Samstag, 30. November 2013

Kein Scherz über den Dom




1. FC Köln
27 Spiele
4 Siege
6 Unentschieden
17 Niederlagen
27:47 Tore


Wehmut umfasst mich...der 29.04.1978 – ich war 12 Jahre alt und schaute abends alleine die Sportschau – Schwarz-Weiß-Fernsehen, damals noch.
Der 1. FC Köln war designierter deutscher Meister, führte vor den punktgleichen Gladbachern mit einer um 10 Toren besseren Differenz.
Die Dortmunder, seit je her als faire Sportsleute bekannt, lassen sich bis zur Halbzeit sechs Dinger einschenken in einem wahren Slapstick-Spiel...die Kunde verbreitet sich nach Bahrenfeld, ins Volxparkstadion, wo der FC St. Pauli als feststehender Absteiger sein letztes „Heimspiel“ gegen Kölle absolviert.  0:1 steht es dort zur albzeitH^HHHHHalbzeit.  Nach der Pause begannen auch die Anhänger des FC, die Kölner anzufeuern...ein skuriles Spiel und ein Rennen um Tore:  Gladbach gewann 12:0 in Dortmund, Kölle legte in der 2. Halbzeit noch vier Dinger nach, gewann 5:0 gegen St. Pauli und war Deutscher Meister 1977/78. Das war das erste Mal, daß ich wissentlich mit dem FC St. Pauli in Berührung gekommen bin, als Kind auf’m platten Land.
Ja, liebe Kölner, bitte etwas Dankbarkeit. Hatten wir nicht mal eine Fanfreundschaft seit 1978 – Wikipedia schreibt, die wäre seit den 90’ern etwas in Vergessenheit geraten. Ja, liebe Kölner, denn während wir in den folgenden Jahren mit Konkurs und all so ‚nem Kram zu tun hatten, habt ihr euch weiter in der Sonne getummelt...denn bis in die 90er musstet ihr euch noch nie mit dem Thema ABSTIEG befassen, was euch denn zum 50-jährigen Jubiläum ereilt hat.
ABER, auch wenn die Liebe zum FC St. Pauli vielleicht bei einigen Kölnern erkaltet sein dürfte...eine Reise nach Hamburg ans Millerntor lohnt sich ansich immer, Nein, ich meine nicht, daß unser Dom viel schöner ist und auf dem Kiez sowieso immer Karneval: Punktetechnnisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als Kölner mit leeren Händen nach Hause fährt, sehr gering und tendiert in der 2. Liga sogar gen Null.  Von 13 Heimspielen gegen den 1. FC Köln hat St. Pauli nur zwei gewonnen und beides waren Siege in der 1. Bundesliga.
Am 31. Spieltag 1990/91 trafen Kocian (14.) und Zander (58.) zum 2:0. Damals im Tor bei den Kölner, Nationaltorwart Bodo Illgner, Pierre Littbarski spielte noch, wurde jedoch abgemeldet von einem Herren namens André Trulsen, der nach dieser Saison selber in die Domstadt wechseln sollte. Das war im Übrigen im neunten Spiel der erste Sieg des FC St. Pauli gegen den FC Kölle. 1989 hatte es in Köln immerhin zum ersten Punkt gereicht, als Leo Manzi in der 84. Minute das 1:1 erzielte.
ZWANZIG Jahre sollten fast vergehen bis zum nächsten Sieg des FC gegen die Domstädter am Millerntor, oder nennen wir es besser, das Spiel FC St. Pauli gegen Michael Rensing. 30:3 Torschüsse und nur Rensing war es zu verdanken, daß es beim 3:0 blieb. Der Rest der Kölner Mannschaft war ansich nur körperlich anwesend.  Charles Takyi machte vielleicht sein bestes Spiel (sein bestes Bundesliga-Spiel auf alle Fälle) und erzielte zwei Tore (30. und 36.), auch Asamoah hatte einen Sahnetag mit seinen zwei Torvorlagen. Das 3:0 war dann ein geschenkter Elfmeter nach einem Allerweltsfoul an Bartels, den Bruns verwandelte (76.). Das war dann die kurze  trügerische Phase der Glückseligkeit, zwei Unentschieden (Freiburg und Hoffenheim), nach dem Sieg gegen Köln noch ein 3:1 gegen Gladbach und das 1:0 in Mordor, bevor der Absturz kam, der uns ligentechnisch von den Kölnern wieder trennte.
Für die Kölner kam dann der Abstieg ein Jahr später, der fünfte seit 1998. Länger als zwei Jahre am Stück waren die Kölner noch nie in der zweiten Liga, also heißt auch dieses Jahr das Ziel wieder mal Wiederaufstieg. Das Spiel am Millerntor ist in sofern auch ein wenig richtungsweisend: Gewinnen die Kölner das erste der zwei Duelle, gelingt auch wieder der Sprung zurück in die erste Liga und das war vor allem immer der Fall, wenn das Hinspiel am Millerntor stattfand.
Nach dem Abstieg 1998 ging das erste Duell der Kölner gegen St. Pauli in Müngersdorf in der 2. Liga 1:4 verloren in einer fulminanten ersten Halbzeit; Mason (19.), Chmielewski (20.), Marin (29.) und Scherz (45.) brachten St. Pauli in Führung, Vucevic erzielte mit dem Pausenpfiff den Anschlusstreffer. Am Ende reichte es für Köln nur zu Platz 10, einen Platz hinter St. Pauli. Ein Jahr drauf: Köln siegt 2:1 am Millerntor (vor 13.300 Zuschauern!!!), gewinnt das Rückspiel mit 6:3 und steigt am Ende souverän auf.  2002/2003, nachdem wir beide gemeinsam aus der Bundesliga abgestiegen sind: Köln gewinnt am Millerntor 3:2 mit drei Toren von Matthias Scherz, gewinnt auch das Rückspiel in Köln 2:1 und steigt erneut wieder auf. Danach ist erst mal Duell-Sendepause, weil wir uns in der Regionalliga tummeln müssen.
2007/08 sind wir wieder da, Köln gewinnt das Hinspiel am Millerntor 2:0, wobei der verlorene Sohn Patrick Helmes das 1:0 erzielt – das Rückspiel wird zwar nur ein 1:1, aber auch in diesem Jahr steht am Ende die Rückkehr ins Oberhaus für die Kölner.
Und letzte Saison:  Hinspiel in Köln, ein komisches Gefühl – da stehen der Stani und der Truller an der Seitenlinie, aber auf Kölner Seite – die Kölner sind diesmal die drückend Überlegenen, diesmal heißt die Partie „alle gegen Tschauner“. Gefühlt 30 oder mehr Torschüsse für die Geißböcke...auf St. Paulis Seiten kann ich mich nur an zwei oder so erinnern. Am Ende stand eine für St. Pauli glückliche Nullnummer, im Rückspiel gab es eine 0:1 Niederlage für uns, für die Kölner am Ende Platz 5 und den Rücktritt von Holger Stanislawski als Trainer der Kölner. 27 Pflichtspiele haben wir gegen Köln absolvieren müssen...an den letzten 18 war Holger Stanislawski beteiligt, als Spieler oder Trainer für St. Pauli, zuletzt als Trainer in Köln. An 22 von 27 Spielen seit 1988 war André Trulsen Mitwirkendener, auch auf beiden Seiten. Beide werden, denke ich, sicher im Stadion sein und auf beiden Seiten werden sicher Menschen denken „die fehlen mir ein wenig, die beiden“. Vielleicht denkt das Matze Lehmann, Stanis „Quarterback“ aus St. Pauli Zeiten, der nach einem relativ erfolglosen Jahr in Frankfurt so langsam wieder zu alter Stärke zurück findet, aber seit seinem Weggang von St. Pauli kein Tor mehr geschossen hat und ich hoffe, das bleibt denn auch so nach dem Spiel, auch wenn ich ihm ansonsten alles erdenklich Gute wünsche.
Vielleicht denkt das auch Thomas Kessler, Stammtorhüter 2010/11 bei uns...auch wieder so eine Geschichte mit sportlich verbessert; seit seinem Abgang bei uns 4 Ligaspiele für Eintracht Frankfurt und eines für den 1. FC Köln, gegen Ingolstadt letzte Saison. Aber gut, so schafft man es wenigstens in den Gesellschaftsteil der Zeitung mit den vier Buchstaben. Auf unserer Seite werden zwei Akteure im Kader oder auf’m Platz stehen, die eine Kölner Vergangenheit mitbringen: Florian Kringe und Christopher Buchtmann, beide bereits Mitglieder der Post-Trullislawski-Ära. Nur noch vier Spieler auf unseren Seiten hatten mit Stani als Trainer zusammengearbeitet (Thorandt, Boll, Kalla und Daube). Bei den Kölnern sind es noch 17 Akteure.
Vielleicht sind ja noch zwei alte Kämpen im Stadion, die bei uns groß geworden sind, aber ihre besten Jahre doch in der Domstadt hatten: Christian Springer und Matthias Scherz, Mittelfeld-Ikonen in den 90ern bei uns und gerade Matthias brachte es in Köln auch zu Kultstatus: 18 Tore in der Saison 02/03, 11 Treffer 04/05 waren seine maßgeblichen Beiträge zum jeweiligen Wiederaufstieg der Domstädter in die erste Liga. Gut, die Kölner Seele vergisst recht schnell. Nach dem Scherz war der Poldi die Lichtgestalt und nun ist es der Patrick, St. Pauli Anhängern in erster Linie dadurch bekannt, daß er in den letzten zwei Jahren regelmäßig unserer U23 in der Regionalliga den einen oder anderen Treffer eingeschenkt hat bei seinen Darbietungen für Wolfsburgs Zweitverwertung. Wir wollen mal hoffen, dass sich das an diesem Tag gegen die erste Mannschaft anders darstellt.  //Fuisligo



                       FC St. Pauli            1. FC Köln              
Rachid Azzouzi         Seit 2012 (Sp.Dir.)     1988 - 1989

Holger Stanislawski    1993 – 2004
                       2006 – 2011 (Tr.)       2012 – 2013 (Tr.)

André Trulsen          1986 – 1991             1991 - 1993
                       1994 – 2002             2012 - 2013 (tr.)
                       2004 – 2005
                       2006 – 2011 (Tr.)

Klaus-Peter Nemet      1994 – 1997 (Tr.)
                       2005 – 2011 (Tr.)       2012 – 2013 (Tr.)
 
Matthias Lehmann       2009 - 2011             Seit 2012

Thomas Kessler         2010 - 2011             2004 - 2010
                                               seit 2012

Matthias Scherz        1994 - 1999             1999 - 2009
 
Christopher Buchtmann  Seit 2012               2010 - 2012
 
Christian Rahn         1994 - 2002             2004 – 2006

Christian Springer     1994 - 1998             1998 - 2006

Marius Ebbers          2008 - 2013             2003 - 2005

Florian Kringe         Seit 2012               2002 - 2004

Wolfgang John          1976                    1970 - 1971

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