Mittwoch, 23. Juli 2008

Ab in den Süden


Laßt es mich so formulieren...ich bin ja im Nachhinein froh, daß ich noch den Rappel bekommen habe und gegen Cuba in Hamburg war, denn ansich wollte ich meine Saison mit dem Schwörmontagsspiel in Ulm beginnen.
Der Schwörmontag in Ulm...eine traditionsbehaftete Veranstaltung; seit 1397 muß das Stadtoberhaupt um 11 Uhr Rechenschaft ablegen über das vergangene Jahr, seine Pläne für das kommende Jahr vorstellen und danach den Eid auf die Stadtverfassung abgeben.
“Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne Vorbehalte“ (stellt euch solche Worte mal aus dem Munde von Cornelius L. vor).  In Ulm ist an diesem Tag die Stadt quasi dicht (in mehrerlei Hinsicht) und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als würden die Ulmer diese ansich ja politische Veranstaltung nur als Anlaß für ein großangelegtes Betrinktnis nehmen.
Der Schwörfeier folgt dann um 16 Uhr das sogenannte Nabada, was so viel heißt wie Hinunterbaden, eine Art Karnevalsumzug auf der Donau...fiel dieses Jahr leider wegen Hochwasser und zu großer Strömung auf der Donau aus; dem folgt dann das Hockete, was man mit gemütlichem Beisammensitzen übersetzen kann...wer dabei an das Schlußbild eines jeden Asterix-Comicbandes denkt, liegt gar nicht soo verkehrt.
Tradition hat auch das sogenannte Schwörmontagsspiel, mit dem der SSV Ulm 1848 quasi seine Saison beginnt und zu dem generell hochkarätige Gegner eingeladen werden; so waren schon der VfB  Stuttgart, FC Bayern oder Panathinaikos Athen zu Gast.
Diesmal trat also der FC St. Pauli an...Ulm konnte die Regionalliga nur mit einer 300.000 oi Spritze von der Stadt wuppen und so war das quasi auch als eine Art Retterspiel angekündigt – naja gut, so wir gerettet wurden, retten wir halt diesmal selber (die haben sogar auch eine Rasenpatenschaft in Ulm...also, wer in Hamburg keinen Garten hat, hier gibt es für 100 € eine Grillparzelle, für 150 sogar im Sechzehner).
Tja, was soll ich sagen...der Tag war lustig bis zum Betreten des Stadions; unsere Fahne wehte ím Biergarten und wir brachten sogar die frostige Kellnerin zum Lächeln.
Die Ulmer Schüssel, wenn sich dort nur ca. 3.500 Menschen tummeln, ist ein ziemlich trostloser Ort... was denken sich Veranstalter eigentlich...als Einpeitscher hatten die Ulmer einen Sangesmann namens „Buddy“ engagiert, der 2003 mal mit „ab in den Süden“ angeblich mal einen Sommerhit hatte – in der Halbzeitpause durfte die preiswerte DJ Ötzi Kopie nochmals ran, um dann alles an vorher nicht schon dagewesener Stimmung zu töten.  Wären da nicht die Kiddys gewesen, die sich unter der Fahne von Edelstoff München versammelt hatten und bierbeseelt (ein Einheimischer rief sogar die Polizei in den Block, weil ihm aufgefallen war, daß dort Jugendliche unter 18 Bier in der Öffentlichkeit tranken) sämtliche USP-Gesänge nachgrölten, so wäre das Ganze eher zu einer Art Begräbnisfeier verkommen – die anwesenden USP-ler fühlten sich scheinbar nicht zu Sangesleistungen fähig, machten sich eher sogar lustig über die Anfeuerungen.
Aber gut, besser war’s auch...behalten wir lieber Cuba in Erinnerung, denn das Spiel in Ulm war eher eine Paderborneske (wobei diesmal Paddy Borger ein Guter war, in der Masse der Blinden ein Einäugiger) – der Entschuldigungen gibt es sicher viele...dicke Beine, schwere Köpfe, nur ein Test, was weiß ich.  Hat aber keinen Spaß gemacht, sondern eher Sorgen – die Jugend-forscht-Truppe, die gegen Cuba noch in der zweiten Halbzeit teilweise begeisterte, blieb diesmal in der ersten blaß; Sako machte zwar seine Kiste, stapfte ansonsten allerdings eher hilflos wie der Storch durch den Salat und in der zweiten Halbzeit wurde es mit arrivierten Kräften wie Goofy, Trojan, Bruns, Ebbers und Schnitzel auch nicht besser.  Hoffen wir mal, daß es nach dem Trainingslager in der Schweiz alles besser wird.

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