Donnerstag, 14. Juni 2012

FRANKREICH



FIFA-Weltrangliste
16.
UEFA-Koeffizient (Platz)
5.
EM-Titel
1984 / 2000
EM-Teilnahmen bisher
1960 / 1984 / 1992 / 1996 / 2000 / 2004 / 2008
EM-Qualifikation
Sieger der Gruppe D
Rekordspieler
Lilian Thuram (142)
Rekordtorschütze
Thierry Henry (51)
EM-Bilanz gg GER
Noch keine Spiele

Die Equipe Tricolore oder auch Les Bleus ist eine Wundertüte oder auch eine Forrest Gumpsche Pralinenschachtel...man weiß nie so recht, was man bekommt.
Schon immer hat Frankreich begnadete Fußballer hervorgebracht, vor allem in der Offensive, erinnert sei hier nur an den großen Eric Cantona.
Doch nur selten wurde aus diesem Haufen hervorragender Individualisten auch ein starkes Kollektiv, das in der Lage war, mit den ganz großen Nationen mitzuhalten.
Und bis in die 50er Jahre hinein hatten die Franzosen noch keinen „echten“ Nationaltrainer, sondern die Mannschaft wurde von einem Auswahlkomitee zusammen gestellt, das aus bis zu acht Mitgliedern bestand.
Vielleicht kann man aber auch sagen, neben dem oben genannten, daß die Erfolge der Equipe Tricolore dann am größten waren, wenn sich alle Franzosen als Teil der Nation begriffen und im Gegenzug auch die Nation auch alle Bewohner des Landes als Franzosen einschloß, was nicht immer der Fall war.
Aber anders als z.B. in den Niederlanden gab es im französischen Fußballverband in den Anfangsjahren keinen latenten Rassismus, Frankreich war und ist ein Einwanderungsland und je mehr es sich dazu bekannte und desto besser die Integration der Migranten erfolgt, desto besser erging es auch Les Bleus.
Bereits in der ersten Blüte des fanzösischen Fußballs in den 20ern / 30ern gab es viele Nationalspieler, die in Frankreichs nordafrikanischen Besitzungen aufgewachsen waren; 1931 gab es mit Raoul Diagne den ersten dunkelhäutigen Nationalspieler, dem bis zum zweiten Weltkrieg weitere folgten.
In den späten Dreißigern bestimmten ungarische, österreichische und spanische Immigranten das Bild der Nationalmannschaft; nach dem Krieg waren es polnische Einwandererkinder wie Raymond Kopa oder Maryan Wisnieski oder der in Marokko geborene Just Fontaine, Torschützenkönig bei der WM 1958 mit 13 Treffern.
Der dritte Platz bei der WM in Schweden blieb denn auch für lange Zeit der größte Erfolg der Franzosen. Die Endrunde im eigenen Land bei der ersten EM sollte eine Krönung darstellen, doch Kopa, Fontaine und Cisowski waren im Halbfinale verletzt und Les Bleus unterlagen im Halbfinale gegen die Plawi, die anderen Blauen aus Jugoslawien mit 4:5 und danach auch das Spiel um Platz drei mit 0:2 gegen die CSSR.
Die Jugoslawen galten als „Bête Noire“, als schwarze Bestie, weil man sie gern die entscheidenen Spiele in Qualifikationen verlor. Zwar schalteten die Franzosen die Bestie in der Quali zur WM 1966 aus – gegen Mexiko (1:1), Uruguay (1:2) und England (0:2) gelang kein Sieg und so es nach der Vorrunde schon wieder rüber über’n Kanal.
Alle drei Spiele in der Vorrunde bestritt im Übrigen Jean Djorkaeff, Sohn eines nach der russischen Revolution emigrierten kalmückischen Kosaken. Jean sollte Frankreich in 24 seiner 48 Spiele für die Equipe als Kapitän auf’s Feld führen und später als Trainer beim FC Grenoble wirken, wo er unter anderen auch seinen Sohn trainierte.
Nach der WM 1966 sollte Frankreich kein internationales Turnier mehr erreichen, acht Nationaltrainer versuchten sich in kurzen Intervallen an verschiedenen Spielsystemen,
aber irgendwie lief Frankreich der Entwicklung des Fußballs immer ein wenig hinterher.
Die WM 1978 war das erste große Turnier, für das sich Frankreich wieder qualifizieren konnte. Dort gab es zwei knappe 1:2 Niederlagen gegen Italien und Argentinien  - ein 3:1 Sieg gegen Ungarn am letzten Spieltag reichte nur zu Platz 3 und zum Aus in der Vorrunde. Jenes letzte Spiel gegen die Ungarn bot allerdings ein Kuriosum. Die Franzosen standen da in weißen Trikots und blauen Hosen, die Ungarn in weißen Hemden und roten Hosen...leider befinden wir uns noch in Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens und der Schiedsrichter wies die Franzosen an, Ersatztrikots anzuziehen.
die hatten leider keine dabei, so wurden von einem argentinischen Zweitligisten grün-weiß längsgestreifte Trikots beschafft, die die Franzosen nun zu tragen hatten.
Schon damals bildete sich so was wie eine neue Generation heraus; zwar ging die Qualifikation zur EM 1980 an die CSSR, doch 1982 waren die Franzosen bei der WM wieder dabei und kamen bis ins Halbfinale; dort war gegen die Deutschen im Elfmeterschießen Schluß. Jenes Spiel wird auf ewig seinen bitteren Beigeschmack behalten durch das Foul von Toni Schuhmacher an Battiston und dem üblen Spruch mit den Jacketkronen hinterher.
Mit Marius Tresor hatte die Nationalmannschaft Frankreichs im Übrigen ihren ersten dunkelhäutigen Mannschaftskapitän.
1984 paßte dann endlich alles...die Spieler der Bleus um Platini Tigana und Giresse waren auf dem Höhepunkt ihres Könnens UND das Turnier fand auch noch im Heimatland statt.  1:0 gewann man gegen Dänemark, 5:0 gegen Belgien (immerhin Zweiter von 1980) und 3:2 gegen das Schwarze Biest.
Im Halbfinale holten die Franzosen zweimal einen Rückstand gegen Portugal auf und gewannen 3:2 – im Finale gegen Spanien siegten sie 2:0.
Bösartige Zungen sollten später behaupten: wenn die Franzosen ein Turnier gewinnen, dann nur im eigenen Land.
1986 sollten dann wieder die Deutschen Endstation im Halbfinale einer WM sein, diesmal ohne Jacketkronen und ohne Elfmeterschießen; die Franzosen wurden Dritter nach einem 4:2 in der Verlängerung gegen Belgien.
Doch die alten Helden waren müde, Trainer Michel Hidalgo war ebenso zurückgetreten wie es die meisten seiner Spieler nach der WM 86 taten und wieder sollte es zehn Jahre dauern, bis eine neue Generation heranwuchs.
1996 bei der Euro kamen die Franzosen bis ins Halbfinale, das sei erst nach Elfmeterschießen gegen Tschechien verloren, doch zwei Jahre später gelang der große Wurf und die Franzosen wurden Weltmeister.
Böse Zungen unkten, die Franzosen hätten das Turnier nicht gewonnen, wenn es nicht im eigenen Land stattgefunden hätte – de Facto war der Weg auch nicht der allerschwerste: in der Vorrunde hießen Südafrika (3:0), Saudi-Arabien (4:0) und Dänemark (2:1) die Gegner – im Achtelfinale gab es ein mühevolles 1:0 gegen Paraguay, im Viertelfinale ein 4:3 nach Elfmeterschießen gegen Italien und im Halbfinale ein ebenfalls mühevolles 2:1 gegen Kroatiien.
Doch das 3:0 im Finale gegen den haushohen Favoriten Brasilien (auch wenn es immer noch die Gerüchte gibt über das, was man Ronaldo in den Tee getan hatte) war eine eindrucksvolle Demonstration und vielleicht das Spiel, das den Weltruhm des Zinedine Zidane begründete...vielleicht sein bestes Spiel ever.
Ein Großteil der Weltmeistermannschaft war bereits 1996 zusammen gewesen, neu hingegen war vor allem der Sturm mit den zwei 21 jährigen Thierry Henry und David Trezeguet; Henry wurde mit drei Treffern bester Torschütze der Equipe.
 Daß die Franzosen es auch anders können, zeigten sie zwei Jahre bei der EM in Belgien und den Niederlanden: erstmals wurde ein amtierender Weltmeister auch Europameister und erstmals gewannen die Franzosen ein Turier außerhalb des eigenen Landes.
Neun Spieler des Finales von 1998 standen auch in der Anfangsformation des Finales 2000 – das goldene Tor im Finale erzielte David Trezeguet.
Gerade in der Stunde des größten Erfolges brach in Frankreich eine Diskussion über die Zusammensetzung der Nationalmannschaft aus. Viele der Spieler hatten Wurzeln in den ehemaligen Kolonien oder in Frankreichs überseeischen Besitzungen.
So bürgerte sich ab 1998 anstatt der Bezeichnung bleu-blanc-rouge für die Farben der Tricolore die Bezeichnung black-blanc-beur (Schwarze, Weiße, Maghrebiner) für die Equipe ein und Jean Marie Le Pen von der rechtspopulistischen Front National behauptete, die Mehrheit der französischen Nation könne sich in dieser Mannschaft nicht mehr wiedererkennen.
Dieser Satz fiel allerdings 2006, als die Equipe Tricolore trotz des zweiten Platzes bei der WM in Deutschland bereits wieder auf dem absteigenden Ast.
2003 gewann Frankreich noch den Confed-Cup – in Frankreich, im Jahr zuvor war die Mannschaft allerdings bei der WM in der Vorrunde sieg- und torlos ausgeschieden.
2004 reichte es noch bis ins Viertelfinale, weil vor allem Zinedine Zidane den Spaß am Fußball wiedergefunden hatte; den verlor dieser im Finale der WM 2006.
Mit Raymond Domenech betreute seit 2004 erstmals ein Einwandererkind (sein Vater floh als Katalane aus Franco-Spanien) die Equipe; er gilt gemeinhin als Versager, auch wenn das eine gefühlte Meinung ist, denn von seinen Ergebnissen ansich her ist seine Bilanz positiv, nur hatte er weder die Ausstrahlung, noch das Glück, noch die Qualität des Personals seiner Vorgänger Jacquet und Lemerre.
Schon bei dem Gewinn der Vizeweltmeisterschaft wurde gemeckert, er halte zu lange an altem Personal, dann wurde seine Taktik mit einem Stürmer kritisiert und all das kumulierte in dem Konflikt zwischen Disziplin und Kreativität.
Aber bei der EM 2008 war schon nach der Vorrunde Schluß (Rumänien 0:0 – Niederlande 1:4 – Italien 0:2) und zur WM 2010 fuhr das Team nur durch das nach einem Treffer gegen Irland, bei dem zuvor Thierry Henry den Ball absichtlich mit der Hand mitgenommen hatte...alle hatten es gesehen, nur der Schiri nicht.
Bei der WM wurden die Franzosen dann verdient Gruppenletzter in der Vorrunde -  spielten gegen Uruguay 0:0, verloren gegen Mexiko 0:2 und gegen Südafrika 1:2.
Das Turnier wurde zu einer wahren Witzveranstaltung für die Equipe: erst kritisierte Trainer Domenech den Stürmer Anelka für dessen mangelnde taktische Disziplin; als er seine Kritik in der Pause des Mexiko-Spiels wiederholte, beleidigte Anelka seinen Trainer, wurde zunächst ausgewechselt und dann aus dem Kader geworfen. Ein Teil der Spieler weigerte sich daraufhin, vor dem abschließenden Gruppenspiel unter Domenech weiter zu trainieren und blieb beim Abschlusstraining einfach im Bus sitzen.
Der Trainer verzichtete auf die „Rädelsführer“, schied aus und war am Ende vom Lied der große Verlierer...mit Laurent Blanc übernahm nur einer der Helden von 1998 das Amt des Nationaltrainers – der Kader ist gerührt, nicht geschüttelt (nur vier Spieler im Kader, die nach Blancs Amtsantritt in der Equipe debütierten) – allerdings waren Les Bleus vor der EM seit 22 Länderspielen ungeschlagen.
Wundertüte halt.   

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