Sonntag, 9. Dezember 2012

heute ein könig


FC Erzgebirge Aue

6 Spiele
1 Sieg
2 Unentschieden
3 Niederlagen
11:12 Tore

Die Erzgebirgler sind ein putziges Völkchen und Aue ist ein putziger Verein. Bei der leid- und wechselvollen Geschichte des Vereins, der sich allein schon in den Namenswechseln ausdrückt, ist es nicht erstaunlich, wie tief der Verein in der Region bei den Menschen verwurzelt ist. In diesem Fall sei der Begriff DIE REGION mal positiv verwendet. So ein bisschen wie Schalke und Bochum, nur sächsisch.
Ein Verein aus dem allertiefsten Osten des Ostens – ohne jegliche Hohlegans-Problematik scheinbar und vor allem, wenn man mit braun-weißem Outfit oder Totenkopf-Puzenpulli durchs Erzgebirge schlendert, wird man nicht angefeindet, sondern in der Regel in ‚ner Kneipe zu einem Bier eingeladen.
Wie bei den beiden letztgenannten Vereinen liegen die goldenen Jahre auch schon lange zurück: 1955, 56, 57 und 59 holten die Erzgerbirgler jeweils die DDR-Meisterschaft, 1990 als 13. in der letzten Vorwendesaison gelang nur der Sprung in die NOFV-Oberliga, bzw die Regionalliga Nordost.

Namensänderungen des FC Erzgebirge:

1948
BSG Pneumatik Aue
1950
BSG Zentra Wismut Aue
1951
BSG Wismut Aue
1951
Zentrag Wismut Aue
1954
SC Wismut Karl Marx Stadt
1963
BSG Wismut Aue
1990
FC Wismut Aue
1993
FC Erzgebirge Aue

Seit 1996 bestimmte der Mäzen Uwe Leonhardt mit seinen Brüdern und Firmen als Präsident und Hauptsponsor quasi im Alleingang die Geschicke des Vereins. Unter seiner Regie gelang 2003 der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo sich Aue bis 2008 halten konnte. Aus dieser Saison datieren auch die ersten beiden Partien gegen den FC St. Pauli. 2008 ging es für das Erzgebirge zwei Jahre in die dritte Liga, 2009 trat Leonhart von seinen Ämtern zurück, sitzt noch im Aufsichtsrat (sein Bruder im Ehrenrat), engagiert sich noch als Premium-Sponsor, aber nicht mehr an vorderster Front. 2011 war das Erzgebirge wieder zurück in Liga zwei, mit der klaren Zielsetzung: Klassenerhalt und Konsolidierung. Beides gelang, der Verein rettete sich mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz 15 und ist inzwischen schuldenfrei.
Zu beidem hat der FC St. Pauli mitgeholfen.
Gut, das schuldenfrei sein hat viel mit klugem Wirtschaften zu tun (bösartige Zungen behaupten ja sowieso, in Sachsen würden die klügsten Köpfe Deutschlands wohnen), aber sicherlich war es finanziell hilfreich, daß der Drittligist im DFB Pokal zwei Spiele austragen konnte. Stephan Flauder war damals der Held, der im Elfmeterschießen in der ersten Runde einen Strafstoß von Marius Ebbers gehalten hatte, so St. Pauli das Erstrundenaus und Aue eine Partie gegen Werder Bremen bescherte.
Und zu den 35 Punkten, die Aue letztes Jahr zum Klassenerhalt reichten, hat St. Pauli immerhin sechs Punkte beigetragen, die uns dann am Ende zum Aufstieg fehlten.
Vielleicht mögen uns die Erzgebirgler deshalb so gerne, weil im Zweifelsfall immer was gegen uns zu holen ist. Vom einzigen Sieg gegen Aue, dem 4:2 vom Mai 2008 sind nur noch Bruns und Boll im Kader; Timo Schultz steht inzwischen an der Außenlinie (er erzielte damals den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1). Das Spiel war eine der Sternstunden von Charles Takyi: 1:1 vorbereitet, das 2:2 selbst gemacht und im Mittelfeld genial Regie geführt (die anderen zwei Tore erzielten damals Schnitzler und Rothenbach). Das Pendant zu Schulle (oder Boll) aus Aue, der Albaner Skerdilaid Curri hat inzwischen mit 37 Jahren seine Karriere vor dieser Saison beendet und steht nach 10 Jahren bei den Veilchen nur noch als Stand-By-Profi zur Verfügung; der hatte damals das zwischenzeitliche 1:2 erzielt. Besonders freuen dürfte sich, wenn er denn wieder fit ist, auch Ronny König auf den FC St. Pauli...die ziemlich trübe Nullnummer im Hinspiel war eine Ausnahme, denn wenn Herr König gegen St. Pauli auf dem Platz steht, dann trifft er gefühlt in jedem Spiel gegen uns. So war es in der letzten Saison in beiden Spielen.
Das Hinspiel am Millerntor war nahezu eine Lehrstunde für Konterfußball:  Ebbers markierte in der 20 Minute das 1:0, St. Pauli spielte munter aber erfolglos auf den zweiten Treffer und in der 60. (König) und 69. (Kempe) brachten uns die Auer eiskalt in Rückstand, erhöhten in der 84. Minute, als Mike Könnecke quasi unsere ganze Abwehr austanzte, sogar noch auf 1:3. Das 2:3 durch Saglik in der Nachspielzeit war dann nur noch Makulatur. Auch im Rückspiel im Erzgebirge ging St. Pauli zunächst durch Florian Bruns in Führung (21.). Das war eines der ersten Spiele, in denen ich die Taktik von Trainer Schubert nicht verstanden habe. Zambrano gelb vorbelastet, Thorandt gelb vorbelastet und das schon relativ früh, agierten beide am Randes des Platzverweises und spielten nur noch mit gebremstem Schaum. Der Trainer ließ beide bis zum Schluss drin. Der Ausgleich durch Ronny König (55.) war eine logische Konsequenz. St. Pauli stürmte, scheiterte entweder am Keeper oder der eigenen Unfähigkeit und wieder war es ein Konter, der in der Nachspielzeit zu einem Freistoß führte. Curri führte aus, Kern verwandelte per Kopf, weil die Innenverteidiger nicht konsequent hingingen. Aus die Maus!!!
Gut, wenn wir Glück haben, dann sind Kern und König immer noch verletzt; die Auer haben sowieso momentan mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Aber ihre beiden besten Torschützen Jan Hochscheidt und Jakub Sylvestr sind leider gesund und in sofern heißt es aufpassen, denn die Mannschaft ist immer ekelig zu spielen und dieses Jahr ist es leider nicht Aufstiegsaspirant gegen Abstiegskandidat.
Verbindungen zwischen dem FC St. Pauli und den Erzgebirglern gibt es nicht so viele:
Eric Agyemang, von 1999 bis 2000 in unsere U19 und U23, trug von 2008 bis 2010 das Veilchentrikot. Kvicha Shubitidze spielte von 2002 bis 2005 für Aue, bevor er für eine Saison ans Millerntor wechselte. Von 93 bis 97 spielte Moudachirou Amadou im Erzgebirge und 2001 bis 2003 für uns. Das war’s denn aber auch schon, was die gemeinsamen Spieler anbelangt. An Gemeinsamkeiten sollte reichen, dass wir diesmal beide im unteren Tabellenmittelfeld rumdümpeln und in diesem Falle würde ich mir mal ausnahmsweise keine Geschenke an die Veilchen aus dem tiefen Sachsen wünschen. Trotz all meiner Sympathien für die Zwerge hinter den Bergen...soo doll mag ich Aue denn auch nicht. Aber das Nette ist ja, falls sie die Klasse halten und wir nicht aufsteigen, sieht man sich auch 2013 wieder. Und auch die Hutzelmännchen sind nicht nachtragend, wenn wir diesmal die Punkte behalten; das weiß ich  // fuisligo


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