Freitag, 8. Juni 2012

SCHLAND


DEUTSCHLAND



FIFA-Weltrangliste
2.
UEFA-Koeffizient (Platz)
3.
EM-Titel
1972 / 1980 / 1996
EM-Teilnahmen bisher
1972 / 1976 / 1980 / 1984 / 1988 / 1992 / 1996 / 2000 / 2004 / 2008
EM-Qualifikation
Sieger der Gruppe A
Rekordspieler
Lothar Matthäus (150)
Rekordtorschütze
Gerd Müller (68)

Also arithmetisch gesehen könnte man sagen: Deutschland wird Europameister, weil 1980 plus 16 gleich 1996; 1996 plus 16 gleich 2012.
Dran wären wir ja wieder mal, oder nicht?
Wir sind die erfolgreichste Mannschaft bei der EM – bei 10 Teilnahmen drei Titel und drei Finalteilnahmen, eine Halbfinalteilnahme, aber irgendwie ist die EM immer noch das fußballerische Stiefkind der Deutschen.
Sepp Herberger, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, das sind Trainerlegenden!!!
Daß die Europameister von 1972 die wohl beste deutsche Mannschaft aller Zeiten war, interessierte nach dem Titelgewinn zwei Jahre später bei der WM im eigenen Land keine Sau mehr; die wenigsten verbinden mit Helmut Schön den EM Titel.
Schön ist der einzige deutsche Trainer, dem bislang der Gewinn beider Titel gelang.
Er war auch der erste Trainer, der die EM ernst nahm, denn die ersten zwei Turniere 1960 und 1964 fanden ohne deutsche Beteiligung statt, weil Sepp Herberger das Turnier beim Aufbau seiner WM-Mannschaft störte.
Wobei man zur Ehrenrettung Herbergers sagen muß, daß bis 1963 in Deutschland vor Einführung der Bundesliga ansich keine professionellen Strukuren vorhanden waren und der Bundestrainer theoretisch 20 Spieler aus 5 Oberligen mit je 16 bis 18 Vereinen sichten musste, um seine Spieler zu finden. Da hatte es Schön denn einfacher, denn danach wurde es usus, nur Spieler aus der Bundesliga zu sichten und zu nominieren.
Helmut Schön ist allerdings auch der einzige deutsche Bundestrainer, der mit seiner Mannschaft jemals die Qualifikation für ein Endturnier verpasste.
1968 war’s, Deutschland war in einer Dreiergruppe mit Jugoslawien und Albanien, schlug beide Nationen daheim (3:1 und 6:0), verlor allerdings in Jugoslawien mit 0:2.
Naja, nicht weiter wichtig, die Jugos gewannen in Albanien 2:0, hatten damit 8:3 Tore und 6:2 Punkte – Deutschland hatte 4:2 Punkte und das bessere Torverhältnis von 9:2, als die Mannschaft in Tirana zum letzten Spiel antrat. Mußte also nur ein 1:0 her...ein Törchen...gegen ALBANIEN!!! Also ALBANIEN!!!
Es gelang nicht – 17.12.1967 – 0:0 und Deutschland war raus.
Am 20.11.1983 gab es beinahe ein Deja Vu...wieder EM Quali, wieder Deutschland zwei Punkte hinter dem Gruppenersten, aber mit der besseren Tordifferenz, wieder hieß der Gegner im letzten Gruppenspiel Albanien, diesmal Spielort Saarbrücken.
In der 23. Minute gingen die Albaner in Führung und das Grauen setzte ein. Rummenigge konnte im Gegenzug ausgleichen, doch es dauerte bis zur 79. Minuten, ehe Gerd Strack die Deutschen erlöste und das 2:1 schoß.
Böses Vorzeichen, denn für die erfolgsverwöhnten Deutschen, die dreimal in Folge das Finale der Euro erreicht hatten, war 1984 schon nach der Vorrunde zurück.
Der Trainer damals war Jupp Derwall, nach der Schmach von Cordoba Nachfolger des großen Helmut Schön – ein Mann, der viele Rekorde hält.
Derwall hat mit 0,656 den höchsten Anteil Siege pro Spiel, nach seinem Amtsantritt verlor die deutsche Nationalmannschaft 23 Spiele in Folge nicht (die längste Serie eines Bundestrainers), erreichte bei dieser Serie 12 Siege in Folge (ebenfalls die längste Serie eines Bundestrainers) und er ist der einzige Bundestrainer, dem gleich bei seinem ersten großen Turnier ein Titelgewinn gelang: Das war bei der EM 1980 in Rom.
Bei der WM 1982 in Spanien wurde Derwalls Truppe Vizeweltmeister.
Trotz alledem nörgelten und meckerten alle an seiner Leistung herum, was vor allem an der wenig sympathischen Mannschaft jener Zeit lag und dem Fußball, den sie spielte.
Muskelbepackte Panzer a la Hans Peter Briegel, Grobmotoriker und Zerstörer wie die Förster Brüder und die Filigran-Variante Flanke Kaltz - Hrubesch Kopf.
Und von dem Libero wollte der Derwall Jupp auch nicht so recht lassen...führte alles dazu, daß die Presse auf dem Mann herumhackte und ihn persönlich massiv angriff und unter der Gürtellinie beleidigte, so daß Derwall auch der erste Bundestrainer wurde, der vor Ablauf seines Vertrages zurück trat, weil die psychische Belastung vor allem durch die Bild-Zeitungs-Kolumnen a la Max Merkel und Co. einfach zu viel wurden.
In der tiefsten Stunde der Erniedrigung des deutschen Fußballs (neee, war sie nicht, die hatten wir mit Albanien schon, bzw. trainertechnisch kommt sie noch) übernahm die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der Beckenbauer Franz, das Amt des Teamchefs.  In der stillen Hoffnung, er möge schon wissen, wie man Titel gewinnt und vor allem im eigenen Land, denn dort sollte die Euro 1988 stattfinden.
Gelang dem Franz ja auch, 1990 bei der WM – 1988 reichte es dann nur zum Halbfinale in Hamburg gegen die Niederlande; ob das nun die beste niederländische Mannschaft aller Zeiten war oder doch die von 1974, soll hier nicht erörtert werden:
Die Torfolge war die gleiche wie 1974, nur leider umgedreht (Elfmeter, Elfmeter, Schuß aus der Drehung)...vielleicht sorgte Ronald Koeman mit seiner Arschwischaktion dafür, daß der Beckenfranz im Amt bleiben durfte, denn diese Schmach galt es auszulöschen.
Gelang dem Franz denn ja auch zwei Jahre später in Rom, woraufhin er sich wieder zur Bild-Zeitung und zum Golfen zurückzog und seinem designierten Nachfolger Hans Hubert Vogts einen netten Rucksack packte.
Der Franz verkündete nämlich, daß Deutschland nun, nachdem noch die Spieler der EX DDR dazukommen würden, über Jahre hinaus unschlagbar sein würde.
Der Bundesberti ist nach dem Derwalljupp der nächste belächelte Bundestrainer.
Mit dem über Jahre unschlagbar-Vorhersage war nach der Finalniederlage gegen die Dänen Schluß, allerspätestens nach der Letschkov Nummer 1994 bei der Viertelfinalniederlage bei der USA-WM mit dem berühmten Effe-Finger.
Schon damals wollte Berti die Klamotten hinschmeißen, allein Pater Egidius Braun und Helmut Kohl überredeten ihn zum Weitermachen...schließlich haute die Presse auch auf ihn ein...Berti war dröge, langweilig und spießig und predigte im Gegensatz zu den Aussagen vom Kaiserfranz, daß Deutschland eine schwere Zukunft bevorstünde, wenn man nicht endlich mehr in die Jugendarbeit investieren würde.
Da heult der einsame Wolf den Mond an und keiner wollte es hören.
Mit einem Haufen aus größtenteils von ihm in den DFB Jugendauswahlen betreuten Kickern gewann Berti die EM 1996 und ist somit der letzte Bundestrainer, dem ein Titelgewinn bei einem großen Turnier gelang.
Dem Näschen von Bertis Frau verdankte der Legende nach Oliver Bierhoff seine Teilnahme an dem Turnier: „nimm den mit, der wird’s dir danken“ soll Frau Berti gesagt haben – tat das Goldköpfchen mit seinem Golden Goal im Finale.
Nach dem Viertelfinalaus gegen Kroatien, der Schande von Lens und seiner denkbar dämlichen Pressekonferenz mit den Verschwörungstheorien der FIFA und der UEFA (mit denen er seine vorher getätigten Aussagen über die Nachwuchsarbeit kontrakarierte), war auch der Bundesberti nicht mehr zu halten; nach einer Testspielreise auf Malta trat er zurück, da man ihm die Qualifikation absprach, den Neuaufbau der deutschen Nationalmannschaft einzuleiten.
Der Bundesberti hatte immer vor den Folgen des Bosman-Urteils gewarnt und davor, daß der Nachwuchs zu kurz käme, daß Talente nicht gefördert werden...er blieb immer ein Rufer in der Wüste, was das anbelangte und es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis die Nachwuchsarbeit wieder Früchte trug.
Bis dahin fiel dem DFB aber nichts besseres ein, als mit Erich Ribbeck den ältesten Bundestrainer aller Zeiten zu ernennen, der mit Uli Stielike den schlechtest gekleideten Co-Trainer zur Seite gestellt bekam und mit dem ältesten aller DFB-Kader ever bei einem internationalen Turnier antrat.
Im Vorfeld hatte man mit Dariusz Wosz, Oliver Neuville und Paolo Roberto Rink drei Ausländer im Schnellverfahren zu Deutschen befördert. Was aber nix half, denn die deutsche Ü30 schied bei der Euro 2000 sang- und klanglos nach der Vorrunde aus.
Das war denn auch das Ende von Ribbeke und negativer Höhepunkt der Entwicklung im deutschen Fußball.
Daß es in Europa noch weniger als in der Welt keine Kleinen mehr gibt, durfte auch der nächste erfahren, der sich an der Nationalmannschaft versuchen durfte.
Da der Kaiser es nicht schon wieder selber richten wollte, hoffte man inständig, er hätte seine Siegermentalität vielleicht an die 90er Generation weitergegeben.
So übernahm als erstes Tante Käthe Rudi Völler, der ansich nur den Stuhl für den Trainerfuchs Christoph Daum warm halten sollte – aber der Däumling hatte bekanntermaßen seine Nase zu tief in Dinge gesteckt, die Bundestrainer nix angehen, also blieb Ruuuudi Teamchef, führte die Mannschaft zur Vizeweltmeisterschaft 2002 und löste damit eine Rudi-Manie aus, die allerdings relativ schnell wieder abebbte, als es nicht mehr so toll lief; legendär wurde seine Brandrede nach dem 0:0 im Qualifikationsspiel gegen Island im Interview mit Weizen-Waldi.
Völler war der erste, der die Mannschaft behutsam erneuerte; unter ihm debütierten Lahm, Schweisneiger, Kuranyi und Podolski z. B. – die alle zum Kader für die EM 2004 gehörten, bei der die deutsche Mannschaft allerdings wieder nach der Vorrunde nach Hause fahren durfte, weil die Niederlande gegen Lettland 3:0 gewannen und Deutschland über ein 0:0 nicht hinauskam.
Wenn DFB und Nationaltrainer früher so eine Art „bis daß der Tod euch scheidet“ Beziehung war, so musste man sich nun an der Otto Fleck Schneise wieder nach einem Neuen umsehen...nach dem Turnier hatte Rudi den Schnauzer voll.
Logischerweise wurde es wieder einer mit dem 90er Sieger-Gen und wieder einer mit einem „i“ am Bildzeitungs-Namensende...KLINSI.
Nach dem Sommermärchen hätte man ihn auf Händen getragen und ihm wahrscheinlich auch wieder einen Rentenvertrag angeboten, aber Klinsi wollte sich wohl solche Mühlen wie eine Qualifikation (2006 mußte man sich nicht) und eine Europameisterschaft mit der Chance eines wieder frühen Scheiterns wohl nicht antun, trat nach den Schland-Festspielen zurück und überließ das Feld dem Jog“i“, seinem Co-Trainer.
Das ist das Wiederaufleben der alten Tradition, wo man das Feuer des Meisters an den Gesellen weiterreicht, so wie die Kette von Nerz bis Derwall Bestand hatte und es auch beim Beckenfranz und Bert“i“ der Fall war.
Die EM 2012 wird dem Jogi ihm sein drittes großes Turnier sein. Er ist mittlerweile mit einer Quote von 0,679 Siegen pro Spiel der erfolgreichste Bundestrainer, der erste Bundestrainer, der Deutschland ungeschlagen durch eine Qualifikation zu einem Turnier führte, hat zweimal bei seinen Turnieren das Finale erreicht.
Also, ansich wäre er ja mal dran...aber ist halt Euro...Stiefkind und so...und Todesgruppe in der Vorrunde...schau’n wir mal, was wird




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