Dienstag, 29. Mai 2012

DÄNEMARK


DÄNEMARK


FIFA-Weltrangliste
10.
UEFA-Koeffizient (Platz)
12.
EM-Titel
1992
EM-Teilnahmen bisher
1964 / 1984 / 1988 / 1992 / 1996 / 2000 / 2004
EM-Qualifikation
Sieger der Gruppe H
Rekordspieler
Peter Schmeichel (129)
Rekordtorschütze
Poul Nielsen / Jon Dahl Tomasson  (je 52), allerdings brauchte Nielsen nur 38 Länderspiele (1912 – 1925)
EM-Bilanz gg GER
1988:  0:2 (Vorrunde)
1992:  2:0 (Finale)

Dänemark ist ein doofes Land.
Früher wurden sie als Fußballzwerg belächelt und auf eine Stufe quasi mit Albanien gestellt, dann galten sie als die liebenswerten Underdogs, sozusagen als die Kameruner Europas mit den ach so tollen Spielern und den ach so tollen Fans (die die Schotten im Lustigkeitsfaktor ablösten).
Und seit 1992 darf man ja quasi gar nichts Schlechtes mehr über die Dänen sagen.
Ihr wisst schon:  das Telefon klingelt, und dann nehmen 22 Dänen das Handtuch von der Strandliege, treffen sich bei McDonalds auf’n paar Burger, schippern nach Schweden und werden Europameister; schlagen im Finale die ungeliebten Deutschen, denen der Beckenbauerfranz noch zwei Jahre zuvor zukünftige Unschlagbarkeit prognostiziert hatte ob der Wiedervereinigung.
Ihren Europameistertitel hatten die Dänen in erster Linie drei Dingen zu verdanken: dem Glück, daß die eigentlich qualifizierten Jugoslawen vom Turnier ausgeschlossen wurden - Peter Schmeichel, dem herausragenden Torhüter von Manchester United, der vor allem in den Finalspielen überragend hielt und Marco van Basten, der im Halbfinale im Elfmeterschießen versagte.
Beide Tore im Finale waren höchst umstritten, und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß dem Schweizer Schiri Galler dieses Unschlagbarkeitsgewäsch von Beckenbauer genauso auf den Sack ging wie vielen anderen...so daß sich alle weniger darüber freuten, daß Dänemark gewonnen hatte, als daß Deutschland NICHT siegte.
Als Vater des Erfolges wurde der Trainer Richard Moeller Nielsen gefeiert, den man natürlich auch prompt zum Trainer des Jahres 1992 wählte.
Moeller-Nielsen war bis 1990 Dänemarks Jugendtrainer gewesen, kannte also viele der Spieler noch, die er jetzt betreute, was ihm allerdings nicht ungeteilte Liebe einbrachte.
Schon zu Beginn der Qualifikation nach einem Unentschieden in Nordirland und einer Niederlage in Jugoslawien stand er heftig in der Kritik, auch von Seiten der Spieler.
Michael Laudrup, der einzig wahre Weltstar der Dänen (neben Peter Schmeichel) trat sogar wegen Moeller-Nielsen aus der Nationalmannschaft zurück.
Daß er dann den Europameisterschaftserfolg feiern konnte, lag wohl mehr oder weniger daran, daß man, nach dem die Dänen doch noch zur Endrunde kamen, wie die Jungfrau zum Kind, auf die Schnelle keinen geeigneten Nachfolger finden konnte.
War auch egal...die Dänen, unter der Führung von Schmeichel und Brian Laudrup, trainierten sich in erster Linie selbst.
Erste Wahl war Moeller-Nielsen sowieso nicht gewesen und eigentlicher Vater des dänischen Fußballwunders sowieso nicht.
Zwar brachte Dänemark immer wieder hervorragende Fußballer hervor, doch sobald diese dann ins Ausland wechselten, waren sie für die Nationalmannschaft gestorben, weil der dänische Verband keine Profis in seiner Auswahl duldete.
1964 waren die Dänen Vierter bei der EM geworden, allerdings war daran auch der damalige Modus schuld: in der Qualifikation hatten es die Dänen mit Malta zu tun (6:1 / 3:1), dann kam im Achtelfinale Albanien, das seine Vorrunde nur deshalb gewann, weil die zugelosten Griechen sich weigerten, gegen Albanien aufzulaufen, denn offiziell befand man sich noch im Kriegszustand (!!!).
Gegen die Albaner gewann Dänemark zu Hause 4:0 und leistete sich eine peinliche Schlappe in Tirana (0:1), was aber für das Viertelfinale reichte.
Dort wartete der „Fußballriese“ Luxemburg, das überraschend die Niederlande geschlagen hatte (1:1 / 2:1).  In Luxemburg ging das Spiel 3:3 aus, in Dänemark reichte es nur zu einem 2:2. Die Auswärtstorregel galt damals noch nicht, also musste ein drittes Spiel ran, welches die Dänen 1:0 in Amsterdam gewannen.
Im Halbfinale gab es gegen die Sowjetunion (0:3) nichts zu bestellen und im kleinen Finale gegen Ungarn auch nicht (1:3, wenn auch erst in der Verlängerung).
Das war dann die dänische EM-Geschichte soweit und die WM-Geschichte sah ähnlich aus...Dänemark hatte nämlich noch nie an einer Endrunde teilgenommen.
Ein Glücksfall wollte es, daß die Dänen 1979 den gerade beim FC St. Pauli entlassenen Sepp Piontek als Nationaltrainer verpflichteten. Der überzeugte die Verbandsbosse, daß es so nicht weiter gehen konnte und er bereitste Europa, um die dänischen Stars zu überzeugen, daß sie doch bitte sehr nun doch für Dänemark spielen sollten. 1984 gelang erstmals nach 1964 wieder die Qualifikation zu einer EM, wo es bis ins Halbfinale ging – 1986 ging es erstmals zu einer WM, wobei die Dänen zuvor in der Qualifikation Deutschland mit 2:0 schlugen. Piontek ist damit nur einer von drei deutschen Trainern, denen es gelang, gegen eine DFB-Auswahl zu gewinnen. Die anderen sind der DDR-Trainer Georg Buschner, dem 1974 dieses Kunststück gelang und Ottmar Hitzfeld (das 5:3 in Basel am 26.05.2012).
Elf Jahre betreute Piontek die Dänen, als die Qualifikation zur WM 1990 um einen Punkt verpaßt wurde, folgte allerdings die Entlassung.
Als Pionteks Nachfolger wurde der Trainer von Bayer 05 Uerdingen vorgestellt, Horst „Fussel Wohlers“ ...was etwas voreilig war, denn Fussel hatte noch einen gültigen Vertrag bei den Krefeldern und die verweigerten die Auflösung des Kontraktes.
So nahm man dann doch Richard Moeller Nielsen. So wird man Europameister.
Der einzige Erfolg neben dem EM-Gewinn 1992 war dann später der Gewinn des Confederations-Cup 1995, im Finale gegen Argentinien (2:0!!!).
Das war Höhepunkt und Abschied der alten dänischen Garde zugleich. 

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