Sonntag, 2. September 2012

DIE NEUEN


Welche Taste hätten sie denn gern? 

Die Reset-Taste???  Copy & Paste??? Oder einfach nur „LÖSCHEN“???
Für alle, die den ÜS 104 grad mal nicht zur Hand haben, will ich meinen Artikel über die Neuen zur Saison 2011/12 noch einmal zitieren: 
“damit solcherlei Fehler, wie man sie der sportlichen Leitung in der vergangenen Saison anlasten könnte (kann), nicht noch mal passieren, haben Präsidium, Aufsichtsrat und andere „Gremien“ (whatever that means) intensiv getagt. Herausgekommen ist dabei, dass der Präsi und sein Vize künftig bei Gesprächen mit der sportlichen Leitung dabei sein wollen, um „unterstützend einzuwirken“. Zudem will man den Kontakt zum Mannschaftsrat und altgedienten Spielern suchen, um Meinungen und Strömungen innerhalb des Kaders rechtzeitig wahrzunehmen.“
Kann man mal sagen: das hat ja gut geklappt letzte Saison, oder?
Nun, rausgekommen ist dabei nach der Saison in erster Linie ein internes Kasperletheater, in dem sich weder die Medien noch der Verein gerade mit Ruhm bekleckert haben, mit einem entlassenen und dann bestätigten Trainer und einem eine Woche dauernden Hickhack um den (Ex-) Sportdirektor.
Fakt ist, den internen Machtkampf scheint vorerst der Trainer gewonnen zu haben – oder sollte man sagen, Helmut Schulte hatte ihn verloren?
“wer da wen am linken ist, ist lang schon nicht mehr klar
 darum finden alle dieses Spiel so wunderbar...“
 Wer nun letztendlich woran Schuld hat, wird wohl nicht mehr nachvollziehbar sein. Wichtig ist letztendlich ja auch auf’m Platz. Aber komisch ist schon, dass lange Zeit gar nichts an Aktivitäten in Bezug auf Zugängen oder Vertragsverlängerungen zu vermelden war und dann am Tag nach der Demission von Helmut Schulte plötzlich die Kontrakte von Philipp Tschauner und Patrick Funk in trockenen Tüchern waren.
Ansonsten gab es lange nichts zu vermelden außer Abgängen und jenen zwei Zugängen, die schon im Januar, bzw. im März feststanden und den Trainer in sofern auch in die Kritik brachten, als sein Blick über den Tellerrand hinaus sich oft gen Paderborn richten würde. In sofern war die wichtigste Verpflichtung vielleicht die des neuen Sportdirektors und Helmut Schulte Nachfolgers:

Rachid Azzouzi (10.01.1971):
Azzouzis Name ist vor allem mit einem Verein verbunden, nämlich der SpVgg Greuther Fürth. 1989 wechselte er zunächst von den Kölner Amateuren zum MSV Duisburg (111 Sp. / 4 T.), 1997 ging er zur Kölner Fortuna (43/0) und nach einem halben Jahr dann zu den Fürthern, für die er bis 2004 168 Spiele bestritt und 28 Tore schoß. Er nahm als marokkanischer Nationalspieler (25/0) an zwei Weltmeisterschaften teil (94 und 98). Nach seiner Spielerkarriere trainierte er zunächst die Fürther U17 und wechselte dann in die sportliche Leitung, zunächst ab Mai 05 als Teammanager, seit 07.08 als Manager. Ihm gebührt wohl neben dem Trainer ein Löwenanteil daran, daß aus den Unaufsteigbaren nun ein Erstligist wurde. Bei seinen Fürther Transfers der Vergangenheit war er nun nicht zwingend ein Verfechter der Linie „junge hungrige Talente aus der Region“. Im  Vordergrund stand vor allem, daß man eine gute Qualität zu einem möglichst kleinen Preis bekommen konnte, also in erster Linie ablösefreie Spieler oder Talente auf Leihbasis von anderen Vereinen. Das deckt sich also mit der neuen Philosophie des FC St. Pauli. Azzouzi kann also mit klammer Kasse einen ambitionierten Kader entwickeln, wofür wir ihm ein glückliches Händchen wünschen.
Bleibt zu wünschen, daß er bei all seinen Transfers auch die Seele des Vereins im Hinterkopf behält, denn ein Spieler bei St. Pauli sollte ja nicht nur qualitativ und finanziell, sondern auch charakterlich zum Verein passen. 
 
Chefaufgabe war es unter anderem, den Kader zu verkleinern. Das ist gelungen, u.a. weil auch Spieler bei anderen Vereinen bessere Perspektiven sahen. Neun Neuzugänge bei vierzehn Abgängen (vielleicht 15, denn der Fall Zambrano war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht durch)
Zum Opfer fielen der Erneuerung wieder mal arrivierte Kräfte;  die, die durch die Hölle gingen: mit Bene, Flo und Boller sind nun nur noch drei Spieler im Kader, die noch die Äcker und Wiesen der Regionalligazeit kennen und nur noch sieben Spieler können von dem Abenteuer Bundesliga 2010 erzählen (neben den drei vorher genannten noch Thorandt, Zambrano, Bartels und Ebbers). Das ist im Endeffekt doch ein ziemlicher Umbruch in den letzten zwei Jahren, den es nun zu wuppen gilt. Zweite Vorgabe war, nach den teilweise mauen Offensivleistungen der letzten Saison, vor allem den Sturm zu stärken, zumal der Trainer angekündigt hat, er wolle fortan mit zwei Spitzen spielen.
Das ist natürlich ein ziemlicher Rucksack für einen angezählten Trainer, dem zudem noch sein Assistent abhanden gekommen ist, wo man immer dachte, der Schubert und der Lichte sind ein Arsch und ein Kopf. Nun ist der Kopf halt nach Leverkusen gewechselt und Schulle und Meggi geben die Hütchenaufsteller und Lauftempovorgeber auf’m Platz. Und es ist natürlich auch ein ziemlicher Rucksack für die Neuzugänge; nach einem knapp verpassten Aufstieg letzte Saison will man sich natürlich nicht deutlich sportlich verschlechtern (man erinnere sich an die markigen Worte des Präsidenten).
So, das sind nun also die Jungs, die es richten sollen: 
 
Robin Himmelmann  (23 - Torwart)
Geboren am 05.02.1989 in Moers
Nichts gegen dich, Robin, aber das ist – ebenso wie letzte Saison die von Heerwagen – eine Verpflichtung, die ich nicht verstehe. Wenn ich als dritten Torwart jemanden von Schalke 04 II verpflichte, der in den letzten zwei Saisons insgesamt 33 Spiele in der RL West absolviert hat, dann ist das ein Schlag in die Fresse für den eigenen Nachwuchs. Mit der Verpflichtung von Heerwagen hatte man Schenk und Springer gezeigt, daß man in sie nicht mal das Vertrauen hat, hinter Bene auf der Bank Platz zu nehmen. Mit Himmelmanns Verpflichtung geht das gleiche Signal an Kirschke, Grubba und Babuschkin von der Zwoten. Himmelmann kann zudem nicht mal bei der Zwoten eingesetzt werden, ohne einen der drei Altersplätze zu blockieren (von denen Hauke Brückner einen sicher haben dürfte), wird also wohl eine Saison mit trainieren verbringen, es sei denn, die sportliche Leitung hält ihn für so gut, daß sie ihn im Falle einer Verletzung von Tschauner Bene vorziehen werden. Beim Ingolstadt Spiel jedenfalls saß er schon mal auf der Bank. Könnte es sein, daß da über kurz oder lang eine weitere St. Pauli Ikone aussortiert werden soll?
Mal schauen, wer gegen Offenburg im Tor steht und auf der Bank sitzt.

Florian Kirschke  (20 – Torwart)
Geboren am 24.05.1992 in Hamburg
Florian kommt aus der U17 des HSV, diente sich über unsere U19 in die Zwote hoch, für die er letzte Saison vier Spiele bestritt. Er ist wohl als Quoten „local Player“ im Kader und wird wohl keine Spielzeit in der ersten Mannschaft bekommen. Dafür ist er nach den Abgängen von Arvid Schenk und Ole Springer zur Nummer 1 bei der U23 aufgerückt. Dort kann er sich sicherlich beweisen, denn die neue Regionalliga ist keine Spaßveranstaltung und mit den zwei neuen Torleuten hat er mächtig Dampf im Rücken.
Es wäre ihm (wie so vielen Spielern aus der Zwoten) zu gönnen, wenn er den Sprung in die erste Mannschaft nicht nur auf dem Papier, sondern auch wirklich schaffen würde.

Florian Mohr  (28 – Abwehr)
Geboren am 25.08.1984 in Hamburg
Es wurden ja Witze gemacht, St. Pauli würde unter André Schubert paderbornisiert. Und ja, ich habe mich daran beteiligt. Aber ich verneige mich in Ehrfurcht. Nicht, weil Mohr das Tor gegen Ingolstadt gemacht hat. Er stand in der Kicker Rangliste der besten Innenverteidiger der 2. Liga in der letzten Saison auf Platz 5. Und genau das bestätigt er. Grundsolide, unaufgeregt...ein würdiger Sobiech-Ersatz und sicher besser als Zambrano gibt er mit Thorandt ein Stoiker-Duo in der Innenverteidigung.
Mohr stammt aus der Jugend von Concordia, wechselte 2004 zur Zweitverwertung von Werder Bremen, für die er 122 Spiele bestritt. 2008 holte ihn der SC Paderborn in die 3. Liga (38/4), mit denen er in die 2. Bundesliga aufstieg und dann in drei Saisons 80 Spiele absolvierte und 7mal traf. Dabei, und deswegen mag ich ihn und seine Art zu spielen schon jetzt, kam er mit 7 gelben und einer gelb-roten Karte aus.

Sören Gonther  (25 - Abwehr)
Geboren am 15.12.1986 in Schrecksbach
Muß ein echt guter sein. Sonst könnte man die Frage stellen, wieso man im März einen Spieler verpflichtet, der seit Februar durch einen Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt war, zumal wir ja auf der Position des Innenverteidigers ansich ganz gut besetzt sind.
Aber Trainer Schubert wird wissen, was er an ihm hat. Gonther stammt aus der Jugend von Hessen Kassel, wechselte 2004 zu Schuberts Stammverein KSV Baunatal in die Hessenliga und 2007 nach Paderborn. In der dritten Liga bestritt er 22 Spiele (1 Tor), in insgesamt vier Zweitligajahren kam er auf 91 Spiele und vier Treffer.
Auch bei ihm fällt auf, daß er in seinen fünf Profijahren noch keinen einzigen Platzverweis kassiert hatte und noch in keiner Saison eine Gelbsperre absitzen musste.
Das spricht für eine gewisse fußballerische Klasse (oder ein mangelhaftes Zweikampfverhalten?).  Man wird sehen. Ich denke, daß wir ihn ab September wohl zunächst zum Spielpraxis Sammeln bei einigen Spielen der Zwoten sehen werden, wenn er wieder 100%ig fit ist, denn die momentan gut funktionierende Innenverteidigung Mohr / Thorandt auseinander zu reißen, würde wenig Sinn machen

Florian Kringe  (30 – Mittelfeld)
Geboren am 18.08.1982 in Siegen
Hm...war uns vor der Saison angekündigt worden: „wir holen noch einen Kracher“?
Ist er das nun, der Königstransfer? Naja, wohl eher nicht, denn zum Kringe sind wir ja eher gekommen wie die Jungfrau zum Kind, wollte er sich doch ansich nur ein wenig bei uns fit halten, nachdem seine Perspektiven beim BVB wohl eher mau waren. Ja, Kringe darf sich dreimaliger deutscher Meister nennen (2002/2011/2012), hat aber in den Meisterjahren nur ein einziges Spiel gemacht. Immerhin kommt er auf 192 BL-Spiele (18 Tore) und 33 Einsätze in der 2. Liga (7 Treffer.) vor dieser Saison.
Der BVB ist ansich Kringes stetige Heimat gewesen, seit er 1994  von den Sportfreunden Siegen nach Dortmund kam. Dort diente er sich über die Jugendmannschaften hoch bis in den Profikader. Nach eine Saison ohne Spiele ging es von 2002 bis 2004 nach Köln (62/8), dann kehrte er wieder zum BVB zurück. 2009/10 wurde er für eine Saison an die Hertha verliehen (12/1), die jedoch auch von einer Verpflichtung Abstand nahmen. In den folgenden zwei Jahren kam Kringe dann nur zu einem Bundesligaeinsatz und acht Partien bei der U23 der Dortmunder in der RL West.
Da kann man wohl ein wenig vom Abstellgleis sprechen, weswegen für den Spieler der Wechsel zu einem ambitionierten Zweitligisten wohl durchaus Sinn macht. Auf seiner Wunschposition als Sechser wird er allerdings wohl kaum spielen, denn da sind wir mit Boll, Daube und Funk momentan ganz gut aufgestellt.

Akaki Gogia  (20 – Mittelfeld)
Geboren am 18.01.1992 in Rustavi, GEO
Begann seine Karriere bei Hannover 96, bevor er 2004 zum VfL Wolfsburg wechselte. Obwohl er noch U19 hätte spielen können, wurde er bereits 2009 bis 2011 in der U23 der Wolfsburger eingesetzt. Mit der A-Jugend der Wölfe wurde er 2011 deutscher Meister. Er schaffte von dort den Sprung in den Profikader, wurde letzte Saison an den FC Augsburg ausgeliehen, für die er 12 Bundesligaspiele bestritt. In der Rückrunde stoppte ihn ein Außenbandanriss, sonst wären es vielleicht noch ein paar mehr geworden. Ansich hätte er noch bis 2013 einen Vertrag in Augsburg gehabt, dieser wurde jedoch am Ende der Saison aufgelöst. So konnte sich der FC für 50.000 € die Dienste des Mittelfeldmannes für ein Jahr sichern. Gogia ist ansich ein klassischer Rechtsaußen in einem 4-3-3 oder 4-2-3-1 System, kann auch den Linksaußen geben oder – in dem neuen Schubertschen 4-4-2 – die hängende Spitze hinter einem klassischen Mittelstürmer. Mit ihm haben wir uns einen Perspektivspieler gesichert, der auch in der Zwoten mitspielen kann, ohne einen Altersplatz zu blockieren. Gogia war U18-Nationalspieler (4 Einsätze) und spielte dreimal für die U19, für die er auch einmal traf. Das ist vielleicht (noch) das einzige Manko: Während er im A-Jugendbereich ein echter Knipser war (26 Treffer in 54 Spielen), hat er im Profibereich noch kein einziges Tor geschossen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Saison ist noch lang und entweder bei den Profis oder der Zwoten wird Akakis Zeit kommen, da bin ich mir sicher.

Marcel Andrijanic (19 – Mittelfeld)
Geboren am 21.10.1992 in Hamburg
Es gibt auf vimeo einen kleinen Imagespot von Nike, wo ein schmächtiger 15jähriger mal so zeigt, was man alles mit einem Fußball anstellen kann. Das war 2008. Vier Jahre später hat eben jener Junge einen Profivertrag beim FC St. Pauli unterschrieben.
Ja, ich weiß, das ist sicherlich nur einer der typischen Quotenverträge, um genug „local players“ im Kader zu haben. Ja, und sicher wird Marcel auch überwiegend in der U23 spielen. Aber man hätte ja auch dieses großartige Talent übersehen können, wie das der Verein ja ab und an gerne mal getan hat. Und wenn ich großartiges Talent schreibe, dann meine ich das auch so. 2011 hab ich ihn das erste Mal bei der A-Jugend und in der Zwoten gesehen und wenn es einer schaffen kann, sich aus diesem Pool bei den Profis durchzusetzen, dann er. Würde ja, nach Pliquett, Kalla und Daube auch mal wieder Zeit.
Marcel ist über die Umwege Germania Schnelsen und den Vorstadtkindergarten 2003 beim FC St. Pauli, wird also Ende der Saison sein 10jähriges feiern. 2011 debütierte er bei der Zwoten gegen Oststeinbek und schoß gleich ein Tor, im Jahr darauf absolvierte er 31 Partien in der RL Nord und traf fünf Mal. Marcel gehört zu einer immer seltener werdenden Gattung, für die ich Naturschutz beantragen möchte: Er ist ein klassischer ZEHNER, ein Spielmacher im zentralen Mittelfeld, für den es im 4-4-2 nur dann einen Platz gibt, wenn man mit einer Raute spielt. Ansonsten wird er nach links oder rechts ausweichen müssen. Defizite gibt es vielleicht noch im Zweikampfverhalten und manchmal wirkt er etwas phlegmatisch, aber wie gesagt, der Junge ist grad mal 19. Wie groß die Vorschußlorbeeren sind, zeigt sich vielleicht daran, daß Marcel die Rückennummer 29 trägt. Die sollte ansich nach dem Weggang von Nils Pichinot von der Zwoten nicht mehr vergeben werden, aber ich bin mir sicher, er wird sich dieser Nummer als würdig erweisen.  Los, Herr Azzouzi, übernehmen sie: dem Mann gleich nen Fünfjahresvertrag anbieten!!!

Daniel Ginczek  (21 – Sturm)
Geboren am 13.04.1991 in Arnsberg
Wenn man mit zwei Stürmern spielen möchte, braucht man Stürmer im Kader. Welch profunde Erkenntnis. Deswegen hat der FC auch vornehmlich im Angriff nachgerüstet (nach dem Sliskovic-Fiasko) und sich vor allem auch verjüngt  Dabei schien Daniel Ginczek zunächst der prädestinierte Kandidat für den Platz neben Marius Ebbers, der wohl leitwolftechnisch gesetzt sein dürfte, zu sein.
Auch wenn er beim BVB, zu dem er 2007 nach 12 Jahren bei SC Neheim stieß, nie in der ersten Mannschaft gespielt hat, so hat er gezeigt, daß er ein echter Knipser sein kann. 2008 war er Torschützenkönig der B-Jugend Bundesliga West, traf in 25 Spielen 26 mal. In der Dritten (29/6) und in der Regionalliga (37/22) war er auch ziemlich erfolgreich. Letzte Saison war er an den VfL Bochum ausgeliehen, traf in 31 Zweitligaspielen fünfmal (3 Vorlagen) und in drei DFB-Pokalspielen zweimal. Ginczek hat seit den 17jährigen alle U-Nationalmannschaften durchlaufen, kommt auf insgesamt 20 Länderspiele und sechs Tore. In den Testspielen, die ich gesehen habe, gefiel er mir richtig gut. Mit 1,91 ist er eine ziemlich wuchtige Kante, dabei aber erstaunlich fix und beweglich. So kann er nicht nur den klassischen Gomez geben, sondern auch aus der Tiefe des Raumes kommen. Sicher kann er keinen klassischen zentralen Mittelfeldspieler à la Kruse geben und so ist sein Manko vielleicht, daß er und Ebbers sich als Spielertypen relativ ähnlich sind. So ist es vielleicht erklärlich, daß er gegen Aue und Ingolstadt nur als Joker zum Einsatz gekommen ist. Aber sollte sich Ebbe mal verletzen oder gesperrt sein, so wird Daniels Zeit kommen, da bin ich mir sicher. Und er wird die Chance, sich nach vorne zu spielen, nutzen. In Punkto Vielseitigkeit und Torgefahr sehe ich ihn dann vor Mahir Saglik.

Lennart Thy  (20 – Sturm)
Geboren am 25.02.1992 in Frechen
Achte drauf, wer’s noch nicht weiß: Lennarts Nachname wird TII ausgesprochen, nicht ßAI oder THAI, da legt er Wert drauf und das ist ja auch vollkommen legitim.
In den ersten zwei Saisonspielen gab er den zweiten Stürmer neben Marius Ebbers, was daran liegen mag, daß er im Gegensatz zu Ginczek der etwas beweglichere und variablere Spieler ist. Er kann auch einen klassischen Rechsaußen geben, dann hätten wir wieder ein 4-2-3-1 mit ihm und Bartels auf den Außen und Bruns in der Zentrale. Auch Lennart hat schon bewiesen, daß er ein Knipser sein kann. 2009 war er Torschützenkönig der B-Jugend BL Nord/Nordost: 28 Tore, 10 Vorlagen in 26 Spielen. Torschützenkönig war er auch bei der U17 Europameisterschaft 2009 (3 Treffer) und darf sich Europameister nennen.
All diese Titel hat er im Trikot von Werder Bremen errungen. Von 1999 bis 2007 spielte Thy zunächst für den FC, den PSV und den JFV in Norden, dann wechselte er zur U17 an die Weser, debütierte 2009 für die U23 in der 3. Liga und in der Folgesaison auch bei den Profis. In der Bundesliga kommt er in zwei Jahren auf nur fünf torlose Einsätze, in der 3. Liga bestritt er 70 Partien und traf neun Mal.  Seit der U16 hat Lennart alle Jugend-Nationalmannschaften bis zur U20 durchlaufen, kommt auf insgesamt 43 Länderspiele (19 Tore). Ein Debüt in der U21 steht noch aus, aber auch das dürfte vielleicht noch drin sein, wenn es Lennart gelingt, beim FC St. Pauli auf sich aufmerksam zu machen. Das Potential ist auf jeden Fall da.

Nachbetrachtung – Alles fertig, oder was?
Wenn dieses Heft erscheint, ist das „Transferfenster“ bis zum Winter geschlossen, in der Zwischenzeit kann man nur noch Fußballer aus den Fängen der Agentur für Arbeit befreien. Während ich diesen Artikel schreibe, murrt so mancher nach zwei Unentschieden aus den ersten beiden Spielen bereits und schreibt, daß der Abstiegskampf bereits begonnen habe. Halte ich natürlich für groben Unfug, denn die Qualität im Kader halte ich für ausreichend, um damit nix zu tun zu haben. Ob’s denn für große Ziele reicht, wird sich allerdings zeigen müssen – ich denke, jedem (auch dem Präsidenten) sollte klar sein, daß das hier ein Übergangsjahr werden wird.
Ein wenig Bauchschmerzen hab ich mit der Rechtsverteidigerposition...ja, ich gönne Kalla, daß er endlich eine Stammposition hat, doch alles, was danach kommt, ist schon eher eine Verlegenheitslösung. Carlos Zambrano, erster Aushilfskandidat, hat schon mit seinen lustlosen Darbietungen auf dieser Position in diversen Testspielen bewiesen, daß er kein geeigneter Kandidat ist. Lieber Carlos, wenn du ein Star bist, dann sollte man dich rausholen, wenn die Kohle stimmt. Naja, gerne auch mit Verlust, denn jemanden, der vielleicht mehr Bock auf St. Pauli hat, findet man sicherlich allemal für kleines Geld. Über Wohl und Wehe in dieser Saison wird aber wohl entscheidend sein, wie man die 13 Tore und 8 Vorlagen kompensieren kann, die durch den Weggang von Max Kruse fehlen.
Daß wir mit Ebbe, Thy und Ginczek torgefährliche Leute in der Spitze haben, steht außer Frage, aber irgendwie müssen die die Murmel auch bekommen. Da muß man vielleicht noch mal gucken, ob sich nicht noch irgendwo der tödliche Pass auf dem Transfermarkt herumtreibt. Mit Marcel Andrijanic haben wir ihn vielleicht auch schon im Kader, aber solch eine Last auf dessen schmale Schultern zu legen, dafür halte ich es noch zu früh.
Aaber...jetzt mal nicht rumheulen – auch dafür ist es noch zu früh!
Nach den oben beschriebenen Chaostagen muß sich alles erst einspielen, von der Führungsetage über die sportliche Leitung bis zu dem erst relativ spät zusammengestellten Kader und dem neuen Spielsystem. Diese Chance haben alle Beteiligten verdient; Phasen des Übergangs hat jeder Verein und die hatten wir auch schon zur Genüge. Und wenn das sich denn eingerenkt hat, ist da noch viel Luft nach oben, wie weit auch immer...und wenn nicht, na ja, dann schreib ich zur Winterpause mal wieder was Neues. Bis dahin, allen Neuzugängen ein herzliches Willkommen, viel Erfolg und viel Spaß. YNWA

PS:  Christopher Avevor (20 – Abwehr)
Geboren am 11.02.1992 in Kiel
Na, wer sagt’s denn...meine Worte gelesen, noch bevor ich sie veröffentlicht habe.
Avevor, dessen Vater aus Ghana stammt, wurde von Azzouzi bereits zu Fürther Zeiten beobachtet, unterschrieb aber nach den Stationen IF und SV Eckerförde sowie der U17 von Holstein Kiel 2010 bei Hannover 96, für die er seit der U17 gespielt hatte.
Für die Niedersachsen bestritt er in zwei Jahren sechs Bundesligaspiele (kein Treffer) und spielte beim 3:1 gegen Vorskla Poltawa sogar neun Minuten Europa League.
Für die U23 von Hannover 96 kommt er in zwei Jahren auf 30 Regionalligaspiele (er bestritt letztes Jahr beide Spiele gegen die Zwote, im Hinspiel wurde er zur Halbzeit eingewechselt), ebenfalls ohne Treffer. Sieben gelbe Karten und kein Platzverweis ist eine solide Bilanz und deutlich besser als die von Zambrano.
Avevor hat also nicht den „junge-hungrige-Talente-aus-der Region“-Bonus, er kann auch neben dem Innenverteidiger den rechten Mann in der Viererkette geben. Sowohl Trainer als auch Sportchef sind davon überzeugt, daß der Neue der Mannschaft sofort helfen kann, was in erster Linie wohl heißt, daß er eine Alternative zu Kalla darstellt.
International hat er seit 2009 alle Nationalmannschaften von der U18 bis zur U20 durchlaufen, kommt auf insgesamt 10 Länderspiele.
Halte ich erst mal für sinnvoll angelegtes Geld...zumal er, wenn er in der ersten Mannschaft nicht gebraucht wird, sicher der Zwoten in der Regionalliga helfen kann ohne einen Altersplatz zu besetzen, was ich nicht schädlich finde.
Auch dir, Christopher, natürlich ein herzliches Willkommen und alles Gute  //Fuisligo

SO...
und das ist jetzt nur ein Nachtrag für meine Internetseite:
Scheiß Transferfenster...da denkt man, man ist auch mit den Nachträgen und Nachverpflichtungen durch und dann kömmt dann so was:
Zwei Testspieler am vorletzten Tag des offenen Fensters, von denen wird einer genommen und denn gibt’s auch noch das Überraschungspaket: 

Jean-Claude Gyau (19 – Mittelfeld)
Geboren am 16.09.1992 in Tampa, Florida, USA
Da ist unserem Funktionsteam doch was aufgefallen: 
Ja, wir haben ein Defizit an Linksfüßlern und wenn man ein 4-4-2 spielen möchte, sollte man vielleicht davon ein paar mehr haben für die linke Mittelfeldseite.
Gyau, mit Pässen der USA und Ghana ausgestattet, begann seine Karriere beim FC DELCO, einer Art Fußballakademie, wechselte dann zu den Bethseda Roadrunners, bevor er den Sprung über den Teich wagte.  Dieser Sprung führte ihn im Juli 2010 zur U19 der TSG Hoffenheim, ein halbes Jahr später debütierte er bei der U23 und kam in den Profikader (wohl eher als Quoten-Ausgebildeter), denn ein Erstligaspiel blieb ihm in seinen zwei Saisons bisher verwehrt.
Bei der 1/4 Final Pokalniederlage der Hoffenheimer gegen Greuther Fürth am 08.02.12 konnte er erst- und einmalig Profiluft schnuppern, ansonsten durfte er nur in der zweiten Mannschaft ran, in der Regionalliga Süd. 2010/11 waren es sieben,  in der Saison 2011/12 22 mit zwei Toren.  Das ist, angesichts unserer bisherigen Torflaute, gelinde gesagt nicht wirklich torgefährlich, obwohl er’s doch kann.
Gyau ist aktueller Nationalspieler der U23 der USA (4 LS/ 0 Tore), für die U20 hat er in zwei Länderspielen dreimal getroffen. Prognostiziert ist er vielleicht eher einer, der die U23 verstärken wird, um Spielpraxis zu bekommen, um dann im Falle eines Falles (falls sich Bruns verletzt oder weiter so neben sich steht) in den Profikader zu rücken. Dort wird sein Platz wohl zunächst der auf der Bank sein, denn als Bruns Back-Up sehe ich den anderen Neuen:

Christopher Buchtmann (20 – Mittelfeld)
Geboren am 25.04.1992 in Minden
Ein Zehner, ein Zehner!!!
Nenene, liebe Leute, bloß weil einer die Nummer zehn bekommt, muß er noch lange kein Zehner sein, also ein klassischer zentraler Mittelfeldspieler, als den die BLOND ihn beschrieb und schon von Systemänderung schrieb. Ja, ich gestehe, ich bin auch drauf reingefallen. Buchtmanns Platz ist aber im linken Mittelfeld; hilfsweise könnte er auch den Linksverteidiger geben.
Trotz seiner jungen Jahre hat Buchtmann bereits eine bewegte Karriere hinter sich:
Von der Jugend von Hannover 96, dem BVB und der HSG Blau Weiß Tündern ging es 2008 ins Fußballinternat des FC Liverpool, ein Jahr später das Debüt bei den Reserves (vergleichbar unserer Zwoten), ein Jahr später zu den FC Fulham Reserves und zu Beginn der Saison 2010/11 dann die Verpflichtung durch den 1. FC Köln.
In zwei Jahren kam er allerdings nur auf zwei Kurzeinsätzen in der ersten Mannschaft für jeweils 20 Minuten und beide Spiele gingen 1:4 verloren (was aber sicher nicht seine Schuld war). Wenn er spielen durfte, dann zumeist in der U23 in der RL West: insgesamt 30 Spiele und zwei Tore in zwei Saisons sind allerdings auch keine berauschende Bilanz (vor allem die zwei Tore) , aber gut, wenn man auf der Bank der ersten Mannschaft verschimmelt, kann man natürlich nicht zeitgleich für die Zweite auflaufen, insofern ist das vielleicht erklärlich.
Seit der U15  hat Buchtmann alle Jugendnationalmannschaften bis zur U20 durchlaufen, kommt auf inzwischen 27 Jugendnationalspiele (6 Tore), darf sich U17 Europameister nennen (u.a. in Gesellschaft von Marc André ter Stegen, Mario Götze und Lennart Thy). Mit der U17 des BVB wurde er 2008 zudem deutsche B-Jugend Meister.
Buchtmann sehe ich als erste Wahl, wenn Bruns denn mal verletzt ist oder weiter so schwächelt wie zuletzt. 


So, das war’s dann jetzt wirklich:
Der Kader wurde definitiv verkleinert!!!
13 Abgänge – 12 Zugänge.
Was er in erster Linie wurde, er wurde verjüngt; die Abgänge waren im Schnitt 24, 9 Jahre alt, die Zugänge sind 22,2 und das trotz solch „alter Säcke“ wie Kringe, Mohr und Gonther...eine echte Rasselbande, die sich unser Übungsleiter da zusammengestellt hat. Mit Verlaub, das ist keine Aufstiegsmannschaft – das ist ein Wechsel auf die Zukunft.
Da denn bitte:  
Walk on
Walk on
With hope in your hearts
!!!

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