Dienstag, 22. Mai 2018

ZWEI BRÜDER IM GEISTE



Ich hatte ja für die 120 zusammen mit dem damaligen Torwarttrainer Jörn Steffen zusammen einen Artikel verfasst, in dem die 3. Herren des FCSTP vorgestellt wurden, die sich damals in der Bezirksliga Süd tummelten, inzwischen in der Bezirksliga West angesiedelt sind.
Als ich die Kaderliste zusammengeschrieben habe, sind mir zwei Spieler aufgefallen, die beide von demselben Verein ans Millerntor (bzw die Feldarena) gewechselt sind.
Ist ja an sich nichts Besonderes...hieße der Verein nicht TSV Phönix Lomersheim.
Der spielt in der Bezirksliga Enz/Murr, was tiefstes Baden-Württemberg ist.
Das kann an sich kein Zufall sein, und so habe ich mal angefragt, ob es denn eine Geschichte dazu gibt und ob die beiden mir diese erzählen möchten.
Sven Kamptmann (29) wechselte 2011 aus BaWü zu St. Pauli, Roman Kasper (30), kam ein Jahr später.
Mittlerweile schnüren die beiden für die V. Herren in der Kreisklasse 7 die Stiefel, wo man auf dem 2. Tabellenplatz steht; außerdem hat die Mannschaft das Achtelfinale im Holstenpokal erreicht. IRGENDWIE ist das Interview nie veröffentlicht worden...deswegen hole ich das jetzt mit ziemlicher verspätung nach


F:  Wie kommt man vom TSV Phönix Lomersheim zum FC St. Pauli? hat Sven Roman quasi nachgeholt?
Sven:  Von Mühlacker nach Hamburg ging es für mich aufgrund meines Master-Studiums. Natürlich wollte ich meiner Leidenschaft Fußball auch weiterhin nachgehen. Wenn man dann in eine Stadt wie Hamburg kommt, dann schaut man natürlich auch beim FC St. Pauli, ob es dort Amateurmannschaften gibt. Die Saison war leider noch mitten im Gange, weshalb  ich erst zur Vorbereitung 2011/2012 ein Probetraining absolvieren durfte. Da konnte ich die Verantwortlichen glücklicherweise gleich überzeugen und bin dem FCSP seitdem auch immer treu geblieben.
Als ich dann hörte, dass Roman auch nach Hamburg kommt, habe ich ihn mir gleich zur Seite genommen und ihn dazu gebracht mit mir bei der Dritten anzufangen.
Roman: Bei mir ging das alles sehr fix nach meinem Umzug nach Hamburg. Habe am 03.10.2012 Sven und dem FC St. Pauli III gegen den SC Condor zugeschaut, was in der ersten Woche nach meinem Umzug war. Anschließend bin ich dann mit Kamptmann und weiteren Mitspielern auf den Kiez gezogen. Ein überragender Abend mit super Jungs, danach war klar mit denen will ich kicken. Eine Woche später wollte ich dann mit Sven und dem damaligen Keeper Thorbjörn Stäcker am Wochenende etwas unternehmen, diese mussten jedoch zuerst die Banden für das Blindenturnier aufbauen. Dann bin ich da einfach mit und habe geholfen. Der Trainer der dritten Herren fragte ob ich ein Fussballer sei und so kam eins zum Anderen: Die Woche darauf war ich im Training und auch schon bald aufgenommen. Da ich zu Beginn noch nicht spielberechtigt war durfte ich erst im Januar 2013 auch bei Spielen eingreifen.
F:  Gab es auch andere Angebote oder habt ihr bewusst den Kontakt zu St. Pauli gesucht?  
Sven: Angebote gab es nicht. Nachdem ich mir im Internet einige Informationen über verschiedene Bezirksligamannschaften angeschaut habe, habe ich mich letztendlich aus gutem Grund für den FCSP entschieden. Man weiß ja nicht erst seit kurzem, dass dieser Verein etwas Besonderes ist. Fans, Mannschaft, Stadion, Kultur – da passt einfach alles zusammen. Wenn man dann noch das erste Mal im braun-weißen Trikot aufläuft, da bekommt man schon Gänsehaut – ein geiles Gefühl.
Roman: Wenn man als Süddeutscher nach Hamburg zieht steht man nicht unbedingt auf den Zetteln der Hamburger Vereine. Daher gab es auch keine Anfragen von anderen Clubs. Wie ich vorhin schon erwähnt habe, kam mein Kontakt zum FC St. Pauli durch Sven Kamptmann zustande. Mein erster Berührungspunkt war aber durch einen damaligen Studienkollegen. Dieser ist ein richtiger St. Pauli Verrückter, im positiven Sinne, und hat während unseres Studiums im Jahr 2010 ein Praktikum in der Geschäftsstelle vom FC St. Pauli gemacht und parallel bei den Fünften Herren des FC St. Pauli gespielt. Als ich ihn im Winter 2010 in Hamburg besucht hatte, habe ich ein Spiel von ihm an der Feldstraße angeschaut und muss sagen das hat mich schon sehr beeindruckt. Im Nacken das Millerntor auf der anderen Seite bunte Lichter des Doms und dann für die Boys in Brown aufzulaufen, da dachte ich schon wie geil muss das sein.


F:  Ist es etwas Besonderes, für den FC St. Pauli zu spielen?  
Sven:  Definitiv. Jeder, der sich ein bisschen mit dieser Sportart auskennt, kennt den FC St. Pauli und das Vereinssymbol, den Totenkopf. Immer wenn man Leuten erzählt, dass man bei der Fünften bzw. damals Dritten spielt, sagen die Leute: „Wow, das ist ja geil“. Zudem lebe ich mittlerweile auch seit 4 Jahren hier im Viertel, daher ist die Verbundenheit natürlich gewachsen bzw. hat sich mittlerweile gefestigt.
Roman:  Es ist Woche für Woche etwas Besonderes für diesen Verein zu spielen. Wobei sich meine Wahrnehmung auch verändert hat. Zu Beginn war es richtig geil für den FC St. Pauli zu spielen, der einen Kultstatus besitzt und auch für gewisse Werte steht. Nun ist es so, dass man in dem Viertel heimisch geworden ist und dieses, die Leute hier schätzt, selbst zu den Heimspielen vom FC St. Pauli geht und schon eine gewisse Zeit aktiv im Verein spielt. Es steckt nun viel mehr Herzblut drin, da man diesen Verein lieben gelernt hat.


F:  Roman, von dir ist zu lesen, dass du bekennender Fan des KSC bist (fanreport.com) - Sven, wie schaut es bei dir aus?
Sven:  Ich bin - seitdem ich 5 Jahre alt bin - bekennender Borussia Dortmund Fan. Die damaligen Farben einer Kreisligamannschaft, deren Spiel ich mit meinem Vater angeschaut habe, waren schwarz-geld. Da habe ich meinen Vater gefragt, welcher Verein in der Bundesliga auch eine solch coole Farbkombination hat. Damit war alles klar ☺.
Roman: Ja der KSC ist immer noch in meinem Herzen. Stark fand ich, dass beim Relegationsspiel das ganze Viertel hinter meinem Verein stand. Die Gründe dafür kennen wir. Leider mit schlechtem Ausgang.


F:  Wart ihr seit ihr für den FC St. Pauli spielt schon mal Anfeindungen ausgesetzt?
und wie sieht es in der neuen Liga aus.
Sven:  Nein, nicht wirklich. Insgesamt habe ich in den 4 Jahren meist faire Spiele erlebt. Es fällt natürlich mal die eine oder andere Beleidigung, aber da muss man drüber hinwegsehen. Für mich gehören Schlägereien, Spielabbrüche, Bedrohungen und dergleichen nicht in den Fußball. Es handelt sich ja immer noch um unser Hobby, das uns Spaß machen soll.
In der neuen Liga gibt es bis dato nichts Bemerkenswertes. Die Mannschaften in unserer Liga sind sehr fair. Ich hoffe natürlich, dass das so bleibt.
Roman:  Es gab schon Spiele bei denen man Beschimpfungen ausgesetzt war, aber nicht so, dass es irgendwelche schlimmen Ausmaße annahm. Wenn man irgendwo außerhalb Hamburgs spielt, fällt schon öfter „nur der HSV“. Das muss man mit einem Augenzwinkern entgegennehmen. In der momentanen Liga habe ich bisher nichts Erwähnenswertes erlebt. Die Gegner sind sehr fair. Dass auf dem Platz mal nicht immer alles Frieden, Freude, Eierkuchen ist, ist klar. Aber nach dem Spiel sollte man sich die Hand geben, das ist für mich das Wichtigste.


F:  Ihr seid beide vor der Saison mit vielen Spielern von der III. zur Fünften gewechselt; wie kam das zustande?
Sven: Das war eine interne Entscheidung, die ich nicht vertiefen möchte. Klar ist, dass mittlerweile viele Spieler, mit denen ich bereits bei der Dritten zusammengespielt habe, wieder mit im Team sind. Die Stimmung ist der Wahnsinn, man versteht sich gut. Auch auf dem Platz sind wir eine geile Truppe, die spielerisch erste Sahne ist.
Roman:  Aus diversen Gründen haben einige Spieler der damaligen dritten Herren einen Wechsel ins Auge gefasst. Da all diese sehr eng verbunden waren und noch sind, haben wir uns überlegt, dass wir weiterhin gern für den FC St. Pauli zusammen spielen würden und dann nahm der Wechsel in die Fünfte seinen Lauf.


F:  Ihr habt mit Altenwerder II die Mannschaft aus dem Holsten-Pokal geworfen habt, die zuvor die III. Herren besiegt hatten. Was haben eure ehemaligen Mitspieler der dritten Herren dazu gesagt?
Sven: Ich habe nichts vernehmen können. Bei der Dritten spielen aktuell nicht mehr viele Spieler, die ich kenne. Ich denke aber, die werden das auch wahrgenommen haben und nicht schlecht gestaunt haben.
Roman:  Da bei den dritten Herren eine großes Kommen und Gehen stattfand, gibt es nur noch wenige Spieler mit denen wir noch zusammengespielt haben, daher kam auch nichts aus dem Kreis dieses Teams zu unserem Erfolg.
Man muss sagen, das war schon eine super Partie von uns. Haben über 90 Minuten Tempofussball gezeigt und den Gegner an die Wand gespielt. Altenwerder war keine „Gurkentruppe“ doch an diesem Tag haben wir sie einfach nicht entfalten lassen und ihre Fehler eiskalt bestraft.


F:  die V. Herren ist gerade erst im “Leistungsfußball” angekommen, nach dem “Aufstieg” von den Unteren Herren...wo soll die Reise hingehen?
Sven:  Für mich steht der Spaß eindeutig im Vordergrund – ich muss mich mit den Leuten gut verstehen, die Motivation muss bei allen passen, man muss mit Spaß ins Training bzw. Spiel gehen.
Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn wir weiterhin oben mitspielen können. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden, das haben die ersten Spiele gezeigt. Ich bin aber kein Freund davon zu sagen „Wir müssen aufsteigen“. Wir müssen einfach warten, was die Saison bringt, da man auch immer mal wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wird.

Roman:  Nach den bereits gespielten Partien kann man erkennen, dass mit dieser Truppe einiges möglich ist. Natürlich würden wir gerne den aktuellen Platz gern behalten und aufsteigen, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Es ist gerade mal ein Drittel der Saison vorbei und es warten noch schwere Spiele auf uns. Nichtdestotrotz bin ich mit der Entwicklung der Mannschaft sehr zufrieden. Man muss sehen, dass einige Spieler in den letzten Jahren noch untere Herren gespielt haben, die machen sich wirklich gut. Zudem wurde der Kader durch viele Spieler von der „alten Dritten Herren“ ergänzt. Die Integration dieser Spieler verlief echt super. Man hat auf und neben dem Platz ein echt starkes Team. Es macht einfach Spaß hier zu spielen. Anm.: Roman Kasper wird die Mannschaft nach der Saison 2018 berufsbedingt verlassen müssen.

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