegenden waren und weil auch die ehemaligen Arbeiterviertel eher im innerstädtischen Bereich angesiedelt waren.  

Einige Patienten und Angestellte haben schon angemerkt, daß hier in der Nähe auch ganz viele liegen (die mal wieder geputzt werden müssten - das wäre doch ne prima Aufgabe im Rahmen der Arbeitstherapie, oder?).

Genau genommen sind es zu diesem Zeitpunkt 38 Steine, die in der Straße Kurzer Kamp vor Hausnummer 6 liegen.

Demnächst werden es 40 sein, und ansich ist das korrekterweise schon nicht mehr Hummelsbüttel, sondern der Nachbarstadtteil Fuhlsbüttel - die Straße Kurzer Kamp ist quasi die Grenze. 

Trotzdem, weil sich die Straße in unmittelbarer Nähe zum STZ befindet, will ich kurz etwas über die Geschichte des Gebäudes und seiner ehemaligen Bewohner erzählen.


KURZER KAMP 6  


Dort befand sich seit 1931 das von der Vaterstädtischen Stiftung betriebene Mendelson-Israel Stift. 

Die Vaterstädtische Stiftung war von jüdischen und christlichen Hamburger Kaufleuten gegründet worden, mit dem Ziel, ältere Mitbürger, vornehmlich Witwen, mit preiswertem Wohnraum zu versorgen. 

Das Stift am Kurzen Kamp entstand durch die testamentarischen Zuwendungen der jüdischen Kaufleute Theodor Mendelson und des Ehepaars Dr. Philipp und Henriette Israel und hatte 25 Ferienwohnungen, die für ältere Damen, egal welcher Konfession, bestimmt waren.

Ab 1938 wurden alle Stiftungen arisiert, d.h. die jüdischen Mitglieder wurden als Mitglieder ausgeschlossen und ab Februar 1939 verloren die jüdischen Bewohner der meisten Stifte ihre Wohnberechtigung.

Die 13 Wohnstifte in Hamburg, die für jüdische Bürger reserviert gewesen waren, wurden komplett für Deutsche reserviert und insgesamt nur drei Stiftsgebäude verblieben in jüdischer Verwaltung.

Das Wohlwill-Stift in der Kielortallee, das Brunn-Stift in der Frickestraße und das Haus im Kurzen Kamp, wo die Wohnungen bald doppelt oder dreifach belegt waren, denn ab 1939 durfte jeder Vermieter einem jüdischen Bewohner in seinem Haus ohne Angabe von Gründen die Wohnung kündigen; jüdische Grundbesitzer wurden nach und nach gezwungen, ihre Immobilien zu verkaufen, so daß nach und nach bis auf wenige Ausnahmen die jüdischen Bürger gezwungen waren, in eines der 80 sogenannten Judenhäuser zu ziehen, zu denen auch die drei Stiftsgebäude zählten.

Ab dem 25. Oktober 1941 begannen in Hamburg die Deportationen der jüdischen Mitbürger in die Ghettos und Vernichtungslager.

Von den Deportierten aus dem Mendelson-Israel-Stift hat keiner überlebt.


Die namentlich bekannten Opfer:


Dr. Julius Adam,                   

geboren am 22.8.1862 in Lissa / Posen, Arzt für Allgemeinmedizin 

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 25.10.42 angeblich an Altersschwäche gestorben

Johanna Hinda Appel, geborene Freymann

geboren am 15.01.1867 in Königsberg, verwitwet 

am 19.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 21.09.42 nach Treblinka deportiert und dort bei der Ankunft ermordet. 

Sara Bromberger, 

geboren am 24.05.1885 in Hamburg, Buchhalterin

am 6.12.1941 nach Riga deportiert und dort bei der Ankunft ermordet

Friederike Davidsohn, 

geboren am 18.09.1891 in Bromberg, Verkäuferin, 

Nach mehreren Aufenthalten in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg wegen Shizophrenie wurde sie 1935 entlassen und kam an den kurzen Kamp in die Obhut ihrer Mutter

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 23.1.1943 weiter deportiert nach Auschwitz und dort bei der Ankunft ermordet 

Margarethe Davidsohn, geborene Sachs, 

geboren am 18.11.1867 in Breslau, verwitwet, Friederikes Mutter

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 6.8.42 verstorben, 

angeblich an Lungenentzündung 

Gertrud Embden, 

geboren am 27.05.1876 in Hamburg, Fürsorgerin, 

sollte am 19.07.42 nach Theresienstadt deportiert werden, vergiftete sich am 14.07.42 durch die Einnahme von Schlaftabletten, am 15.7.42 verstorben

Katharina Embden, Gertruds Schwester

geboren am 06.12.1877 in Hamburg 

ging am 14.07.1942 gemeinsam mit ihrer Schwester in den Tod, verstarb noch am gleichen Tag

Katharina Falk, geborene Zerkowitz

geboren am 03.06.1862 in Wien, 1910 geschieden, Friseuse 

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 23.01.1943 dort angeblich an Altersschwäche gestorben  

Auguste Friedburg, 

geboren am 08.07.1879 in Hamburg, Fotografin, technische Assistentin

am 19.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 20.03.1943 an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben, den sie vor der Deportation erlitten hatte

Jenny Friedemann, geborene Daniel

geboren am 21.02.1868 in Berlin, verwitwet

am 19.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 6.12.1942 an einem Darmkatarrh gestorben

Mary Halberstadt, geborene Horneburg, verwitwet, 

Schwester von Clara und Anita Horneburg

geboren am 05.06.1862 in New York

am 15.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 30.04.1944 an Altersschwäche gestorben

Emily Heckscher, geborene Löwenthal, verwitwet, Kauffrau

geboren am 15.12.1865 in Hamburg

Selbstmord durch Gift vor der Deportation nach Riga am 6.12.1941

Käthe Heckscher, Tochter von Emily, Privatlehrerin

Selbstmordversuch durch Gift vor der Deportation nach Riga am 6.12.1941, Tags darauf gestorben

Betty Hirsch, 

geboren am 25.10.1876 in Altona, Nachhilfelehrerin

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 25.9.1942 an “Marasmus-Altersschwäche” gestorben 

Hanna Hirsch, geborene Levy

geboren am 25.12.1863 in Altona

deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, dort am 9.4.1943 gestorben, Todesursache unbekannt 

Regine Hirschfeld, geborene Kohn

geboren am 29.8.1867 in Templin, verwitwet

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 29.7.1942 verstorben, Todesursache unbekannt

Anita Garibaldi Horneburg, Antiquitätenhändlerin

geboren am 23.03.1874 in Hamburg

am 15.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 15.05.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort bei der Ankunft ermordet

Clara Horneburg, Putzmacherin

geboren am 23.02.1871 in Hamburg

am 15.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, nahm sich dort am 26.10.1942 durch Vergiftung das Leben

Emma Israel, ledig

geboren am 11.7.1873 in Hamburg,

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 17.12.1942 gestorben, Todesursache unbekannt

Franziska Koopmann, Tochter von Jenny 

geboren am 31.10.1888 in Hamburg

am 6.12.1941 nach Riga deportiert und dort bei der Ankunft ermordet

Jenny Koopmann, geborene Levy 

geboren am 5.11.1860 in Randers, Dänemark, verwitwet

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 21.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert und dort bei der Ankunft ermordet 

Martha Kurzynski, ledig

geboren am 2.8.1870 in Löbau,

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 15.5.1943 an Entkräftung gestorben

Laura Levy, ledig

geboren am 24.5.1873 in Hamburg, kaufmännische Angestellte

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiter deportiert am 21.9.1942 nach Treblinka und dort bei der Ankunft ermordet

Chaile Charlotte Lippstadt, geborene Engel 

geboren am 20.5.1873 in Hamburg, verwitwet

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiter deportiert am 

21.9.1942 nach Treblinka und dort bei der Ankunft ermordet 

Isidor Mendelsohn, Bruder von Celine Reincke

geboren am 10.2.1869 in Altona, Versicherungsmakler, verwitwet

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiter deportiert am 

21.9.1942 nach Treblinka und dort bei der Ankunft ermordet 

Balbine Meyer, geborene Strelitz, verwitwet

geboren am 5.6.1871 in Schublin, Posen, verwitwet

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiter deportiert am 

21.9.1942 nach Treblinka und dort bei der Ankunft ermordet

Helene Adele Meyer, Schwester von Ida Meyer

geboren am 5.11.1878 in Hamburg, selbstständige Kauffrau

am 6.12.1941 nach Riga deportiert und bei der Ankunft ermordet

Ida Meyer, ledig 

geboren am 5.3.1869 in Hamburg, selbstständige Kauffrau

am 6.12.1941 nach Riga deportiert und dort bei der Ankunft ermordet

Ella Rosa Nauen, geborene Goldschmidt, verwitwet

geboren am 21.12.1870 in Hamburg 

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 9.10.1942 nach einer Schenkelhalsfraktur, Darmkatarrh und Herzmuskelentartung an

“allgemeiner Schwäche Cachexia (Auszehrung) gestorben

Celine Reincke, geborene Mendelsohn, Schwester von Isidor 

Mendelsohn, verwitwet 

geboren am 12.9.1875 in Altona 

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiter deportiert am 15.5.1944 nach Auschwitz und dort bei der Ankunft ermordet

Friederike Rothenburg, ledig

geboren am 15.10.1869 in Hamburg, ohne Beruf

am 19.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 18.11.1942 angeblich an Enteritis Darmkatarrh gestorben. 

Benny Salomon, Ehemann von Elsa Salomon 

geboren am 5.1.1875 in Hamburg, selbstständiger Kaufmann

am 8.11.1941 ins Ghetto Minsk deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet

Elsa Salomon, geborene Riess, Ehefrau von Benny Salomon

geboren am 10.9.1877 in Hamburg

am 8.11.1941 ins Ghetto Minsk deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet 

Martha Rosa Schlesinger, geborene Schönwald, geschieden

geboren am 5.3.1873 in Kassel, Sekretärin 

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiter deportiert am 

21.9.1942 nach Treblinka und dort bei der Ankunft ermordet

Louis Stiefel, Ehemann von Sophie Stiefel

geboren am 29.12.1874 in Hamburg, Papiergroßhändler

am 11.7.1942 nach Auschwitz deportiert und dort bei der Ankunft ermordet

Sophie Stiefel, geborene Wulf, Ehefrau von Louis Stiefel

geboren am 24.6.1890 in Hamburg

am 11.7.1942 nach Auschwitz deportiert und dort bei der Ankunft ermordet

Louise Strelitz, ledig

geboren am 7.2.1872 in Hamburg, Frisörin

am 15.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 20.12.1942 angeblich an Bauchtyphus gestorben

Eugenie Hanna Zimmermann, geborene Isaacs, verwitwet

geboren am 27.10.1873 in Hamburg, selbstständige Kauffrau

am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 16.4.1945 verstorben, Todesursache unbekannt




Die zwei neuen Steine, am 8.4.2023 verlegt 





HELGA MEYER


Hummelsbüttel selber, der Stadtteil, in dem sich das STZ befindet, hat genau einen einzigen Stolperstein aufzuweisen.

Dieser wurde zum Gedenken an Helga Meyer verlegt. 

Helga wurde am 3.10.1918 in Bremen geboren.
Wann genau ihre Eltern nach Hamburg oder Umgebung zogen, ist nicht genau bekannt, jedenfalls wohnten sie mit Helga und ihrer älteren Schwester seit 1936 im Siegstück 3 in dem Dorf Hummelsbüttel (das erst 1938 zu Hamburg kam).

Helga war mit acht Jahren schwer gestürzt, in Folge davon konnte sie nur mit Mühe gehen 

und hatte Sprachschwierigkeiten.

Lesen hatte sie allerdings in den zwei Jahren, die sie die Volksschule besuchte, gelernt.

Belegt ist, daß sie 1930 zur Behandlung im Klinikum Eppendorf war und in die sogenannte “Krüppelanstalt” Alte Eichen aufgenommen wurde, allerdings konnte sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessern. 

Am 22.9.1941 wurde sie in die Alsterdorfer Anstalten eingewiesen.

Ihr Zustand wurde beschrieben als vollkommen hilflos, sie mußte gewaschen, angekleidet und gefüttert werden. Sie sei, so die Akte, geduldig, verträglich, dankbar und von heiterem Gemüt gewesen. 

Nach den schweren Bombenangriffen auf Hamburg bat der Anstaltsleiter, Pastor Friedrich Lensch, die beschädigte Anstalt teilweise zu evakuieren, da 750 Bewohner obdachlos geworden sein. 

So verließen Anfang August 1943 vier Transporte Alsterdorf, darunter auch ein Transport am 16.8. mit 228 Mädchen und Frauen mit Ziel Richtung Wien, darunter auch Helga Meyer. 

Helgas Mutter versuchte, durch Briefe und Pakete, auch durch Geldsendungen, Kontakt zu ihrer Tochter zu halten - es ist nicht bekannt, ob diese Post die junge Frau je erreicht hat.

Im März 1944 teilte Dr. Hans Bertha, Facharzt des Euthanasieprogramms, Helgas Eltern mit, ihre Tochter sei infolge Lähmung bettlägerig.

Im Juni erhielten die Eltern die Nachricht, Helgas Lungen seien angegriffen und ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. 

Im September erhielt Helgas Mutter die Nachricht, ihre Tochter sei am 11.9.1944 an einer rapide fortschreitenden Lungentuberkulose gestorben und ihr Leichnam sei in Wien eingeäschert worden.

Lungen-TBC war eine der häufigst angegebenen Todesursachen, um einen gewaltsamen Tod zu verschleiern.

Die Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof in Wien war berüchtigt und hatte wenig mit einer Klinik gemein - die Patienten litten unter Unterernährung, mangelnder Behandlung, Verwahrlosung oder wurden mittels gezielter Überdosierung von Medikamenten ermordet. 

Es wird von Überlebenden berichtet, daß die Patienten sich teilweise nur von Kartoffelschalen ernährt hätten.

Von den 228 aus Alsterdorf verlegten Patientinnen überlebten insgesamt 196 den Aufenthalt bis zum Kriegsende nicht. 



                                                                                      Bernd C. 



Samstag, 23. September 2023

DER FISCH

ein kleines resümee 
seit nunmehr fast einem jahr bin ich auf einer reise 
auf einer langen reise durch diverse therapeutische einrichtungen und auch auf einer reise in mein inneres, in meinen kopf...
um meinem problem auf den grund zu kommen - oder präziser formuliert, meinen problemen...
mehrzahl! 
als ich angefangen habe, war mein erster schritt wie bei allen alkoholkranken menschen die entgiftung - das angehen der körperlichen symptome. 
und man hat mir schnell klar gemacht, daß ich an einer chronischen krankheit leide, die niemals ganz weggehen wird.
nun gut, das gilt es zu akzeptieren, was mir sagt, daß ich mit dieser krankheit nun leben und umgehen muss....gegen meine derangierten knie kann ich training betreiben, medikamente nehmen und mich angemessener ernähren.
in all den therapien bringen sie dir bei, welche "medikamente" du gegen deine alkoholsucht nehmen kannst - natürlich gibt es all diese kleinen werkzeuge, die sogenannten skills, was ich aber immer schon ein wenig albern fand.
was soll ich mit chilischoten in der jacke rumlaufen, die ich immer dann herausholen und futtern soll, wenn der kleine suchtdruck kommt. 
irgendwann im laufe meiner reise bin ich dann an therapeuten geraten, die mal tiefer in meinem kopf geschaut haben und versucht haben, den brei darin wieder flüssig zu bekommen, um der frage auf den grund zu gehen, warum ich angefangen habe zu trinken...oder nein - viele menschen trinken alkohol und die meisten davon kommen damit mehr oder weniger gut zurecht, so wie ich ja auch relativ lang (wenn auch schon sehr lange in kritischem maße) 
also präziser formuliert: wann und warum habe ich angefangen, mißbräuchlich zu tinken - was waren die ursachen, was wollte ich mit dem alkohol ertränken? 
gibt ja diese wunderbare plattitüde: "ich wollte meine probleme ertränken, aber ich habe festgestellt, daß die dinger schwimmen können"...wie fische.  
der fisch...
stinkt bekanntermaßen vom kopf - die nächste plattitüde, das macht jetzt schon nen zehner ins phrasenschwein...aber hier steckt doch ein quantum wahrheit drin. 
müßig, darüber zu sinnieren, ob zuerst das ei oder die henne da war, also zuerst die depressiven verstimmungen oder der drang, sie mit alkohol zu bekämpfen - ich denke, die zwei dinge bedingen einander.
mit dem feinen unterschied, daß alkoholismus auch körperliche abhängigkeit schafft - in der endphase meiner krankheit war mir schon vollkommen klar, daß der alkohol nicht zur problemlösung beitragen konnte, da war es zum schluß nur noch der zwang, sich zuschütten zu müssen, um die körperlichen beschwerden zu lindern.
das körperliche habe ich mehr oder weniger erledigt, aber ich weiß, daß das teufelchen stets auf meiner schulter sitzen wird und es wird der moment kommen, da wird es anfangen zu flüstern.
meine aufgabe für den rest meiner zeit wird es also sein, es am flüstern zu hindern, womit wir zu noch einer plattitüde kommen, dem schlagwort von der "zufriedenen abstinenz" - "ich will nicht mit der faust in der tasche herumlaufen, um nicht an alkohol denken zu müssen" 
NEIN, ich denke da mittlerweile anders, nämlich, daß ich mich nicht mit dem problem beschäftigen will, sondern an die lösung denken möchte. 
wenn ich mit meiner zufriedenheit beschäftige, dann lande ich ganz automatisch bei der abstinenz, darum kreisen meine gedanken und dazu lese ich viel.
neulich fragte mich eine therapeutin, welche bücher zum thema sucht ich denn als belesener mensch ich denn schon gelesen hätte und sie war erstaunt, als ich "KEINES" sagte - ich beschäftige mich nicht mit dem thema SUCHT, sondern ich beschäftige mich mit dem thema zufriedenheit und gelassenheit.
das ist mein ziel - und wer immer den satz gesagt hatte "der weg ist das ziel" der redet für mich mit verlaub blödsinn, denn wer zu viel über den weg nachdenkt, vergißt vielleicht das ziel darüber. 
ich hingegen bin inzwischen jederzeit bereit, meinen weg jederzeit zu verlassen, wenn er sich nicht als hilfreich erweisen sollte....sich zu verrennen, schafft frustation - am ende einer sackgasse zu versuchen, die mauer einzureißen, um weiterzukommen, ist energieverschwendung, sinniger ist, vorher umzudrehen und nach einem neuen weg zu suchen, um an der mauer vorbeizukommen.
was mich dazu bringt, mich mit allem möglichen zu beschäftigen, sei es philosophie, religionen oder psychoanalyse und alles letztendlich darauf zu fokussieren, was ich für richtig halte und was mir gut tut.
hört sich jetzt schrecklich egoistisch an, oder? 
ja, isses natürlich, aber ich würde es gesunden oder gesundenden egoismus nennen wollen - ich hatte neulich an einem wundervollen nachmittag einen wundervollen satz von einem wundervollen menschen:
"du bist anders" 
das betrachte ich als kompliment - viel zu lange habe ich versucht, mich anzupassen und zu funktionieren und einer norm zu entsprechen...aber ist doch nicht wichtig, gemocht oder geliebt zu werden - viel wichtiger ist es doch, zu lieben und zu mögen...und zwar in erster linie sich selbst.
denn ich kann nur, denke ich, liebenswert sein, wenn ich mich selbst liebe, nicht in einem narzistischen sinne - nächste phrase: "ich bin so wie ich bin und das ist gut so" - selbstakzeptanz als teil der selbstheilung. 
es gibt keine norm und es gibt auch kein krank oder gesund, außer in einem systemischen denken und viele probleme verschwinden, wenn ich mich aus dem systemischen denken löse...wenn ich mich auf meine heilung konzentriere und nicht versuche, im sinne des systems "gesund" zu werden.
das habe ich inzwischen begriffen, dabei haben mir großartige menschen geholfen und meine letzte großartige entscheidung war es, das praktikum bei der tafel in norderstedt zu absolvieren.
ich werde nie wieder für ein unternehmen oder eine institution arbeiten, dessen oberstes ziel es ist, gewinne zu maximieren.
ich habe mich stets in meiner al-bundy-karriere als dienstleister gesehen, ohne zu begreifen, daß mein begriff davon vollkommen fehl am platz war - die meisten kunden haben dienstleister mit diener verwechselt und die meisten chefs haben zwar beratung gepredigt, aber verkaufen gemeint.
alle unternehmen haben individualität gelobt, aber keines hätte mich mit nasenring eingestellt (was sie wohl auch in zukunft nicht tun werden - einer der gründe, weswegen ich - wieder - einen habe).
meine älteren damen bei der tafel hat das nie interessiert.
6000 eier in zehnerkartons zu portionieren ist jetzt nicht die spannendste tätigkeit, hat aber in ihrer stupidität etwas zen-buddhistisches (meine damen fragen sich immer, warum ich das freiwillig mache) und am ende siehst du zwei ergebnisse.
erstens ist die palette mit eiern leer und zwei stunden später drückst du einem menschen einen zehnerkarton eier in die hand, den die person sich im normalfall sonst wahrscheinlich nicht leisten könnte. 
deswegen helfe ich auch weiterhin bei der tafel, auch wenn ich es nicht mehr muss und werde das auch weiterhin tun, wenn meine reise zu ende ist - meine offizielle reise durch die therapeutischen einrichtungen, denn ich werde am 17. oktober in meine alte wohnung zurück kehren.
was ich ja lange abgelehnt hatte, wovor ich regelrecht panik hatte - ist diese wohnung doch untrennbar mit dem thema alkohol (und dem thema depression verbunden) - ich hatte ja ansich vorgehabt, in eine weitere therapeutische einrichtung zu gehen, aber ich bin müde und merke, daß mich das nicht mehr weiterbringen würde. 
ich denke, alles was therapeuten mir sagen konnten, haben sie mir gesagt und wahrheiten werden durch wiederholung nicht wahrer...und alle therapeuten sagten ja immer, daß sie mir helfen wollen, meinen werkzeugkoffer zu packen, den ich brauche, um meine dämonen im zaume zu halten. 
besiegen werde ich sie nicht, ein schlafliedchen kann ich ihnen singen, daß sie sich zur ruhe begeben und das muß ich irgendwann auch selber tun können müssen. 
eine weitere therapeutische einrichtung hieße für mich, vor dem leben zu kapitulieren und das hatte ich nun schon letztes jahr. 
daß ich das alles nicht alleine schaffen werde, weiß ich selber - die erkenntnis, auf hilfe angewiesen zu sein, ist hart und schwierig, denn wie gesagt, die norm ist gesund und funktionierend...schwierig ist, hilfe, die angeboten wird, anzunehmen, noch schwieriger ist es, um hilfe zu bitten.
auch das ist ja gesellschaftlicher konsens - man fällt niemandem zur last!!
und natürlich hat man keine schwächen...oder zeigt sie zumindest nicht. 
auch das gehört zu einem langen lernprozess, das nicht mehr zu akzeptieren.
ein prozess, der lange noch nicht abgeschlossen ist, auch wenn meine reise durch die therapeutischen einrichtungen sich nun ihrem ende nähert...meine reise in ein anderes neues leben hat vielleicht gerade erst angefangen...
als ich am 26.10.22 in die entgiftung gegangen bin, da hatte ich ganz schnell wieder "gesund" werden wollen, aber ganz schnell begriffen, daß das kein sprint wird, sondern ein ultramarathon und hatte dann für mich angenommen, daß ich das ganze jahr 2023 für meine gesundung nutzen wollte. 
auch wenn ich jetzt "nach hause" gehen werde, habe ich dieses ziel nicht aus den augen verloren, sondern ändere nur den weg - und, ich bin mir sicher, spätestens am 31.12.23 werde ich ein neues ziel ausrufen, nämlich auch 2024 mit dem heilungsprozess weiterzumachen...den fisch am schwimmen zu halten, ohne daß er wieder zu stinken anfängt - und wenn es sein muß, dann auch wie lachse zum laichen flussaufwärts und gegen den strom. 
schlußendlich ist es aber schon an der zeit, ein kleines fazit zu ziehen...ich finde, ich kann auf das, was ich erreicht habe, verdammt stolz sein, wenn ich mich mit dem bernd von vor einem jahr vergleiche, körperlich und geistig - der bernd vor einem jahr hätte vor allem aufgezählt, was er alles NOCH NICHT geschafft hatte...
und anders als der bernd von vor einem jahr blicke ich nicht auf einen weg zurück, den ich als beendet betrachtet hatte, sondern schaue auf einen weg, der vor mir liegt, mit dem gefühl, daß ich lange noch nicht fertig bin...da liegen noch ganz viele dinge vor mir, mit denen ich mein leben bereichern kann und vielleicht nicht nur meines, sondern auch das von anderen menschen.
und ich freu mich drauf. 


ROLLING HOME

ROLLING HOME - MIT DEM TURBO DURCH HAMBURG


“Definieren sie Generationenkonflikt…
wenn sich zwei Kinderwagen und zwei Rollatoren 

um drei Plätze im Bus streiten”


Kleiner Scherz…ist noch nicht so lange her, da fand ich das noch witzig,

das hat sich quasi über Nacht geändert - und das liegt nicht daran,

daß ich etwa als frischgebackener Vater mit dem Kinderwagen

unterwegs bin. 

Ich gebe zu, was ich inzwischen mache, ist Jammern auf ganz hohem

Niveau, weil ich ansich schon wieder relativ beweglich bin, aber vor

knapp einem Jahr war ich noch ganz anders unterwegs. 

Im Juni bin ich ins Krankenhaus gekommen; Psoriasis Arthritis -

Schuppenflechte, die eine Autoimmunreaktion ausgelöst hat, so daß

mein Immunsystem angefangen hat, die Knorpel in meinen

Kniegelenken aufzufressen, dazu vom Alkoholkonsum noch

Polyneuropathie, eine Nervenkrankheit, die die Beine zittrig,

den Gang unsicher macht. 

Im Krankenhaus haben sie mich von Station zu Station geschoben, um

die Ursache für die Infektion herauszufinden, was nicht gelungen ist,

so daß man mich mit reichlich Schmerztabletten und Krücken nach

Hause geschickt hatte. 

Mit der Konsequenz, daß ich wegen der Schmerzen (und wie soll man

mit “Unterarmgehstützen” Treppen herunter klettern?) quasi bis

September meine Wohnung nicht mehr verlassen hatte. 

Inzwischen - erstaunlich, wie schnell das geht - war meine Bein-

muskulatur auf nur noch 60 % geschrumpft und meine Sehnen in der

Wade hatten sich verkürzt - Aufrecht gehen schwer gemacht. 

September zweiter Krankenhausaufenthalt, da war dann Gehen
quasi nicht mehr möglich; ich war auf einen Rollstuhl angewiesen.
Nun hatte ich leider grad keinen zur Hand - das Krankenhaus zuerst

auch nicht…wenn ich vor die Tür wollte, eine rauchen, dann bin ich
auf einem Toilettenstuhl nach unten gerollt.
Ziemlich entwürdigend. 

Nach 10 Tagen hatten sie dann endlich einen alten im Keller aufgetrieben. 

Ist jemandem schon mal aufgefallen, daß viele Wege gewölbt sind? 

Von der Mitte zu den Seiten hin abfallend - macht Sinn, daß Regenwasser

besser abfließen kann, für Rollifahrer die Hölle, weil der Stuhl andauernd

zur Seite rollen will und man andauernd gegensteuern muß. 

Next Exit Entgiftung Alsterdorf…schön, daß viele therapeutische

Anwendungen in anderen Gebäuden stattfinden, bei den sieben Zwergen,

hinter den sieben Bergen…hätten mich nicht freundliche Mitpatienten

gehabt, die mich geschoben haben, hätt ich das nicht gepackt, an

manchen Sachen teilzunehmen. 

Bald war ich durch geduldiges Training so weit, daß ich schon kurze

Strecken mit Rollator geschafft habe - DAS! (Prognose der Ärzte)

wird deine Fortbewegungshilfe für längere Zeit sein.
Nun gibt es bei Rollatoren ja auch die verschiedensten Ausführungen. 

Die Variante, die mich begleitet hatte, war logischerweise das Modell

“Kasse”, 12 kg schwer, nicht faltbar…kurz mal nachgedacht, wie das

denn in Zukunft aussehen soll:

In meine Wohnung im zweiten Stock mitnehmen…grober Unfug…i

m Flur stehen lassen und mit zwei dort abgestellten Kinderwagen

konkurrieren, wird auch nicht funktionieren, kommt denn gar keiner

mehr durch. 

Also, einen faltbaren und leichteren - das bezuschussen die

Krankenkassen mit immerhin 50 €; zur Einordnung, dafür bekommt

man ungefähr die vier Räder einer vernünftigen Ausführung. 

Mit meinem neuen Spaßmobil Modell TURBO begann ich also ab

September letzten Jahres die Welt zu errollen.

Wie gesagt, was ich mache, ist jammern auf hohem Niveau, aber ich

versuche mir in manchen Situationen halt vorzustellen, ich wäre ein

Omchen oder ein Rollifahrer.

Ich könnte jetzt mit der Qualität der Bürgersteige anfangen, so denn

überhaupt vorhanden - in Jenfeld z.B. sind vielfach links und rechts der

Straßen Kieswege für Fußganger. 

Besonders nach einem gesunden Landregen konnte ich feststellen,

daß mein Turbo nicht geländegängig ist… und auch nicht schwimmfähig. 

Aber auch ansonsten ist das, was unsere Stadt Fußgängern in manchen

Gegenden zumutet, eine ziemliche Frechheit, was die “Plattentektonik”

anbelangt.

Reden wir auch davon, Straßen zu überqueren - wofür man erstmal

eine Auffahrt oder eine abgesenkte Stelle finden muß und die muß

natürlich auch noch nicht zugeparkt sein. 

Nunja, als Stadtplaner viele Straßen in Wohngegenden angelegt hatten,

da hatte vielleicht jeder zwanzigste

Bewohner n Auto und da waren auch

noch viele Käfer dabei und nicht wie

heute, wo zur schicken Altbauwohnung

oder dem schnieken Eigenheim auch

noch ein geländetaugliches

Panzerfahrzeug gehört, das längs

geparkt die Abgänge verstopft oder

quer den ohnehin schon schmalen

miserablen Fußweg um die Hälfte

in der Breite schmälert. 

Wie nahe darf man an einer Kreuzung

parken?
Es gibt Ecken in Hamburg, die

sind für Rollifahrer quasi unbewohnbar,

weil es nahezu unmöglich ist, vernünftig von a nach b zu kommen und

jede Form von Straßen- oder Rohrbauarbeiten erschwert das Leben

in den anderen Gegenden noch zusätzlich.

Okay, machen wir weiter…mein größtes Problem ist, wegen meiner

verkürzten Muskulatur noch immer das Treppensteigen; die wenigsten

Busfahrer senken an der Haltestelle ihren Bus ab, daß man als Rollatori

da vernünftig hineinkommt und ist man erstmal drinne, geht es weiter

mit den Problemen.

Der Rollatoren-Kinderwagen-Raum in der Mitte nebst der Notbank

erfreut sich generell allergrößter Beliebtheit bei Jugendlichen, die zumeist

erstmal mit vollkommen unverständigen Blicken reagieren, wenn man

in sein Eckchen rollen will. 

So ganz nebenbei frage ich auch, warum Menschen ihr Fahrrad (so es

keinen Platten hat) im Bus transportieren…um dann im Büro mit

ihrem Umweltbewußtsein angeben zu können?

Ach ja, wenn man im vorderen Teil eines Gelenkbusses einsteigt und da

ist es voll und man will nach hinten durchgehen - der Gang über den Achsen

ist zu schmal, kommt man mit einem unfaltbaren Rollator nicht durch, ebenso

wenig wie man in der U-Bahn einen Platz erreichen kann, der nicht direkt an

der Tür ist. 

Über das Thema Barrierefreiheit und HVV will ich nur wenig schreiben,

sonst komme ich noch in Rage - okay, es ist schon viel besser geworden,

was die Versorgung mit Fahrstühlen anbelangt. 

Setzt natürlich voraus, daß die Dinger funktionieren, denn gerade an der U1

gibt es keine Alternative, weil es an vielen Haltestellen - wenn der Fahrstuhl

mal nicht funktioniert - keine Rolltreppen gibt oder allerhöchstens eine in eine Richtung.
Stolz wirbt der HVV damit, daß nun endlich auch Hutwalckerstraße geliftet ist

…bloß fahren tut der nigelnagelneue Fahrstuhl nicht. 

Wartung und Reparatur von so einem U-Bahn-Lift dauert im

Schnitt etwa drei Monate, wie ich die Erfahrung gemacht habe. 

Seit ich mit meinem Turbo unterwegs bin, achte ich natürlich auf sowas,

und wenn ich eine kompliziertere Tour vor mir habe, schau ich mir auch jedes

Mal vorher die HVV-Seite an, ob denn alle Fahrstühle auf meiner Route funktionieren, um keine bösen Überraschungen zu erleben. 

Gut, wenn natürlich wieder mal irgendwelche Deppen über Nacht

einen Lift kaputt gespielt haben, was gerne von Sonnabend auf Sonntag

passiert (S-Bahn Hasselbrook ist da sehr gern genommen), kann natürlich

auch die Homepage häufig nicht schnell genug sein.

Was ich noch nicht probiert habe ist, wie es denn mit diversen

kulturellen Einrichtungen aussieht; ich hatte da bisher nur eine

Erfahrung mit dem Museum für Hamburgische Geschichte. 

Um in die Sonderausstellung zu gelangen,. muß man mehrere

Zwischenebenen überwinden und mehrere Türen öffnen - Türen,

die nach außen aufgehen, was mit Rollator schwierig, mit Rollstuhl

ohne Begleitung unmöglich ist.
Man ist also auf die Hilfe des Personals angewiesen, ebenso wie bei

den Zwischenebenen, für die es Hebebühnen gibt.
DA stand ich also, weit und breit niemand zu sehen…nach zehn Minuten

kam denn ein Angestellter und fragte, was ich denn wollte. 

(HM…warum stehe ich vor dieser Hebebühne?)

Nachdem ich ihm mitgeteilt hatte,was denn mein Begehr sei, entschwand

er, kam nach zehn Minuten wieder.
“ich hab den Schlüssel nicht…den hat eine Kollegin”
Also auf die Kollegin warten, die denn nach weiteren zehn Minuten eintraf,

nur um uns mitzuteilen, daß sie den Schlüssel auch nicht hat, den hätte

nämlich noch eine andere Kollegin.
Ich hab denn mal vorsichtig nachgefragt, ob es denn möglich wäre, die

Kollegin irgendwie zu kontaktieren, um an den Schlüssel zu kommen. 

“Nee, die ist gerade zur Pause”
Also noch ein Viertelstündchen warten, bis denn die Kollegin erschien

und mit einigem Widerwillen, weil sie sich so gehetzt fühlte, die

Hebebühne bediente, um mich herabzulassen. 

So viel denn zum Thema herablassende Behandlung. 

Ich nach diesen Erfahrungen doch ziemlich froh, daß ich mittlerweile

vieles ohne meinen Turbo schaffe - das dreiviertel Jahr hat mich auf jeden

Fall viel Demut gelehrt und ich sehe vieles, was mit dem Thema Mobilität zusammenhängt, inzwischen mit

vollkommen anderen Augen, wie viel schwerer das, was mir schon

schwer fiel bis teilweise unmöglich war, für Menschen sein muß,

die noch weiter in ihrer Beweglichkeit

eingeschränkt sind als ich es war. 

Ich will nicht verhehlen, daß einiges  schon besser geworden ist,

aber dennoch, da ist noch vieles an Luft nach oben. 



                                                                        Bernd C.