Montag, 28. Mai 2012

KROATIEN


KROATIEN


FIFA-Weltrangliste
8.
UEFA-Koeffizient (Platz)
22.
EM-Titel
Keiner
EM-Teilnahmen
1996 / 2004 / 2008
EM-Qualifikation
Play-Offs gegen die Türkei  3:0 und 0:0
Rekordspieler
Dario Simic (100)
Rekordtorschütze
Davor Suker (45)
EM-Bilanz gg GER
1976:  2:4 n.V (Halbfinale) als Jugoslawien
1996:  1:2 (Viertelfinale)
2008:  2:1 (Vorrunde)

Es gibt in der Geschichte vieler Fußballnationen eine sogenannte „goldene Generation“.
Wenn der Fußballgott gerecht ist, dann gelingt es jener Generation, Außergewöhnliches zu leisten, Großes zu vollbringen und Titel zu erringen.
Manchmal ist der Fußballgott jedoch gerade in dieser Situation auf Klo oder einen saufen mit seinen Kumpels Schicksal, Zufall und Elfmeterschießen oder er wird von seiner Stiefmutter, der Politik, in die Besenkammer gesperrt.
Der kroatische Partisanenführer Tito hatte nach dem zweiten Weltkrieg das ehemalige Königreich der Südslawen als föderative Republik Jugoslawien wiederbelebt als kleinen relativ unabhängigen kommunistischen Staat.
Und das kleine Jugoslawien brachte immer wieder hervorragende Fußballer hervor, die immer wieder im Konzert der ganz großen Nationen mitsingen konnten.
WM-Viertelfinale 1954 und 1958, vierter Platz 1962, Finalrunde 1974 – EM-Zweiter 1960, 1968 (als man erst im Wiederholungsspiel gegen Italien unterlag), EM Vierter 1976, als man im Halbfinale unglücklich gegen Deutschland 2:4 nach Verlängerung ausschied und das Spiel um Platz 3 ebenso unglücklich verlor, gegen die damals vermeindlich beste Fußballnation der Welt, die Niederlande (2:3 n.V.).
Damals standen sechs Kroaten im Kader Jugoslawiens von 17 Spielern.
Die goldene Generation Jugoslawiens nahm 1987 ihren Anfang, als Jugoslawien Junioren-Weltmeister wurde mit Robert Jarni, Zvonimir Boban und Davor Suker.
Die WM 1990 sollte ein erster Höhepunkt werden; viele Spieler verdienten mittlerweile ihr Geld im Ausland, das Ausscheiden im Viertelfinale durch Elfmeterschießen gegen Argentinien war eher tragisch.
Doch da waren bereits ein Teil der kroatischen Spieler nicht mehr dabei, namentlich jene von Dinamo Zagreb...der jugoslawische Bürgerkrieg begann für viele am 13.05.1990, als im Maksimir-Stadion zu Zagreb die Partie zwischen Dinamo und Roter Stern angepfiffen werden sollte. Die Partie fand nie statt. Bereits tagsüber war es zwischen den Bad Blue Boys, den Dinamo Fans und den Delije, den Belgradern in der Stadt zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Als die Delije dann begannen, die Tribüne im Maksimir-Stadion zu demolieren, stürmten die Bad Blue Boys den Rasen und lieferten sich eine wüste Schlacht mit den Ordnungshütern.
Es war der Abend, an dem Zvonimir Boben zum Nationalhelden Kroatiens aufstieg. Fernsehkameras übertrugen live die Bilder als Dinamos Mannschaftskapitän auf einen Polizisten eintrat, der vorher auf einen Fan eingeschlagen hatte.
Am 25.06.1991 erklärte Kroatien seine Unabhängigkeit und bereits am 17.10.1990 hatte es ein erstes Länderspiel einer kroatischen Nationalmannschaft gegeben und das war quasi das Ende der goldenen Generation einer Jugoslawischen Nationalmannschaft.
Im Juli 1992 erlangte Kroatien seine Wiederaufnahme in die FIFA. 
Was aus diesem Team hätte werden können, wenn man als eine Nation aus Serben, Kroaten, Bosniern, Slowenen, Mazedonen und Montenegrinern weiter zusammengespielt hätte, ist rein hypothetisch.

Die Kroaten gehörten (logischerweise) zu jenen Nationen, die Serbien-Montenegro unter dem Namen Jugoslawien die Teilnahme an der EM 1992 untersagten und somit maßgeblich zum Titelgewinn Dänemarks beitrugen.
Robert Prosinecki, in Deutschland geboren, Sohn eines kroatischen Vaters und einer serbischen Mutter, war damals im Mai 1990 noch auf Seiten von Roter Stern Belgrad auf dem Platz, es sollte bis 1994 dauern, bis er sich dann auch dafür entschied, fortan für Kroatien aufzulaufen.
Die Politik war es, die der goldenen Generation die Möglichkeit nahm, Titel zu gewinnen – 1994 waren alle Mannschaften des ehemaligen Jugoslawiens für internationale Turniere gesperrt.
Selbst 1996 war der Bürgerkrieg beim ersten großen Auftritt der Kroaten auf internationaler Bühne noch nicht aus den Köpfen verschwunden.
Dinamo Zagreb hieß jetzt zwangsverordnet Croatia.
Boban, der Held des 13.05, hatte mit martialischen Aufrufen dafür gesorgt, daß viele der Bad Blue Boys sich als Freiwillige zur kroatischen Armee gemeldet hatten – sie trugen das Dinamo-Wappen am Stahlhelm und hissten die Vereinsfahne an der Front.
Slaven Bilic hatte mit anderen zusammen eine Organisation gegründet, die Spenden sammelte, um damit Waffen für die kroatische Armee zu kaufen und Trainer Blazevic versprach vor dem Turnier, seine Mannen würden auf dem Rasen so kämpfen wie die tapferen Soldaten in der Krajina – in Anspielung auf die Zerschlagung der Republik Serbische Krajina, die etwa ein Drittel des kroatischen Staatsgebietes umfasst hatte, im August 1995. „Fußball ist wie Krieg, und manchmal stirbt auch einer“.
Seine Spieler schienen solcherlei martialische Rhetorik zu stark verinnerlicht zu haben, vor allem im Viertelfinale gegen Deutschland: „uns steht ein Krieg auf Leben und Tod bevor. Gegen die deutschen Stukas und Messerschmidts werden wir mit Kamikaze-Fliegern antreten.“
Es wurde eines der hässlichsten Fußballspiele in der EM-Geschichte.
Die Kroaten traten auf alles ein, was sich bewegte, der Schiedsrichter war mit der Partie komplett überfordert, in Erinnerung bleiben wird wohl immer die Szene, als Slaven Bilic dem verletzen Christian Ziege gegen die Brust trat.
Daß sie es spielerisch wesentlich besser können, zeigten sie zwei Jahre später, als sie bei der WM 1998 Dritter wurden und Deutschland im Viertelfinale 3:0 nach Hause schickten (was aber auch am schwachen Auftreten der Deutschen lag) und bei der Euro 2008, als eine neue kroatische Generation die Deutschen in der Vorrunde 2:1 schlagen konnte. Damals stand der alte Krieger Slaven Bilic schon an der Seitenlinie als Trainer der Kroaten, er wird dies auch bei dem Turnier 2012 tun, bevor er dann zu Lok Moskau wechseln wird. 

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