Sonntag, 3. Juni 2012

PORTUGAL


PORTUGAL


FIFA-Weltrangliste
5.
UEFA-Koeffizient (Platz)
6.
EM-Titel
Keiner
EM-Teilnahmen
1984 / 1996 / 2000 / 2004 / 2008
EM-Qualifikation
Play-Offs gegen Bosnien-Herzegowina:  0:0 und 6:2
Rekordspieler
Luis Figo (127)
Rekordtorschütze
Pauleta (47)
EM-Bilanz gg GER
1984:  0:0 (Vorrunde)
2000:  3:0 (Vorrunde)
2008:  2:3 (Viertelfinale)

Die Musik Brasiliens ist der fröhliche Samba; die Musik Argentiniens ist der schwungvolle Tango – die Musik Portugals ist der Fado.
Lieder des Fado (abgeleitet von Fatum = Schicksal, göttlicher Wille) handeln von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen, vergangenen schönen Zeiten oder der Sehnsucht nach besseren Zeiten.
Die Musik passt auch wie Arsch auf Eimer zum portugiesischen Fußball der Nationalmannschaft...immer wieder brachte man großartige Fußballer hervor, die mit ihren Vereinsmannschaften Titel gewannen, aber für die Nationalmannschaft reichte es nie zum ganz großen Wurf...vor allem, weil die Portugiesen zwar unglaublich schönen Fußball spielen und mit großen Offensivkräften gesegnet waren und sind, sie es aber nie gleichzeitig zu wirklich vier guten Abwehrspielern und zu guten Torleuten gebracht haben und weil die Offensiven über dem schönen Spiel auch mal gerne das Tore schießen vergessen haben.
Die Portugiesen wurden insgesamt 7 mal Europameister und 2 mal Weltmeister, leider immer nur im Juniorenbereich – im Erwachsenenbereich stehen 5 WM Teilnahmen zu Buche und 5 Teilnahmen an der EM.
Die erste WM Teilnahme war zugleich eine massive Überraschung – 1966 kegelten die Portugiesen den amtierenden Weltmeister Brasilien in der Vorrunde aus dem Turnier.
Im Viertelfinale trafen die Künstler denn auf die Roboter aus Nordkorea und alles sah nach einer weiteren Sensation aus: nach 25 Minuten führten die Koreaner bereits 3:0, aber dann drehte Portugals Superstar Eusebio das Spiel quasi im Alleingang, schoß vier Tore und bereitete das fünfte vor.
Daß ein Eusebio nicht genug ist, merkte man im Halbfinale gegen England, als er von Nobby Stiles in Manndeckung genommen wurde und er nur ein Elfmetertor erzielen konnte. Immerhin sprang für den WM Debütanten der dritte Platz heraus.
Aber danach war lange Funkstille in Portugals Fußball, bis 1984.
Dann gaben die Portugiesen ihr EM Debüt, kickten wieder mal den Titelverteidiger aus dem Rennen (Deutschland – quasi das Nordkorea des Turniers mit 10 Briegels und einem Rummenigge) und schafften es ins Halbfinale.
Und wieder hatten sie das Pech, auf den Gastgeber zu treffen, der zufällig auch die beste Turniermannschaft war.  Bis zur 114. Minute lagen die Portugiesen noch vorne, dann schossen die Franzosen noch zwei Tore.
1986 gelang nochmals eine Qualifikation für eine WM, doch da war bereits in der Vorrunde Schluß sein – zu einer WM fuhr Portugal erst 2002 wieder.
Zu einer EM reichte es bereits 1996 wieder, wo erstmals ein Teil jener Spieler auflief, die man als GOLDENE GENERATION (jene Spieler, die zwischen 1969 und 1974 geboren wurden) Portugals bezeichnete.
1989 war Portugal U 20 Weltmeister geworden mit Fernando Couto, Paulo Sousa, Antonio Folha und Joao Pinto – 1991 gelang das selbe Kunststück im eigenen Land erneut; Joao Pinto war erneut dabei, doch kamen solche Namen wie Rui Costa, Jorge Costa, Rui Bento, Abel Xavier und Capucho dazu und natürlich der alles überstrahlende
LUIS FILIPE MADEIRA CAEIRO FIGO, dessen stets etwas traurig drein blickende Dackelaugen den Fado in Portugals Fußball wohl mehr repräsentieren als irgendetwas anderes. Luis Figo ist der einzige Fußballer, dem ich es verzeihe, für zwei Scheißvereine wie Real Madrid und Inter Mailand gespielt zu haben.
Die Fußballkunst eines Riesen, leider dazu verdammt, in einem Land voller Zwerge spielen zu müssen – denn es ist das tragische an jener goldenen Generation, daß sie es als Erwachsene nie schafften, was sie als Jugendliche versprochen hatten.
1996 war im Viertelfinale gegen den späteren Vize Tschechien Schluß; 2000 war es wieder mal Frankreich und das Halbfinale – nach einem denkwürdigen Vorrundenspiel gegen Deutschland, in dem Sergio Conceicao Erich Ribbecks Trainertätigkeit für die Nationalmannschaft zum Glück beendete.
zum tragischen Helden avancierte der hässliche Abel Xavier – damals galt noch diese dämliche Golden Goal Regel (oder war es das Silver Goal?): erst scheiterte er kurz vor Schluß mit einem Kopfball, dann sprang ihm der Ball im eigenen Strafraum an die Hand und Schiri Benkö gab Elfmeter. Zidane verwandelte in der 117. Minute, Frankreich wurde Europameister und mehrere Portugiesen wurden nach diesem Spiel für mehrere Monate gesperrt (darunter auch Xavier), weil sie den Schiri nach dieser Entscheidung tätlich angegangen hatten...Schiri Benkö wurde im Übrigen zum Schiedsrichter des Turniers gewählt und Zidane zum besten Spieler...Honi soit qui mal y pense.
2002 bei der WM, war dann schon in der Vorrunde Schluß...so langsam verabschiedete sich die goldene Generation und das, was danach kam, war zwar gut, aber nicht mehr so gut – ein 4:0 gegen Polen mit drei Treffern von Pauleta (und einem von Rui Costa), aber ein 2:3 gegen die USA und ein 0:1 gegen Südkorea, einem der hässlichsten Spiele des Turniers – sechs gelbe Karten, eine gelb-rote (Beto) und eine rote (Joao Pinto).
2004 fand die EM in Portugal statt – es sollte die Krönung der goldenen Generation werden...wenn nicht hier, wo dann, so wie 1991 bei den Junioren -  zumal nach den sieben Spielern aus jener goldenen Generation, die noch bei dem Turnier dabei waren,  eine neue nachgewachsen zu sein schien. Zu den Hoffnungsträgern zählte erstmals auch jener Wunderknabe von der Insel Madeira, der ein Jahr zuvor von Sporting Lissabon für 17,5 Mio € zu Manchester United gewechselt war und dort die schwere Hypothek der Rückennummer 7 bekam, die zuvor George Best, Bryan Robson, Eric Cantona und David Beckham getragen hatten.
Die Portugiesen hatten sich vor allem mit Luiz Felipe Scolari, dem brasilianischen Weltmeistertrainer von 2002 verstärkt, um die Mission Titelgewinn anzugehen.
Aber gleich im ersten Gruppenspiel gab es einen Dämpfer, als man gegen die als Fallobst eingeschätzten Griechen mit 1:2 verlor – Ronaldo wurde eingewechselt und machte den Anschlusstreffer – gegen Russland gelang ein 2:0 Sieg und gegen Spanien ein 1:0 Zittererfolg. Viertelfinale, England der Gegner.
Ein Abend für Helden...diesmal hießen die Helden (welch Wortspiel) Helder Postiga und Ricardo. Postiga glich die Führung von Owen kurz vor Schluß aus und rettete Portugal so in die Verlängerung. Ricardo, Torwart von Sporting, schmiß erst seine Handschuhe weg, hielt erst den Elfer von Darius Vassel, um dann den entscheidenden Strafstoß selbst zu verwandeln und Portugal so das Halbfinale zu bescheren.
Dort mussten die Niederländer mit 1:2 dran glauben. Das Ergebnis liest sich knapper als es war, denn hätte Jorge Andrade nicht mit einem Eigentor den Anschlusstreffer für Oranje erzielt, wären die nie auf die Anzeigetafel gekommen und zweitens: hätte auch nur irgendein Portugiese mal eines der Zuspiele von Luis Fußballgott Figo verwandelt, der an diesem Abend die Niederländer allein spielerisch zerlegte, dann wäre das Ergebnis zweistellig geworden.
Damit stand die beste Mannschaft des Turniers im Finale und das Schicksal wollte es, daß der Gegner wieder die Griechen waren. Alles bereit für die große Revanche. Aber die Portugiesen wären nicht die Portugiesen und der Fado nicht der Fado, wenn das nicht in die Hose gegangen wäre. Zehn Portugiesen rannten aufopferungsvoll gegen die Mauermänner von der Akropolis an und Christiano Ronaldo spielte auch mit.
Natürlich machten die Griechen das einzige Tor und stürzten so das Land und die ganze goldene Generation in tiefste Trauer.
2006 reichte es bei der WM noch zum Halbfinale, wobei die Partie im Achtelfinale gegen die Niederlande WM Geschichte schrieb: 16 gelbe Karten und vier Platzverweise verteilte der vollkommen überforderte Schiri Iwanov. Im Viertelfinale hielt Ricardo mal wieder Elfmeter gegen England (drei waren es diesmal – WM-Rekord ebenfalls) und im Halbfinale war mal wieder Frankreich Endstation.
Nach dem verlorenen Spiel um Platz drei trat mit Luis Figo der letzte Akteur der klassischen goldenen Generation zurück, gesenkten Hauptes und mit traurigen Augen, woraufhin in Lissabon an diesem Abend etwa 250.000 neue Fado-Strophen geschrieben wurden. Wenn Fado auf von dem Hoffen auf eine bessere Zukunft erzählt, dann sollte in einigen Strophen auch der teuerste Fußballer der Welt vorkommen.
Das ist eine neue Generation und mit Christiano Ronaldo im Verhältnis zu Luis Figo ist es wohl in etwa so wie mit Schwedens Zlatan Ibrahimovic im Vergleich zu Henke!!!
Über 90 Länderspiele hat der 100 Millionen Euro Mann Christiano Ronaldo inzwischen schon auf dem Buckel...man soll es kaum glauben, er ist erst 27 Jahre alt.
Genau wie Lukas Podolski im Übrigen, mit dem ihn außerdem die Tatsache verbindet, daß er sich in Interviews nicht gerade als der Allerhellste im Kopf präsentiert.
Was Ronaldo von Poldi unterscheidet: Poldi hat 13 Länderspieltore mehr geschossen und spielt immer dann gut, wenn er statt der Ziege den Adler auf der Brust trägt.
Ronaldo spielt irgendwie immer dann besonders gut, wenn es um viel Geld geht.
Acht Treffer in der Qualifikation zur EM 2008, nur eines beim Turnier.
Auch bei der WM 2010 spielte der Superstar nicht wie ein Superstar, wieder nur ein Turniertreffer beim 7:0 Kantersieg gegen Nordkorea und aus im Achtelfinale.
In der Quali zur EM belegte Portugal nur den zweiten Platz hinter Dänemark (gegen die es in der Vorrunde erneut geht), Ronaldo kam mal wieder auf 7 Tore und auf zwei in den Play-Offs gegen Bosnien-Herzegowina.
Nun sollte er vielleicht mal die Verkaufszahlen seiner Biographie „DER NEUE FUßBALLGOTT“ (erschienen 2009) in Portugal mal ein wenig puschen und für die Neuauflage das Kapitel „Titel mit der Nationalmannschaft“ hinzufügen.
Doch wahrscheinlich ist, trotz aller Lautsprecherei und dem extrovertierten Gehabe, Ronaldo auch ein Mann des Fado – und wenn er in irgendeinem Spiel bei der EM wieder einen Elfmeter versemmeln wird, dann werden auch für ihn in den Spelunken Lissabons neue traurige Strophen für diese Gesangsform gedichtet.
Und sie werden weiter warten, in Portugal...

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