Mittwoch, 2. November 2011

Reif für eine Premiere


SG Dynamo Dresden

4 Spiele
kein Sieg
2 Unentschieden
2 Niederlagen
4:8 Tore

Vier Spiele erst? Ich wollte es selbst kaum glauben, hatten wir doch gegen Rostock schon 16 zu bestreiten. Aber gut, ist so. Die Dresdner, Wanderer zwischen den Ligen genau wie wir in den letzten zwanzig Jahren, waren immer genau dort, wo wir nicht waren. Vor 1990 kann es – logischerweise – keine Ligaspiele gegen die Dynamos gegeben haben, denn den Verein gibt es erst seit 1953 als Nachfolger der SG Deutsche Volkspolizei Dresden, der im April 1950 die Konkursmasse der SG Dresden Friedrichstadt übernahm. Der war wiederum Nachfolger des Dresdener SC, immerhin deutscher Meister 1943 und 44 sowie Pokalsieger 1940 und 41 (wie auch immer man solche Erfolge in Kriegszeiten bewerten möchte), der nach dem Krieg aufgelöst worden war. Die Dresdener stiegen 1991 in die Bundesliga auf, da waren wir gerade abgestiegen und sie stiegen 1995 wieder ab, als wir wieder aufstiegen. Für die Dresdener ging es gleich zwei Etagen nach unten. Der damalige Präsident Rolf-Jürgen Otto, einer der Archetypen des Besserwessis, hatte den Verein gründlichst an die Wand gefahren. Schon in der Vorsaison hatte es vier Punkte Abzug wegen Lizenzerschleichung gegeben, nun waren 10 Millionen DM Schulden einfach zu viel. 2000 ging es für den Verein sogar in die Oberliga runter. Doch der Verein bekrabbelte sich, stieg 2002 wieder in die Regionalliga auf, in die St. Pauli 2003 abstieg. So kam es dann zu den ersten zwei Duellen: Das Hinspiel am Millerntor endete 2:2. Zwei Tore von Festus Agu besorgten die Führung in der ersten Halbzeit, ehe Hauke Brückner in der 70. Minute ein Eigentor unterlief. Den Ausgleich erzielte ausgerechnet Christian Fröhlich, der in der Vorsaison noch für uns gespielt hatte, in der 83. Minute per Foulelfmeter im Nachschuss. Das Rückspiel gewannen die Dynamos dann 1:0 durch ein Tor von Jovanovic (90.). Und am Ende der Saison stiegen sie in die zweite Bundesliga auf. Nach zwei Jahren war da allerdings Schluss und so kam es 2006/07 zu den nächsten zwei Duellen. Beim Hinspiel, diesmal in Elbflorenz, war mal wieder nix für uns zu holen. 3:0 gewannen die Dynamos, wobei die ersten zwei Tore ein gewisser Alexander Ludwig schoss (42. und 45. per Elfmeter). Den dritten Treffer erzielte Vorbeck in der 83. Minute. Die Herren Morena und Rothenbach können sich vielleicht noch an diese Partie erinnern. Das Rückspiel war der vorletzte Spieltag. St. Pauli brauchte noch einen Punkt zum sicheren Aufstieg in die zweite Liga, Dresden hatte auch noch eine minimale rechnerische Chance. Es wurde das 2:2, das St. Pauli reichte. Takyi traf in der 14. Minute per Elfmeter und Rothenbach in der 83. Minute. Pavel David konnte die Führung jeweils egalisieren (45. / 90.). 15.300 Zuschauer feierten im Littmann-Loch und Millionen wahrscheinlich so wie ich vor dem Liveticker der Basis St. Pauli, der wegen permanenter Überlastung andauernd abkackte. Im Stadion erwarben sich die Dynamo-Fans den Respekt fast aller für ihren unermüdlichen, lautstarken und fairen Support; nach dem Spiel war’s denn leider wieder vorbei. Randale an der Feldstraße, die üblichen Scheiß St. Pauli Rufe, Wasserwerfer überschatteten die Aufstiegsfeierlichkeiten des FC. 2008 gelang auch den Dresdnern der Aufstieg, in die zwischenzeitlich eingeführte dritte Liga allerdings. Und in der letzten Saison schafften sie nach einem Herzschlagfinale der Sprung in die Relegation, wo man den VfL Osnabrück ins Tal der Tränen schoss und sich so die Zweitklassigkeit sicherte. Nun sind sie also wieder da, die Dynamos, reisen diesmal ohne eigene Fans an, allerdings mit einem guten alten Bekannten im Gepäck: Filip Trojan ist auch einer jener Spieler, der sich nach seinen guten Leistungen beim FC zu Höherem berufen fühlte (Felix Luz, Matze Lehmann, etc) und dessen Ambitionen dann scheiterten. Trojan ist nur einer von sechs Spielern, die für beide Vereine die Stiefel schnürten.


St. Pauli
Dynamo Dresden
Christian Fröhlich
07.02 – 07.03
07.03. – 07.06
Alexander Ludwig
07.07 – 07.09
07.05 – 06.07
Nico Patschinski
07.00 – 07.03
01.99 – 06.99
Rico Hanke
07.03 – 06.05
07.93 – 06.00
Dirk Zander
07.86 – 06.91
07.93 – 06.94
07.91 – 06.93
Filip Trojan
07.07 – 06.09
Seit 07.11

Allerdings wollen wir nicht die Historie vergessen, denn es waren auch viele Spieler vom alten SC, die St. Pauli seine größte Zeit nach dem Krieg bescherten, welche im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft 1948 gipfelte. Im Kader des FC, angelockt von den Fleischpaketen der Millerschen Schlachterei, standen 1947 gleich fünf ehemalige Dresdner: Heinz Hempel, Fritz Machate, Walter Dzur, Heinz Köpping und Heinz Schaffer…nicht zu vergessen der Mann mit der Mütze, Helmut Schön, der spätere Weltmeistertrainer von 1974. Auch der war 1947/48 kurz für den FC aufgelaufen, doch packte ihn nach wenigen Spielen (dokumentiert sind drei) das Heimweh und er kehrte nach Dresden zurück. Trainer der Wunderelf war von 1945 bis 1948 – wie sollte es auch anders sein – mit Hans Sauerwein ebenfalls ein Ex-Dresdner, der erste lizensierte Fußballlehrer des FC.  Apropos Trainer; wir haben noch einen St. Paulianer mit Dynamo Vergangenheit: Nachdem Helmut Langnase Schulte im Februar 91 beim FC entlassen worden war, übernahm er im Juli die SG, schaffte mit ihr zwar den Klassenerhalt, trat dann allerdings aufgrund des unprofessionellen Umfeldes in Dresden nach nur einer Saison zurück. Professionell ist das Umfeld der Dynamos inzwischen sicherlich, was leider nicht für das Fangebahren gilt. 

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