Dienstag, 5. Mai 2009

BLICK ZURÜCK OHNE ZORN



2. BL:
DERGLUBB - FCSTP  2:0



Auswärtsfahrten diese Saison entfachen in mir inzwischen ja in etwa so viel Vorfreude wie ein anstehender Besuch beim Zahnarzt.  Der kleine Unterschied ist, dass man nach dem Zahnarztbesuch häufiger erleichtert feststellen kann, dass es gar nicht soo weh getan hat.  Ich komm auf das Bild noch zurück.  
Zu der obligaten Sinnkrise „lass die Haue, Herrgott mein, bitte nicht so grausam sein“ kam noch eine erfrischende Frühlingserkältung – kennt jemand das Gefühl, wenn man einen Tag lang das Gefühl hat, das Auto fahre immer noch mit 210 die Kasseler Berge runter und sich der Druck im Kopf geschmeidig auf Augen, Nase und Ohren verteilt ... da könnte man sich das ganze doch lieber daheim im Bett ansehen.  Kleines Problem: meine Reisegruppe war schon in Nürnberg, aber ich hatte die Eintrittskarten.  Also doch los, Sonntag als Paracetamol Junkie und wieder die Sinnkrise.  Lesen hilft nicht viel, wenn einige Reisende mit ihren permanenten Telefonaten den ganzen Wagen beschallen (schmeiß doch dein Telefon weg und mach einfach ein Fenster auf!!!).  Meine Zugbegleiterin erblickt mein Trikot: „ach, St. Pauli ... die hatte ich neulich im Zug, die sind zweiter Klasse nach Hause gefahren“ – „tja, zweite Liga, zweite Klasse ... von wo aus war das?“ – „Von Wiesbaden aus“ – (grunz) „nach dem Spiel hätten sie laufen sollen!!!“ – „aber ich fand die echt cool drauf, so menschlich gesehen, vor allem die Trainer“.  
Ja, gute Frau, leider halten die fußballerischen Qualitäten mit den menschlichen nicht so unbedingt mit!  Dass unsere Jungs, vor allem die Trainer, auch noch nett sind, hilft mir nicht über meine Sinnkrise hinweg, sondern verschärft sie nach solchen Auftritten höchstens noch.  Ich will nicht wieder im Sommerfußball angekommen sein wie letztes Jahr – geht ja um nix mehr und so spielen wir auch.  Ein Bekannter von mir fragte mich nach Duisburg:  „und, wann wollt ihr die 40 Punkte endlich mal voll machen?“  Und ich hatte keine Antwort; heute, in Nürnberg – wäre doch zu schön.  Bitte nicht mehr als drei Gegentore und mit ganz viel Glück vielleicht einen Punkt.  Nach der Ankunft in Nürnberg – alles recht entspannt; es galt, meine Bekannten einzusammeln sowie die Reisegruppe München, was sich als logistische Meisterleistung entpuppte, ebenso wie die Fahrt zum Stadion.  Sympathisch finde ich, dass bei allen Durchsagen am Bahnhof und auch auf den Anzeigetafeln die Hütte immer noch Frankenstadion genannt wurde.  Unsympathisch, warum musste man (wer auch immer) ausgerechnet an diesem Tag wegen Bauarbeiten die S-Bahn nicht fahren lassen – hätte man doch an einem Auswärtswochenende der Clubberer machen können, oder?  So war vor allem die Abfahrt Stadion HBF eine mittelschwere Katastrophe, die Hinfahrt ging noch.  Ortsansässige Führer brachten uns in den geeigneten Biergarten (wobei ein Teil unserer Reisegruppe wieder in einem anderen verabredet war).  Das gehört ja zu den Dingen, die ich an Bayern / Franken mag, die Biergartenkultur.  Die Maß als solche fördert in solchen Örtlichkeiten auf jeden Fall die innerdeutsche interkulturelle Kommunikation, unter anderem auch mit Menschen, die aus Osnabrück (naja, ich komm ja nicht wirklich aus Osnabrück, sondern aus der Nähe) kommen.  Dass die Nürnberger ernsthaft vorhaben, diese Liga zu verlassen, stimmt mich traurig, denn solcherlei Formen des Zusammensitzens werde ich vermissen, ebenso wie das unaufgeregte Verhalten der Ordner vor und im Stadion.  Nicht vermissen werde ich mit Sicherheit jene vier Nürnberger Vollpfosten im Sitzplatzbereich neben uns, die bei jedweder Gelegenheit wie ebolainfizierte an die Plexiglasscheibe sprangen, dagegen trommelten und unseren Block mit freundlichen Mittelfingern bedachten.  Auf dem Shirt des einen stand in Fraktur zu lesen: „wir sind Franken, keine Bayern!“ ... bitte ersetzen durch: „wir sind Deppen, keine Fans“.  Zum Spiel?  Zum Spiel:  okay, wenn der Schiri das Nicht-Abseitstor für uns gibt, dann haben wir vielleicht ein anderes, aber auch so war ich trotz der Niederlage zufrieden, denn die erste Halbzeit war eines der spielerischen Hochlichter dieser Saison und vielleicht die beste Halbzeit auswärts diese Saison.  Das Gegentor war doof und einen Mintal kannste halt nie über 90 Minuten ausschalten (auch wenn das €2,50 ins Phrasenschwein kostet).  Trotzdem war es eine Niederlage und da hilft mir auch alles Schulterklopfen der Heimfans nichts, wofür wegen der Nürnberger S-Bahn genügend Zeit war und worauf ich im Übrigen dann gar nicht stehe – kein „wie toll sind eure Fans und ihr hättet einen Punkt verdient gehabt und ihr seid so ein toller Verein“.  Das Schlimmste nach Niederlagen sind und waren immer schon für mich die Heimfahrten.  Apropos Heimfahrt:  ich hatte ja Komfort gebucht (Haha, IC), bin aber aus Solidarität mit meinen Stuttgartern auf dem Schönen Wochenende heim gereist, Regionalexpress – das beste am „Express“ waren die zwei Zigarettenpausen an zwei der gefühlten 150 Haltestellen.  Mach ich nicht mehr und schon gar nicht nach Niederlagen ... langsam werd ich zu alt für diese Scheiße. 

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